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Es läuft nicht alles rund: Die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Gudrun Brendel-Fischer, räumte Probleme bei der Eingliederung von Migranten ein. 

Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer zu Gast in Geretsried

Darum ist die Integration von Flüchtlingen so schwierig

Beim 13. Integrationsforum stand die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer Rede und Antwort. Es wurde ehrlich über Schwierigkeiten bei der Eingliederung gesprochen. 

Geretsried –Bereits die dritte Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung nach Martin Neumeyer und Kerstin Schreyer sprach am Dienstagabend beim Geretsrieder Integrationsforum: Der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit sowie die Stadt hatten die CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer als Referentin für die mittlerweile 13. Auflage der Veranstaltungsreihe gewonnen. Wie schon so oft zuvor, ging es um die zwei Kernthemen Sprache und Bildung, wobei Arbeit als dritter wichtiger Bereich in der Diskussion hinzukam.

Bürgermeister Michael Müller berichtete, dass von den rund 26 000 Einwohnern Geretsrieds etwa 5000 Ausländer seien. Die meisten stammten aus (Ost-)Europa. Die größte Gruppe bildeten die Rumänen mit 2500 Menschen, gefolgt von Kroaten, Polen, Russen und Griechen. Erst auf den hinteren Plätzen kämen Afghanen und Schwarzafrikaner, also Asylbewerber. Von ihnen lebten aktuell rund 400 in Geretsried. Die beiden genannten Nationen hätten eine schlechte Bleibeperspektive, trotzdem seien sie „für einige Zeit unsere Mitbürger“, sagte der Bürgermeister. Sie zu integrieren sei eine wichtige Herausforderung.

Müller wie auch die städtische Asylkoordinatorin Suzan Jarrar und ein Mitarbeiter der Organisation „Hilfe von Mensch zu Mensch“, der in der Sammelunterkunft an der Jahnstraße tätig ist, beklagten gegenüber Gudrun Brendel-Fischer, dass die Unterbringung in zentralen Großunterkünften zu Konflikten führe. „Die Sammelunterkünfte machen Probleme, nicht die dezentralen Unterkünfte. Das weiß ich aus dem Sicherheitsbericht der Polizei“, sagte Müller. Eine Lehrerin berichtete, die Kinder aus den Sammelunterkünften seien oft verängstigt. Sie trauten sich in der Schule nicht alleine auf die Toilette zu gehen, wohl weil sie „zu Hause“ schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

Haupt- wie Ehrenamtliche fragten die Integrationsbeauftragte, warum die Bewohner ohne Bleibeperspektive nicht vorübergehend arbeiten dürften oder Deutsch-Kurse erhalten könnten. Eine sinnvolle Beschäftigung würde Depressionen, Aggressionen und übermäßigem Alkoholkonsum entgegenwirken, sagte Jarrar.

Brendel-Fischer erklärte, eine Aufweichung der Arbeitsregeln würde nur noch mehr Flüchtlinge locken. Man müsse die Bedingungen in den Herkunftsländern verbessern, das sei das A und O. Wer im Übrigen Deutsch lernen wolle, habe dazu mithilfe zahlreicher, speziell entwickelter Sprach-Apps die Möglichkeit.

Doch auch bei den anerkannten Flüchtlingen läuft laut Brendel-Fischer nicht alles optimal. Fast zwei Drittel von ihnen hätten noch keine Beschäftigung gefunden, sagte sie. Die Staatsregierung plane für sie ebenso wie für die Zuwanderer aus Osteuropa verschiedene Maßnahmen. Frauen aus dem arabischsprachigen Raum etwa würden an Schulen eingesetzt, sofern sie über Deutschkenntnisse auf B2-Niveau verfügten. Somit ergebe sich eine Win-Win-Situation, weil Schule und Schüler profitierten und sich diesen Frauen gleichzeitig berufliche Chancen eröffneten. Auch in den Kindertagesstätten könnte man Flüchtlinge als Sprachvermittler einsetzen. Türkische Frauen könnten hauswirtschaftliche Tätigkeiten in den Kitas übernehmen, um die Erzieher zu entlasten. Die Staatsregierung wolle zudem mehr Migranten für den öffentlichen Dienst gewinnen, berichtete die Landtagsabgeordnete. Kommunale Verwaltungen und Polizei hätten Bedarf. Seit März habe sich bereits einiges geändert im Vorgriff auf das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz. Lasse sich zum Beispiel ein Asylbewerber während einer so genannten 3+2-Ausbildung (drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre Berufserfahrung) nichts Gravierendes zu Schulden kommen, habe er eine Perspektive in Deutschland. Beschäftigungsduldungen würden großzügiger ausgesprochen, die Ausweispflicht lockerer gehandhabt.

Die Schulleiterinnen und Lehrerinnen unter den Diskussionsteilnehmern drängten auf mehr Mittel für den begleitenden Deutschunterricht an den Schulen für ausländische, aber auch für einige deutschsprachige Kinder mit Defiziten. Eine Vertreterin des Jugendmigrationsdienstes beklagte, dass das Geld für Kurse an den Schulen im vergangenen Jahr gekürzt worden sei. Die Karl-Lederer-Grundschule möchte den Kurs „Mama lernt Deutsch“ an die Schule bekommen.

Die Integrationsbeauftragte notierte sich alle Anregungen. Rudi Mühlhans vom Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit betonte abschließend, man habe in Geretsried großes Interesse daran, dass die Integration funktioniere, denn die Zuwanderer würden dringend auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Tanja Lühr

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