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Kamera läuft: Die Siebtklässler der Mittelschule haben im Rahmen de s Projekts „mobil im museum“ im Stadtmuseum Videoclips zum Thema Heimat und Heimatverlust gedreht. 

Projekt „mobil im museum“

„Besser verstehen, was Flucht bedeutet“: Schüler drehen Videos im Stadtmuseum

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Die Siebtklässler der Geretsrieder Mittelschule haben im Stadtmuseum Videos zum Thema Heimat gedreht. Der etwas andere Unterricht war aus mehreren Gründen beeindruckend.

Geretsried – Ein kleiner Tisch, eine Holzwand, ein Feldbett. Darauf sitzen ein Mädchen und ein Bub, Tamara und Thomas. „Wir sind im Jahr 1936 und interviewen live Menschen, die unter dem Krieg leiden“, sagt Reporterin Tamara. „Ich musste fliehen und wohne seitdem in dieser Baracke“, erzählt Thomas, als Tamara ihm ein Mikrofon unter die Nase hält. Das ist eine Szene aus einem der vier Videoclips zum Thema Heimat und Heimatverlust, die die Schüler der Klasse 7a der Geretsrieder Mittelschule vor Kurzem im Stadtmuseum gedreht haben.

Den Anstoß dafür gab das Projekt „mobil im museum“ des Münchner JFF-Instituts für Medienpädagogik. In Zusammenarbeit mit dem Landesverband der nichtstaatlichen Museen, der Sparkassenstiftung und dem bayerischen Jugendring organisiert das Institut Film-Workshops für Kinder und Jugendliche. In Geretsried bewarb sich Museumsleiterin Anita Zwicknagl um den Workshop und fragte bei Thomas Stöger, Klassenleiter der 7a, an. Von beiden Seiten bekam sie eine Zusage.

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Zwei Nachmittage verbrachten die 16 Schüler im Stadtmuseum. Nach einer Führung durch die Räume machten sich die Mädchen und Buben an die Arbeit. Sie entwickelten Geschichten und überlegten, wer als Schauspieler vor der Kamera stehen soll. Drei professionelle Filmemacher vom Institut für Medienpädagogik unterstützten die Vierergruppen beim Filmen mit dem Tablet und gaben Tipps für das richtige Licht und den Umgang mit dem Mikrofon.

„Wir wollten eine Nachrichtensendung machen und haben Leute interviewt, wie sie den Weltkrieg erleben“, erklärt Thomas. Eine zweite Gruppe hat eine Kriegssituation nachgespielt. „Wir haben gefilmt, dass wir am Küchentisch sitzen und darüber reden, wie wir fliehen wollen und was wir vorher noch machen müssen“, sagt Ena. „Damit das gut klappt, haben wir den Text vorher auswendig gelernt.“ Die vierte Gruppe hat sich kein Szenario ausgedacht. Ihr Hauptdarsteller, der 14-jährige Shadi, ist selbst vor drei Jahren von Syrien nach Deutschland geflohen. Im Video erzählt er seine Geschichte.

„Ein richtig tolles Gemeinschaftsprojekt“

Als das Material im Kasten war, ging die Arbeit weiter. „Nach dem Filmen haben uns die Coaches ein Programm gezeigt, mit dem wir die Videos selbst schneiden konnten“, berichtet Tamara. „Das hat echt viel Spaß gemacht“, ergänzt Thomas. Seine Mitschüler sehen das genauso. „Es war sehr interessant“, sagt Jeremy. „Man versteht nun besser, was Flucht bedeutet.“

Lehrer Thomas Stöger ist begeistert von den Kurzfilmen seiner Schüler. „Das war ein richtig tolles Gemeinschaftsprojekt. Alle waren begeistert bei der Sache und sehr kreativ.“ Museumsleiterin Anita Zwicknagl freut sich ebenfalls über die gelungene Aktion. „Wir überlegen, Teile davon in unseren Museumsfilm einzubauen.“ mh 

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