In einer Wohnung an der Sudetenstraße in Geretsried brennt es
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Großeinsatz im Januar 2020: Ein 24-Jähriger hatte in der Wohnung seiner Großeltern Feuer gelegt.

Prozess beginnt

Geretsried: Brandstifter mit Schüssen gestoppt

  • Nina Gut
    vonNina Gut
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Ein heute 24-jähriger Geretsrieder randalierte vor einem Jahr mit einem Messer in der Hand in einer Wohnung und steckte diese dann in Brand. Erst mit Schüssen in die Beine konnte die Polizei den Mann stoppen.

Geretsried/München – Ivan B. (Name geändert) – grauer Pulli, blaue Gefängnishose – hinkt in den Gerichtssaal. Sein rechtes Bein kann er nicht durchstrecken. Etwas mühsam setzt er sich auf die Anklagebank. Der Grund für das Hinken: Ein Polizist hat ihm vor einem Jahr mit der Pistole in beide Beine geschossen. Denn Ivan B. hatte in Geretsried die Wohnung seiner Großeltern in Brand gesteckt und sich mit einem Messer verschanzt. Da er nicht zur Aufgabe überredet werden konnte, griff ein Polizist zur Waffe. Acht Operationen folgten seitdem für B.

Seit der Tat sitzt der Deutsch-Russe, der Lagerist von Beruf ist, in Untersuchungshaft in München-Stadelheim. Nun muss er sich wegen besonders schwerer Brandstiftung und Drogenhandels vor dem Landgericht München II verantworten. Zum Prozessauftakt äußerte er sich weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen. Das will er erst im Laufe des Verfahrens tun.

Angeklagter fühlte sich offenbar verfolgt

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft lief die Tat so ab: Am Abend des 5. Januars 2020 ging der Angeklagte zu seinen Großeltern in ein Mehrfamilienhaus an der Sudetenstraße. Offenbar fühlte er sich ohne nachvollziehbaren Grund verfolgt. Er randalierte in der Wohnung und schnappte sich ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von rund 20 Zentimetern. Daraufhin rief seine Oma die Polizei. Nachdem auch die zwei alarmierten Beamten den Enkel nicht dazu bringen konnten, das Messer wegzulegen, verließen sie mit den Großeltern die Wohnung. Der Enkel sperrte sich dort selbst ein. Auch die alarmierte Polizei-Unterstützung konnte ihn nicht zur Räson bringen.

Kurz nach Mitternacht machte B. einen großen Fehler: Er zündete Kleider im Schlafzimmerschrank der Großeltern an. Die Polizisten brachen die Wohnung auf, mussten aber wegen des starken Rauchs wieder abrücken. Derweil stieg B. mit dem Küchenmesser aufs Fensterbrett, wo ihm der Einsatz von Waffen angedroht wurde. Ein Schuss verfehlte ihn schließlich. Daraufhin ging er auf den Balkon auf der anderen Seite der Wohnung.

Zwei Kugeln trafen seinen Unterschenkel

Auch hier versuchten die Beamten, ihn zur Aufgabe zu überreden. Die Aufforderungen, der Einsatz von Pfefferspray sowie ein Warnschuss ins Fenster blieben jedoch erfolglos, sodass sich das Löschen des Brandes immer weiter verzögerte. Schließlich machte ein Polizeihauptmeister ernst: Er feuerte fünf Mal durch die Balkonbrüstung hindurch. Zwei Kugeln trafen B.s Unterschenkel, sodass er zusammenbrach. Bei dem Brand entstand ein Schaden von 120.000 Euro.

Der Angeklagte und sein Verteidiger wollen sich am Freitag zu der Tat äußern, wenn sie sich mit einem weiteren Verteidiger besprochen haben. Dabei wollen sie auch schildern, „welch gravierende Folgen der Schusswaffengebrauch hatte“, sagte Verteidiger Jürgen Hadinger. Außerdem will er sich dafür einsetzen, dass der Angeklagte in eine Kur zur Drogenentziehung kommt.

Ivan B. gibt auf jeden Fall schon mal zu, dass er in Geretsried sechs Mal Marihuana verkauft und einmal ein halbes Gramm zum Verkauf in seiner Wohnung aufbewahrt hat. Allerdings habe er keinen Gewinn erzielen wollen. „Er hat das Marihuana zum Einkaufspreis an einen Spezl weitergegeben“, sagt sein Anwalt, „er hatte es nicht nötig, daran zu verdienen.“

gut

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