Das Gebäude, in dem das Baugenossenschaftszentrum und der C&A untergebracht sind.
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Das Baugenossenschaftszentrum, kurz BGZ: Hier ließen ein Eurasburger und ein Geretsrieder selbst gebastelte Böller detonieren. Mit weitreichenden Folgen.

Am BGZ in Geretsried

Wollten das Opfer „ein bisschen erschrecken“ - Bewährungsstrafe nach Böllerschlägen

  • vonRudi Stallein
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Die Explosion hätte böse enden können: Mit selbstgebastelten Böllern wollten drei Täter einer jungen Frau eine Lektion erteilen. Nun gibt es ein Gerichts-Urteil.

Geretsried – Der Gedanke drängte sich auf. „Da fragt man sich, was in solchen Hirnen vorgeht“, sinnierte Richter Helmut Berger, als der 25-Jährige am Montag vor ihm auf dem Zeugenstuhl schilderte, wie er einen Böller Marke Eigenbau im Treppenhaus des BGZ in Geretsried zur Explosion gebracht hatte. Der Vorfall ereignete sich bereits am 22. September 2019.

Nun wurden zwei Frauen aus Höhenrain und Wolfratshausen (beide 22) sowie ein Eurasburger (38) vom Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen wegen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in zwei Fällen – und anderen Delikten – jeweils zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Täter wollten jungen Mädel eine Lektion erteilen - und fertigten Sprengstoff nach einer Youtube-Anleitung

Bei den Ermittlungen zu der Explosion im September vor zwei Jahren kam heraus, dass es bereits die zweite war. Drei Wochen zuvor war das Trio schon einmal vor Ort. Auslöser für die Aktion war ein Streit mit einer heute 18-jährigen Geretsriederin, die in dem Gebäudekomplex an der Egerlandstraße wohnt. Vermutlich ging es dabei um Geld. Jedenfalls beschlossen die zwei Damen, der Geretsriederin eine Lektion zu erteilen und sie „ein bisschen zu erschrecken“.

Dafür lieferte ihnen der mitangeklagte Eurasburger das passende Utensil. Der 38-Jährige fertigte damals nach YouTube-Anleitung Sprengkörper aus einem Magnesium-Schwefelgemisch an und war (nach eigener Aussage aufgrund einiger zuvor konsumierter Biere) von dem geplanten Vorhaben so angetan, dass er die Frauen begleitete. Vor Ort kam es zwar nicht zur Aussprache, weil die 18-Jährige trotz heftigen Schlagens und Tretens gegen die Tür nicht öffnete. Bevor sie zurück nach Wolfratshauen fuhren, ließ der 38-Jährige aber den Böller im Innenhof des BGZ detonieren.

Drei Wochen später kochte das Thema wieder hoch. Dieses Mal lief es anders ab: Die Frauen drehten mit dem Auto eine Runde um den Block. Währenddessen wollte ein Freund einen weiteren illegalen Böller aus dem Bestand des Eurasburgers ebenfalls im Innenhof zünden. Der 25-Jährige überlegte es sich jedoch kurzerhand anders – und warf den Böller ins Treppenhaus. Durch die Explosion entstand ein Sachschaden von rund 1200 Euro.

Im November 2019 rückte sogar das SEK aus - die Täter gestanden sofort

Am nächsten Tag meldete sich die Geretsriederin bei der Polizei. Sie berichtete, dass die „Anschläge“ ihr gegolten hätten und benannte die Täter. Diese erschraken mächtig, als Ende November 2019 das SEK bei ihnen vor der Tür stand. Die Vorwürfe räumten sie im Großen und Ganzen ein. Manches blieb unklar, was auf den Ausgang des Verfahrens nur geringfügige Auswirkungen hatte.

Welcher Gefahr die drei nicht nur andere, sondern auch sich selbst ausgesetzt hatten, verdeutlichte ein Beamter des Landeskriminalamts. So ein YouTube-Nachbau sei „brandgefährlich, weil er sehr hitzeempfindlich ist und man ihn nicht genau einschätzen kann“, sagte der Sprengstoffexperte. „Die Eigengefährdung ist enorm.“

Bastler mehrfach vorbestraft

Er werde damit nichts mehr zu tun haben, beteuerte der Böllerbastler. Er wurde, weil bereits mit sieben Vorstrafen ausgestattet, zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie 120 Sozialstunden verurteilt. Die Wolfratshauserin, bereits zum fünften Mal vor Gericht, kam mit 16 Monaten und 500 Euro für den Deutschen Kinderschutzbund davon. Ein Jahr und zehn Monate sowie 3500 Euro Geldauflage ist die Strafe für die bislang nicht vorbestrafte Höhenrainerin. Sie musste sich auch wegen Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln verantworten. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten, der beim zweiten Anschlag mit im Auto saß, wurde gegen Zahlung von 1000 Euro an den Verein Arbeit für Jugend eingestellt.

Der 25-Jährige, der den zweiten Böller geworfen hatte, war bereits im vergangenen November wegen Verbrechen nach dem Betäubungsmittelgesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. rst

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