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Dem Krebs erlegen: Edi Hien, Geretsrieder Institution und langjähriger Mitarbeiter unserer Zeitung, starb im Alter von 61 Jahren. 

Zum Tode von Edi Hien

Geretsrieder Original gestorben: Unterwegs mit dem Boandlkramer

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Neun Jahre kämpfte Edi Hien tapfer gegen den Krebs. Am Mittwoch starb unser Mitarbeiter, eine Institution im Geretsrieder Sport, im Alter von 61 Jahren. 

Geretsried – Es gibt Nachrichten, die – obwohl man sie irgendwie erwartet hat – nicht wahrhaben will. Dass Eduard Hien gestorben sein soll, ist eine solche. Unser Edi, der neun Jahre lang mutig und unerbittlich gegen den Krebs gekämpft hat, tot? Kann nicht sein. Und doch ist es so. Im Alter von 61 Jahren verlor unser geschätzter Kollege, über 40 Jahre Mitarbeiter der Sportredaktion, am Mittwoch den Kampf gegen die Krankheit. „Er ist friedlich eingeschlafen“, sagt sein jüngerer Bruder Hannes.

Unzählige Chemotherapien, Bestrahlungen und Operationen hatte Edi weitgehend klaglos und optimistisch über sich ergehen lassen. Er sei ein „wandelndes Ersatzteillager“, sagte er einmal mit dem ihm eigenen Humor und deutete auf Unterleib und Brust, wo ein künstlicher Ausgang respektive ein Herzschrittmacher als Folgen des Darm- und Leberkrebses werkelten.

Die Krankheit, mit der er von Beginn an offensiv umging, war nicht der einzige harte Schlag im Leben des gebürtigen Münchners, der mit seinen Eltern nach Geretsried zog, als er ein Jahr alt war. Der gelernte Bänker war keine 50, als sein Job wegrationalisiert wurde. Eine Stelle in seiner Branche fand er nicht mehr. Das traf ihn, doch er gab nicht auf, schuftete in Callcentern, als Fahrer, als Gelegenheitsschauspieler, bis ihm schließlich – da war die Krankheit schon ausgebrochen – der ehemalige Chef der TuS-Fußballer, Peter Hüller, einen Bürojob in seiner Firma anbot. Und natürlich arbeitete Hien weiterhin als Journalist, schrieb über die Kicker seines Lieblingsvereins TuS und übers Geretsrieder Eishockey, das er seit 1976 permanent begleitete – darunter 20 Jahre lang als Stadionsprecher.

Dass Edi zu einer Institution wurde, hatte auch mit seinem barocken Lebensstil zu tun. Wo es in Sportlerkreisen etwas zu feiern gab, war er – als es ihm noch gut ging – dabei. Und die Sprecherkabine im Eisstadion glich nicht selten einem Feinkostladen, wenn Edi und sein nicht minder legendärer Zeitnehmer Manfred „Magnus“ Klier sich während einer Partie der River Rats Lachshäppchen, Scampi und Schampus schmecken ließen.

Zuletzt ging es Hien immer schlechter. Den Juli und August verbrachte er im Krankenhaus. Danach sagte er uns – vom Tode bereits gezeichnet –, er habe alle seine „Angelegenheiten geregelt“. Hannes hatte er dazu eine Liste mit Wünschen hinterlassen, die der Bruder abarbeiten sollte. Akkurat wie der TuS-Chefstatistiker war, legte er darin fest, wer „über mein Ableben informiert“, welche Lieder während der Urnenbestattung gespielt werden sollen und wo die Todesanzeigen zu erscheinen haben.

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Und er schrieb von einer Rundreise, die er mit dem Boandlkramer vereinbart habe, „bevor ich beim Portner an der Himmelspforte abgeliefert werde“. Sie umfasst Stationen, die dem FC-Bayern-Fan in seinem Leben wichtig waren: die Allianz-Arena, das Isarau-Stadion, das Heinz-Schneider-Eisstadion, der Gasthof Geiger, das Schloss Neuschwanstein, das Isartal, der Jagerwirt in Tölz, das Bräustüberl in Tegernsee, München mit dem Viktualienmarkt, dem Marienplatz und der Wiesn sowie „zum Abschluss“ das böhmische Zelezná Ruda.

Gute Reise, Edi – und viel Spaß!

peb

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