Macht nach fast drei Jahrzehnten Schluss: Gerhard Mai gibt zum Jahresende sein Taxi-Unternehmen auf. Die Corona-Pandemie hat den 54-Jährigen dazu gezwungen.
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Macht nach fast drei Jahrzehnten Schluss: Gerhard Mai gibt zum Jahresende sein Taxi-Unternehmen auf. Die Corona-Pandemie hat den 54-Jährigen dazu gezwungen.

Talfahrt in den Ruin

Nach fast 30 Jahren: Taxiunternehmen gibt wegen Corona auf - Pandemie „hat alles kaputtgemacht“

  • VonPeter Borchers
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Die Corona-Pandemie setzt vor allem der Taxi-Branche schwer zu. Ein Geretsrieder Unternehmen zieht nun die Konsequenzen - und schließt sein Geschäft nach fast 30 Jahren.

  • Die Corona-Pandemie setzt der Taxi-Branche schwer zu.
  • Ein Geretsrieder Unternehmer zieht nun die Konsequenzen.
  • Nach fast 30 Jahren schließt Taxi Mai für immer.
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Geretsried – Kaum eine Branche traf die Corona-Pandemie so heftig wie die Taxi-Unternehmen. Mit den Kontaktbeschränkungen und den Restriktionen im Reiseverkehr im Frühjahr sowie den Schließungen von Bars und Restaurants brach den Taxifahrern die Kundschaft weg. Geschäftsleute erledigten ihre Konferenzen per Videokonferenzen, anstatt auf Reisen zu gehen. Mit dem Einbruch des Flugverkehrs waren auch die Airports keine Ziele mehr.

Corona in Geretsried: Taxiunternehmer hat vom ersten Lockdown bis heute weit über 100.000 Euro Einbußen

Die Zeit zwischen dem Ende des ersten Lockdowns und dem Lockdown light war kurz – für Gerhard Mai zu kurz, um sich finanziell zu erholen. Der 54-Jährige wird sein seit 1994 bestehende Unternehmen in Geretsried, das er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Lanzinger-Ullmer führt, für immer schließen. Mai hat „bis jetzt Einbußen von weit über 100 000 Euro, und wir kriegen keine Unterstützung“.

Fünf Autos fuhren für die Firma, Mai beschäftigte zuletzt vier Festangestellte und neun Aushilfen, die ein breites Feld beackerten: „Wir haben von der Wiesn, von den Dorffesten am Wochenende und von den Kneipenbesuchern gelebt. Wir hatten Krankenfahrten, haben Schulkinder und die Inklusionskinder von Münsing befördert.“ Den Franz-Josef-Strauß-Flughafen in Erding steuerte Taxi Mai in guten Zeiten zwei, dreimal die Woche an.

Geretsried: Taxiunternehmen muss wegen Corona schließen - Pandemie „hat alles kaputtgemacht“

„Seit März“, sagt der Geschäftsführer, „waren wir insgesamt vielleicht fünfmal dort draußen.“ Im vergangenen Jahr noch sei das Geschäft gut gelaufen, erzählt der 54-Jährige. Dann kam die Pandemie – und „die hat alles kaputtgemacht“. Dabei ist Gerhard Mai keiner, der schnell aufgibt, er selbst zählt sich zur Kategorie „Stehaufmännchen“. Eine private Krise 2013 hatte ihn finanziell schon einmal stark gebeutelt, nachdem das Jahr zuvor „super gelaufen“ war.

Doch er und seine Lebensgefährtin setzten sich auf die Hinterbeine und ackerten. „Fünf Jahre haben wir gekämpft, um die Firma wieder hochzubringen, waren auf einem guten Weg“, sagt der 54-Jährige. Noch, zwei drei Jahre „und wir wären aus dem Gröbsten raus gewesen. Wir waren eigentlich guter Dinge“ – bis das Virus zuschlug.

Corona in Geretsried: Soforthilfe für Taxiunternehmen Tropfen auf den heißen Stein

15 000 Euro Soforthilfe vom Staat erhielten Mai und Lanzinger-Ullmer, ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das sind gerade einmal eineinhalb Monat Lohn für meine Angestellten.“ Davon seien keine Autos, keine Nebenkosten, keine Krankenversicherung, keine Mieten bezahlt. Für seine Wagen laufen noch Finanzierungen. Natürlich könne man die Ratenzahlung zurückstellen lassen, sagt der Geretsrieder, „aber danach kommen die Banken ja wieder und wollen ihr Geld. Du schiebst die Zahlungen ja so einfach nur nach hinten raus“.

Geretsried: Antrag auf Unterstützung des Taxiunternehmens wird abgelehnt

Mai versuchte zudem, seine Leute irgendwie durch die Pandemie zu bringen. Nur einen Mitarbeiter schickte er einmal für zwei Wochen in Kurzarbeit. „Ausstellen wollten wir aber niemanden. Im Nachhinein war das vielleicht unser Fehler.“ Der „nächste Hammer“ sollte bald folgen: Die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung, kurz LfA, wirbt auf ihrer Website damit, Unternehmen bei der Bewältigung der Corona-Krise mit Krediten und Risikoübernahmen zu unterstützen.

Die Umsetzung dieses Programms erfolgt über die jeweilige Hausbank. Bei letzterer stellte Mai „dreimal einen Antrag, dreimal ist er abgelehnt worden“. So seien im vergangenen halben Jahr rund 50 000 Euro Schulden hinzugekommen. „Das kannst du nicht mehr reinfahren, und dann musst du dir eingestehen, dass es vorbei ist.“

„Nach 30 Jahren nun damit aufzuhören, das tut schon auch weh.“

Taxi-Unternehmer Gerhard Mai aus Geretsried

Rund 400 000 Euro Umsatz machte Taxi Mai im Jahr 2019, wenn er 2020 auf etwas über 200 000 Euro komme, „ist das schon gut gerechnet“, sagt der Chef. Eine Umsatzeinbuße von etwa 50 Prozent, „das funktioniert nicht“. Dazu kommt: Innerhalb von drei Jahren hat man ihm „drei Autos geschrottet“, taxifahrender Nachwuchs sei ebenfalls nur schwer zu bekommen. „Meine Fahrer und Aushilfen sind bis auf drei alle über 60 Jahre alt.“

Taxiunternehmen muss wegen Corona aufgeben - Geschäftsführer muss sich neuen Job suchen

Wenn die aufhören, „wüsste ich eh nicht, wie ich weitermachen sollte“. Zumal diese belastende Situation ziemlich an den Nerven zehre – und sich auf die Gesundheit schlage. „Als die ganze Gaudi im März losging, lag ich gerade im Krankenhaus“, erzählt Mai. Nach einer Knie-OP machte sein Herz Probleme. Er bekam einen Stent gesetzt, musste anschließend drei Wochen zur Reha, „und daheim kochte die Suppe über“.

Womit er persönlich künftig seine Brötchen verdienen wird, weiß Gerhard Mai noch nicht so genau. Er will sich einen Job suchen, eine Bewerbung läuft in diesen Tagen bereits. Gelernt hat der 54-Jährige ursprünglich Mechaniker, musste diesen Beruf nach einem Unfall jedoch aufgeben. Eine Lehre als Einzelhandelskaufmann brach er ab, „das war nicht meins“.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr arbeitete er im Maschinenbau, fuhr Lastwagen – „bis ich zum Taxigeschäft gestoßen bin“. Selbst chauffiert er Passagiere allerdings noch länger von A nach B. „1990 habe ich damit angefangen, damals als Angestellter. „Sie dürfen mir also glauben“, sagt er abschließend, „nach 30 Jahren nun damit aufzuhören, das tut schon auch weh.“

Auf der A95 bei Wolfratshausen hat ein bislang unbekannter Verkehrsrowdy kürzlich mehrere Autofahrer gefährdet. Die Polizei bittet die um Zeugenhinweise. Und auf der Loisach in Wolfratshausen tauchte am Mittwoch gegen Mittag ein Schmierfilm auf. 28 Feuerwehrkräfte rückten aus.

(peb)

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