Justitia im Gericht
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Vor Gericht sprach der Angeklagte von einem Filmriss.

Amtsgericht

Betrunkener beißt Mitbewohner ins Ohr - Bewährungsstrafe

  • vonPeter Herrmann
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Reichlich Alkohol intus hatte ein Geretsrieder (26). Er attackierte seinen Mitbewohner - und musste sich dafür nun vor Gericht verantworten.

Geretsried/Wolfratshausen Reichlich Alkohol hatte ein Geretsrieder am 18. Dezember 2018 konsumiert, bevor er seinen Mitbewohner attackierte, eine leere Bierflasche nach einem Polizisten warf und sich seiner Verhaftung wiedersetzte. Erst 15 Monate später kam es zur Verhandlung am Wolfratshauser Amtsgericht.

 Im frisch gebügelten Hemd und glatt rasiert erschien der Angeklagte im Gerichtssaal. „Ich bin mittlerweile ein anderer Mensch“, behauptete er. Eine Woche vor der Verhandlung hatte der 26-Jährige geheiratet. Auf der Feier erschien auch sein damaliger Mitbewohner, dem kurz vor Weihnachten 2018 übel mitgespielt wurde. 

„Kompletter Filmriss“

Was war geschehen? „Ich hatte einen kompletten Filmriss“, schickte der Geretsrieder voraus. Er konnte sich noch vage daran erinnern, dass er zunächst in einem Zeitraum von wenigen Stunden fünf Halbe Bier und eine halbe Flasche Korn getrunken hatte. „Und danach habe ich eine Flasche , Berliner Luft‘ geext“, schob der Angeklagte hinterher. Nachdem er diesen Likör mit 18-prozentigem Alkoholgehalt in sich hineingeschüttet hatte, setzte seine Erinnerung aus. 

Den Rest erzählte sein 37-jähriger Mitbewohner. „Er klingelte zunächst, weil er seinen Schlüssel nicht mehr finden konnte“, sagte er aus. Hereingelassen wurde der junge Mann zunächst nicht. Kurz darauf klingelte der Angeklagte bei einem Nachbarn und verschaffte sich so Zugang in das Geretsrieder Mehrfamilienhaus. Sein Mitbewohner hatte mittlerweile ein Einsehen und öffnete die Wohnungstür. Offensichtlich ein Fehler: Denn nun kam es zu einem Gerangel, bei dem er geschlagen und ins Ohr gebissen wurde. 

Polizeibeamte mussten den Mann fixieren

Mit Müh und Not flüchtete sich der Mann zu einem Nachbarn und alarmierte die Polizei. Die wiederum benötigte einige Minuten, um den mittlerweile auf dem Sofa eingeschlafenen Störenfried zu wecken. „Als wir ihn baten, mit uns zu kommen, griff er nach einer leeren Bierflasche und warf sie an die Wand“, berichtete ein Polizist. Dass das Glasbehältnis wie durch ein Wunder nicht zerbrach und nur einen Meter neben seinem Kopf einschlug, beschrieb er als „glücklichen Umstand“. Mit der Unterstützung zwei weiterer herbeigerufener Einsatzkräfte gelang es schließlich, den Mann zu fixieren und zur Polizeiwache zu fahren. Auf der Dienststelle war von Beruhigung zunächst keine Spur: „Er hat sich massiv gesträubt und geschrien, dass er uns alle erschießen werde“, erklärte ein weiterer Polizeibeamter. 

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Ein bei der Verhandlung anwesender Gerichtsmediziner äußerte Zweifel an den Angaben des Angeklagten. Denn der angegebene Alkoholkonsum hätte zu einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit führen müssen. Das nach dem ersten erfolglosen Versuch erfolgte Klingeln bei einem Nachbarn bewies aber, dass er durchaus noch bewusst handelte. 

Vier Vorstrafen

Aufgrund seiner vier Vorstrafen stand für den Angeklagten nun viel auf dem Spiel. Da er nach dem Vorfall jedoch umfangreiche Therapiemaßnahmen in Anspruch nahm, ließ Richter Helmut Berger Gnade walten. Aufgrund der positiven Sozialprognose setzte er eine elfmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. „Zudem müssen Sie weiterhin zur Caritas-Suchtberatung.“

Peter Herrmann

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