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Gute Freunde: Christian Walter im Rollstuhl (Mitte), umgeben von seinen Freunden Thomas Breuer (li.) und Sergej Schmidt aus Hamburg. Mit ihm ist Walter im Jahr 2001 sieben Wochen lang vom australischen Outback zum Pazifik gewandert.

„Ich kann mich plagen für ein Ziel“

Nach Schlaganfall: Christian Walter macht Fortschritte

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Geretsried - Mitte Oktober hat Sportlehrer und Lauftrainer Christian Walter (50) einen Schlaganfall erlitten. Wie geht es ihm heute? Wir haben mit ihm gesprochen.

Mitte Oktober hat Sportlehrer und Lauftrainer Christian Walter, gerade einmal 50 Jahre alt, einen Schlaganfall erlitten (wir berichteten). Seitdem ist seine linke Körperhälfte gelähmt. Seit nun drei Wochen – und noch bis Anfang Februar arbeitet Walter, den viele mit Harald Brändle zusammen auch als Veranstalter des Firmenlaufs kennen, in der Reha an seiner Rückkehr in die Normalität. Redakteur Peter Borchers sprach mit Walter über das harte Training, Rückschläge und die Fortschritte.

Herr Walter, wie geht’s Ihnen heute?

Ach ja, ganz gut. Ich war über Silvester und damit an meinem Geburtstag zu Hause. Wieder einmal im eigenen Bett schlafen zu können, das ist schon sehr schön. Und Familie und Freunde zu sehen, das tat auch sehr gut.

Warum mussten Sie über Weihnachten in der Reha-Klinik bleiben?

Ich nehme blutverdünnende Medikamente, und meine Gerinnungswerte waren nicht so, wie sie sein sollten. Über Silvester haben mich zwei Ärzte der Wolfratshauser Kreisklinik, die in meiner Marathongruppe trainiert haben, betreut. Sie haben die Werte kontrolliert und das Medikament entsprechend dosiert.

Wie läuft die Reha?

Gut. Ich habe mir neben den normalen Therapien ein eigenes Programm erstellt, weil ich die Muskeln auf der linken Seite noch nicht ansteuern kann. Dazu mache ich Kniebeugen. Ist zwar alles ein bisschen wackelig, aber es wird täglich besser.

Gibt’s weitere Fortschritte?

Ja. Mein linkes Bein kann inzwischen mein Körpergewicht wieder tragen. Ich kann mein linkes Knie durchstrecken. Zuhause bin ich die Treppen alleine hochgekommen, natürlich nur, wenn ich mich am Handlauf hochgehangelt habe. Und ich kann einige Schritte gehen – ebenfalls an einem Handlauf.

Wo liegen Ihre nächsten Ziele?

Ich denke, ich stehe kurz davor, dass ich wieder alleine gehen kann. Das wäre die wichtigste Voraussetzung, um selbstständig leben zu können. Das fängt bei Dingen wie dem nächtlichen Toilettengang an und endet darin, dass ich nach Hause kann.

Was macht die linke Hand?

Da passiert leider noch wenig. Deshalb legen wir aktuell den Fokus etwas mehr darauf. Beispielsweise bekomme ich Elektrobäder, um die Nerven zu stimulieren. Die Finger kann ich ein bisschen bewegen, das zeigt, dass die Verbindung zwischen Hirn und Hand gegeben ist. Wissen Sie, was lustig ist? Immer wenn ich gähne, mache ich eine Faust und wenn ich fertig bin, strecke ich die Hand wieder aus. Wenn Sie mir aber sagen, ich soll eine Faust machen, kann ich das nicht.

Was sagen Ihre Ärzte zum Stand Ihrer Rekonvaleszenz?

Sie meinen, man würde deutlich meine sportliche Vergangenheit merken. Das Training ist sehr hart, hat eine hohe Intensität. Alles, was wir machen, erfordert eine hohe körperliche Anspannung und enorme Konzentration.

Ihre Vergangenheit als Leistungssportler hilft Ihnen also bei der Genesung?

Absolut. Natürlich kann man die Reha nicht mit Leistungssport vergleichen, bei dem du nach einer extrem harten Einheit beispielsweise noch einmal eine Schippe drauflegst. Aber ich kann mich plagen für ein Ziel. Das halten andere Leidensgenossen, die zwar auch motiviert sind, oft nicht durch.

Sie sind im Landkreis sehr bekannt. In den sozialen Netzwerken nehmen viele Menschen Anteil. Hilft Ihnen der Zuspruch von verschiedenen Seiten?

Täglich bin ich überrascht, wie viele Menschen sich für meinen Gesundheitszustand interessieren und mich ermuntern, so weiterzumachen. Es sind auch viele dabei, mit denen ich schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, darunter ehemalige Weggefährten aus meiner Zeit im Leistungssport. Das motiviert mich ungemein.

Sie haben ein Bild gepostet, auf dem Sie und Ihr Sohn Laurin auf einem Voralpengipfel stehen. Darunter haben Sie geschrieben: „Da möchte ich wieder hin, wer geht mit?“ Also, wenn Sie nichts dagegen haben: Ich bin dabei.

Natürlich freue ich mich über jeden angenehmen Menschen als Begleiter. Sie sind fest eingeplant.

Das Interview führte Peter Borchers

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Die Geschichte von Christian Walter hat viele Menschen bewegt - sie zählt zu den meistgelesenen Artikeln des Jahres 2015. Hier finden Sie die weiteren Highlights zum Nachlesen.

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