Ein Polizeieinsatz.
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Polizeieinsatz mit Nachspiel: Ein 23-Jähriger randalierte in seiner Wohnung an der Geretsrieder Sudetenstraße und legte Feuer. Er wurde von Beamten angeschossen.

Schusswaffengebrauch hatte Nachspiel

Geretsried: Diese Polizeieinsätze sorgten 2020 für Schlagzeilen

Drei Einsätze der Polizei in Geretsried machten 2020 bayernweit Schlagzeilen. Dramatische Szenen spielten sich gleich zu Jahresbeginn in der größten Stadt im Landkreis ab.

Geretsried – Drei Polizeieinsätze haben in diesem Jahr in Geretsried für besondere Schlagzeilen gesorgt. Die Fälle sind inzwischen abgeschlossen. In einem Fall gab es ein Nachspiel, in einem anderen eine Entschuldigung.

Gleich zu Jahresanfang spielten sich an der Sudetenstraße dramatische Szenen ab. Ein 23-Jähriger randalierte mit einem Messer bewaffnet in seiner Wohnung, bedrohte Polizisten und legte schließlich Feuer. Damit die Einsatzkräfte den Brand löschen konnten, mussten die Beamten die Wohnung stürmen. Dabei wurde der junge Geretsrieder angeschossen.

Nervenaufreibender Einsatz dauert fast drei Stunden

Fast drei Stunden dauerte der nervenaufreibende Einsatz. Gut zwei Monate später kam die Frage auf, ob der Einsatz schneller hätte beendet werden können. Örtliche Polizisten berichteten gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass der Schuss auf den Mann und auch der Brandschaden vermeidbar gewesen wären. Die Beamten hatten mehrmals ein Spezialeinsatzkommando angefordert, doch in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern entschied man sich dagegen.

Im Nachhinein wurde der Vorgang intern untersucht. Das bestätigt Alexander Huber, Pressesprecher der Präsidiums Oberbayern Süd, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Nachbereitung sei „übrigens bei derartigen Einsatzlagen üblich“, so Huber. Im Fall des Brandstifters von der Sudetenstraße führte dies aber durchaus zu Veränderungen, wie aus Hubers Antwort deutlich wird. „Im Zuge der einsatztaktischen Nachbereitung durch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd wurde der ablauforganisatorische Kommunikationsprozess bei Einsätzen mit bewaffneten Personen optimiert“, erklärt der Sprecher. Ebenso seien „die Grundsätze der Einsatzbewältigung überarbeitet sowie vorhandene Einsatzkonzeptionen, insbesondere im Hinblick auf die Verständigung von Kräften der Polizeiinspektion Spezialeinheiten“ angepasst worden.

Mercedes geht in Flammen auf

Auch im zweiten Fall ging es um ein Feuer. An einem Morgen im Sommer stand ein Mercedes am Hirschenweg in Flammen. Brandstiftung wurde nicht ausgeschlossen, die Kriminalpolizei Weilheim nahm die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landeskriminalamt auf. Diese sind inzwischen abgeschlossen, berichtet Huber. Es war kein Fremdverschulden. „Die Untersuchungen haben ergeben, dass der Brand durch einen technischen Defekt am Fahrzeug verursacht wurde.“

Der dritte Fall spielte sich nicht in der größten Stadt des Landkreises ab, betraf aber einen Geretsrieder und dessen Lebensgefährtin aus Waldram. Der 43-jährige Michael Baumeister hatte mit seiner Partnerin am Osterwochenende einen Ausflug mit dem Auto unternommen. In Ettal wurden die beiden von der Polizei kontrolliert. Sie sollten eine Geldbuße in Höhe von 150 Euro zahlen, weil sie gegen die geltenden Corona-Auflagen verstoßen hätten. Baumeister hatte sich aber im Vorfeld extra informiert und verstieß nicht gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. Dass die Beamten diesen Einwand vor Ort ignorierten und sich selbst nicht an die gebotenen Abstandsregeln hielten, machte ihn fassungslos. Er bezeichnete deren Verhalten als „unverantwortlich und willkürlich“.

Bußgeldverfahren eingestellt

Der Geretsrieder legte eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein, worüber unsere Zeitung berichtete. „Die Beschwerdestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hat den Sachverhalt umgehend und umfassend geprüft“, berichtet Huber. Daraufhin habe sich das Polizeipräsidium Oberbayern Süd telefonisch und schriftlich entschuldigt.

Das Bußgeldverfahren sei umgehend eingestellt worden, bestätigt Baumeister. „Dies hat mir der Polizeipräsident im Rahmen eines sehr angenehmen Telefonats persönlich versichert, verbunden mit einer ausdrücklichen Entschuldigung“, so der Geretsrieder. Später habe er zudem ein Entschuldigungsschreiben vom Polizeipräsidium und vom Bayerischen Innenministerium erhalten. Baumeister: „Ich hatte sehr schnell meinen Frieden mit der Angelegenheit. In den oberen Ebenen der Behörden ist meiner Meinung nach sehr vernünftig mit dem Thema umgegangen worden.“ (sw)

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