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Lesestunde: In der Kindertagesstätte wissen Eltern ihre Sprösslinge gut betreut.

Im Gespräch mit Bürgermeister Michael Müller  

Dilemma in Geretsried: Es gibt genug Kita-Plätze, aber viel zu wenig Betreuer

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Die Stadt Geretsried steckt in einem Dilemma: Sie hat ausreichend Kinderbetreuungsplätze eingerichtet. Aber nicht alle Eltern bekommen auch einen Betreuungsplatz. Bürgermeister Müller erklärt das Dilemma.

Geretsried – Die Stadt Geretsried steckt in einem Dilemma: Sie hat ausreichend Kinderbetreuungsplätze eingerichtet. Aber nicht alle Eltern bekommen auch einen Betreuungsplatz. Der Grund: Einzelnen Trägern fehlt es an Personal, ganze Gruppen bleiben unbesetzt. Eine höchst unbefriedigende Situation, wie Bürgermeister Michael Müller im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich macht.

-Herr Bürgermeister, wie viele Kinder haben aktuell keinen Betreuungsplatz?

Wir haben 137 Kinder auf der Warteliste. Das betrifft die Kinderkrippe, den Kindergarten, den Hort und die Mittagsbetreuung.

-Hat sich die Stadt verkalkuliert?

Nein, eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Wir haben im Grunde mehr Plätze als nach dem Anmeldebedarf notwendig wären. Um es in Zahlen auszudrücken: Wir haben 1283 Plätze geschaffen und genehmigt bekommen. Formal haben wir damit unsere Pflicht erfüllt. Trotzdem haben wir eine Warteliste. Das ist höchst unbefriedigend.

-Vor allem für die Eltern.

Richtig. Eltern fragen nicht, wer für was wo zuständig ist. Sie wollen für ihre Kinder einen Platz in einer Betreuungseinrichtung. Da nützt es auch nicht zu diskutieren, was eine Pflichtaufgabe und was eine freiwillige Leistung der Kommune ist.

-Rennen Ihnen Eltern die Tür ein?

Natürlich beschweren sich Eltern und sagen, sie wollen einen Kindergartenplatz. Aber das ist nicht die Frage. Wir haben den Anspruch, den Eltern auch einen Platz zur Verfügung zu stellen.

-Wie kann es sein, dass es genügend Plätze gibt, aber Kinder auf der Warteliste stehen?

Will das Gespräch mit den Betreuungseinrichtungen suchen: Bürgermeister Michael Müller.

Eigentlich gibt es dafür zwei Gründe. Es gibt Kinder, die mehr Betreuung brauchen, weil sie zum Beispiel an einer Krankheit wie ADHS leiden oder eine Behinderung haben. Normalerweise sind in einer Gruppe 25 Mädchen und Buben. Kommen Kinder mit einem erhöhten Betreuungsbedarf dazu, verringert sich die Gruppenstärke, und es stehen weniger Plätze zur Verfügung. So etwas ist für uns in der Planung aber schwer vorhersehbar. Man weiß ja aufgrund der Geburtenstatistik nicht, ob ein Kind mehr Betreuung braucht oder nicht.

-Was ist der zweite Grund?

Wir haben in den Einrichtungen Personalmangel, und das ist tatsächlich ärgerlich, weil ganze Gruppen unbesetzt sind. Das ist ein Dilemma für uns.

-Was können Sie dagegen tun?

Die Stadt betreibt die Kinderbetreuungseinrichtungen ja nicht selbst, sondern hat sie an Träger vergeben. Wir haben nur sehr schwer Durchgriffsmöglichkeiten, die Träger dazu zu bringen, die Gruppen auch voll zu belegen.

-Aber Personalmangel ist ein generelles Problem in der Branche.

Schon. Aber es gibt auch Träger, die ausreichend Personal haben. Das ist eine ganz blöde Situation für uns. Denn solange wir – theoretisch – noch freie Plätze haben, bekommen wir keine neuen gefördert.

-Was wollen Sie unternehmen?

Wir wollen auf die Träger zugehen und mit ihnen sprechen, wie sie es schaffen können, ihre Kapazitäten auszulasten.

-Um welche Träger handelt es sich?

Es konzentriert sich auf einige wenige. Die meisten sind sehr gut ausgelastet.

-Die Stadt gewährt jedem Träger einen Betriebskostenzuschuss. Wäre eine Konsequenz die Kürzung dieser Gelder?

Das ist für uns keine Lösung. Erstens treffe ich damit alle Kinder. Zum anderen kann man nicht einfach einem einzelnen Träger den Zuschuss kürzen. Wenn, dann würde das für alle gelten. Am Ende wird es immer auf dem Rücken der Eltern ausgetragen. Das kann’s nicht sein. Wir werden jetzt genau das Gegenteil machen.

-Sie wollen mehr Geld für die Kinderbetreuung in die Hand nehmen?

Ja, das haben wir in nicht öffentlicher Sitzung im Sozialausschuss beschlossen. Die Zustimmung des Haupt- und Finanzausschusses vorausgesetzt, werden wir die Betriebskostenerstattungen um 30 Prozent erhöhen. So wollen wir die finanzielle Situation, die ja für alle belastend ist, verbessern. Wir erwarten aber auch von den Trägern, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir fordern sie auf, intensiv nach Personal zu suchen.

-Wir wir gehört haben, scheint auch die Situation in der Mittagsbetreuung angespannt zu sein.

Mittelfristig wollen wir an der Karl-Lederer-Grundschule und an der Isardamm-Grundschule jeweils ein extra Gebäude für die Mittagsbetreuung errichten. Die Planungen laufen. Aber von der Bereitstellung der Finanzmittel über die Baugenehmigung und die Ausschreibungen wird ein Jahr vergehen. Das wird erst im Schuljahr 2019/2020 für eine Entlastung sorgen.

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-Wie schaut es denn für das kommende Schuljahr aus?

Wir sind mit den Schulleitern im Gespräch, wie wir in den Häusern eine Überbrückungslösung schaffen können. Immer unter der Voraussetzung, dass es auch Betreuungspersonal gibt. Aber man muss auch sehen: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Mittagsbetreuung.

-Heuer wurde in Geretsried die 26 000-Einwohner-Marke geknackt, und die Stadt wird weiter wachsen. Das heißt auch, dass weitere Kinderbetreuungseinrichtungen benötigt werden.

Zwei Kitas sind in der Pipeline. Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal wird eine entstehen. Die Blechkiste der Caritas (bislang in Containern an der Tattenkofener Straße, Anm. d. R.) wird an der Johann-Sebastian-Bach-Straße gegenüber vom Seniorenheim Haus Elisabeth ein festes Gebäude und damit auch mehr Platz bekommen. So können wir den zu erwartenden Bedarf abdecken.

-Das abzuschätzen, ist keine leichte Aufgabe.

Die Zahlen, die uns das Landesamt für Statistik zur Verfügung stellt, bilden diese Wachstumsdynamik nicht ab. Das macht es extrem schwierig für uns. Wir beauftragen jetzt den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum mit einer Bedarfsprognose. Und wir werden wie im Jahr 2016 geschehen eine Elternerhebung durchführen. Das hat uns damals geholfen. Wir erhoffen uns davon eine fundierte Grundlage für eine Diskussion mit den staatlichen Förderstellen.

-Apropos Staat: Fühlen Sie sich bei diesem Problem im Regen stehen gelassen?

Der Staat fördert den Bau von Kindertageseinrichtungen. Das ist gut. Aber dann wird man im Grunde genommen tatsächlich im Regen stehen gelassen. Der Gebäudeunterhalt bleibt am Ende bei den Kommunen, ohne dass es weitere finanzielle Mittel gibt. Und: Mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz wälzt der Staat die Verantwortung auf die Kommunen ab. Der zweite Punkt sind die Rahmenbedingungen bei der Ausbildung von Fachpersonal. Die müssen verbessert werden. Das ist eine zentrale Forderung von uns Kommunen. Wir brauchen Betreuungsplätze – auch in der Altenbetreuung. Das ist das Gleiche in Grün. nej 

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