Illustration Wolfsee
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Land unter: Die Darstellung von Helmut Schmidmeier zeigt die Ausdehnung des Wolfsees um 1810. In den Jahrhunderten zuvor war er noch deutlich größer.

Der Wolfsee war künstlich angelegter Weiher

Wo die Wittelsbacher in Gelting einst Fischzucht betrieben

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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An der heutigen Verbindungsstraße zwischen Schwaigwall und Gelting legten die Wittelsbacher einst einen künstlichen See an: den Wolfsee. Heute ist er verschwunden.

Geretsried – Herzog Albrecht IV. ist in Bayern ein Begriff: Immerhin war er es, der 1487 das weltberühmte Reinheitsgebot einführte. Doch auch in Geretsried wurde er tätig: Er legte in Gelting einen künstlichen See an, der Jahrhunderte lang Bestand hatte: den Wolfsee. Darin ließen er und seine Nachfolger Fischzucht betreiben, vor allem Karpfen tummelten sich darin.

Heute erinnert nichts mehr daran, denn um 1820 wurde der Weiher trockengelegt und fortan als Weide genutzt.Einen solchen See anzulegen, war mit Aufwand verbunden. 1476 erwarb der bekannte Wittelsbacher die neun Tagwerk große Wolfrain-Wiese am Breitenbach. „Zur Errichtung eines großen Staudammes wurde ein großer Teil der bäuerlichen Bevölkerung aus der Umgebung von Wolfratshausen in den Jahren 1476 und 1477 aufgeboten“, berichtet Helmut Schmidmeier vom Arbeitskreis Historisches Geretsried, der die Geschichte und Geologie erforscht hat. Der Damm verlief entlang der heutigen Verbindungsstraße zwischen Schwaigwall und Gelting. „Er war 1500 Meter lang und 800 Meter breit.“

Helmut Schmidmeier, Arbeitskreis Historisches Geretsried

Mit dem Wolfratshauser See – also der Gletschersee, der nach der Eiszeit praktisch den ganzen Landkreis bedeckte – hat der Wolfsee wenig zu tun. Sein Name erklärt sich eher aus der Tatsache, dass dort lange Zeit Wölfe hausten. Dazu muss man wissen, dass die Teichwirtschaft früher eine große Bedeutung hatte. Fische galten nicht nur als Fastenspeise für Mönche, sondern wurden auch von Laien zu allen Jahreszeiten verspeist. Schon früh entstand vor allem im Umfeld von Klöstern eine sich immer weiter ausdehnende Teichwirtschaft. Um 1500 erreichte sie ihren Höhepunkt. „Fisch kostete damals ein Vielfaches von Fleisch“, so Schmidmeier. Nicht zuletzt hatte Albrecht IV. einen gewissen Eigenbedarf zu decken: In seiner Küche wurde viel Fisch verwendet, die überlieferten Ausgaben von bis zu 1500 Gulden jährlich belegen das.

Zurück zum Wolfsee: Hier wachten sogenannte Weiherhüter über den Fischbestand. Meist waren es Landwirte im Nebenerwerb, die räuberische Menschen und Vögel – vor allem Reiher und Fischadler – vom Teich fernhielten. Für das Jahr 1810 ist ein Name überliefert: Jakob Rothmaier mit dem naheliegenden Hofnamen Wolfseer war der letzte Weiherhüter. Er bewirtschaftete ein kleines Anwesen, das nach seinem Tod verkauft und abgebrochen wurde.

Damit kommen wir auch schon ans Ende der Geschichte. Denn 1810 – Bayern war inzwischen Königreich, man befand sich mitten in den Napoleonischen Kriegen – hatte der Wolfsee schon viel Wasser verloren. Das beweist eine Darstellung für das Bayerische Katasterwerk. „Etwas später war der Wolfsee vollständig ausgelaufen und wurde nie mehr wieder aufgestaut“, so Schmidmeier. „Von seiner früheren Existenz ist mit freiem Auge heute nichts mehr zu erkennen.“

1896 ereignet sich ein rätselhafter Mord

1896 war das Gebiet des ehemaligen Sees dann noch einmal in aller Munde, nämlich im Zusammenhang mit einem rätselhaften Todesfall. Am 10. Juni 1896 berichtet das Wolfratshauser Wochenblatt davon, dass der Forstmeister Lupin erschossen aufgefunden wurde. Dass er Opfer eines Mordes wurde, konnte niemand glauben. „Der Herr von Lupin geht ja sehr wenig auf die Jagd, und würde bei der Begegnung mit einem Wilderer zu diesem gesagt haben: ,Mach, dass Du weiter kommst, ich will dich nicht gesehen haben‘“, schrieb die Zeitung. Aus seiner eigenen Waffe hatte sich der Schuss nicht gelöst, das stand fest.

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Mord oder Unglück? Die Hintergründe wurden nie ermittelt. Das Presseecho war gewaltig, in überregionalen Blättern kursierten Falschdarstellungen. Rätselhaft außerdem: Kurz nachdem der Arbeitskreis Historisches Geretsried die Schrift auf dem Denkstein wieder lesbar gemacht hatte, wurde die Oberfläche von Unbekannten zerkratzt.

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