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Für Nachwuchs ist gesorgt im Boxer Klub: Ausbildungsleiterin Claudia di Camillo mit dem elf Wochen alten, bildhübschen „Imperial“.

Zum Tag des Hundes

Mein Partner mit der kurzen Schnauze: Warum es einen eigenen Hundesportverein für Boxer gibt

In Gelting hat die Isar-Loisach-Gruppe des Boxer-Klubs ihr Quartier. Warum es einen eigenen Hundesportverein für diese Rasse gibt, erklärt Vorsitzender Bernd Füger.

Gelting – Am Sonntag ist „Tag des Hundes“. Pünktlich zu ihrem Ehrentag dürfen „Aimy“, „Xandro“, „Fila“, „Kringel“ und ihre Freunde nach der coronabedingten Zwangspause wieder trainieren – wenn auch unter Auflagen.

Vorbereitung auf „Hundeführerschein“ für den Halter

Brav wartet der vierjährige „Xandro“ auf der Vereinswiese im „Sitz“ auf das nächste Kommando seines Herrchens Sebastian Helmer. Auf dessen Handzeichen hin läuft der Rüde los, springt über ein Hindernis und bringt ein dahinter abgelegtes Spielzeug. Zur Belohnung bekommt er ein Leckerli. Helmer bereitet Xandro auf die Internationale Gebrauchshundeprüfung (IGP) vor, für die der Boxer unter anderem in der Lage sein muss, zu apportieren, eine Fährte zu verfolgen und 20 Kilometer neben dem Fahrrad herzulaufen. Die Begleithundeprüfung, eine Art „Hundeführerschein“ für den Halter, hat der hübsche Gestromte mit der weißen Brust bereits erfolgreich absolviert.

Der Boxer ist kein Apportierhund wie der Retriever: Trotzdem macht es dem vierjährigen „Xandro“ Spaß, loszulaufen und seinem Herrchen Sebastian Helmer ein Spielzeug zu bringen. 

Das Einzeltraining ist im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus kein Problem. Auch zwei oder drei Personen dürfen auf dem weitläufigen Vereinsplatz die so genannte Unterordnung oder den Schutzdienst üben. Die Zweite Vorsitzende Marion Schemmel zeigt Heidi Janz, wie sie ihre „Opra“ dazu bringt, exakt „bei Fuß“ zu laufen – nämlich mit klarer Körpersprache, viel positiver Bestätigung und einem Leckerli für gute Leistung. „Wir arbeiten hier ausschließlich mit Motivation und Lob“, sagt Ausbildungsleiterin Claudia di Camillo. Mehr als ein scharfes „Nein!“ oder „Pfui!“ gebe es nicht als Strafe.

Aufbau von Bindung zwischen Mensch und Tier

Im Boxer Klub Isar-Loisach wird im Prinzip wie in jeder anderen Hundeschule gearbeitet. Das Wichtigste sei, eine Bindung zwischen Mensch und Tier aufzubauen, sagt der Vorsitzende Bernd Füger. Auf dieser Grundlage würden „Platz“, „Komm“, „Bleib“ und all die anderen Befehle funktionieren. Weil der Klub sich Hundesportverein nennt, nehmen seine Mitglieder über die Erziehung des Hundes hinaus an Wettkämpfen wie der Internationalen Gebrauchshundeprüfung teil. Einige Mitglieder hätten es in der Vergangenheit mit ihren Vierbeinern bis zur Deutschen Meisterschaft geschafft, berichtet Füger, der selbst seit 33 Jahren mit Boxern zusammenlebt. Es versteht sich von selbst, dass seine aktuelle Hündin „Aimy“ aufs Wort hört. Das hält der Vorsitzende auch für extrem wichtig. In Deutschland gebe es immer mehr Hunde. Wenn nur einige von ihnen schlecht erzogen seien, wenn sie etwa auf Artgenossen oder Menschen losgingen oder wilderten, dann falle das auf alle Halter zurück – und das sei schade.

Einer der ältesten deutschen Rassehundezuchtvereine

Doch warum gibt es eigene Vereine für den Deutschen Boxer? In Bayern gibt es zehn Gruppen unter dem Dach des Boxer Klub (BK) mit Sitz in München. „Der Boxer Klub ist einer der ältesten deutschen Rassehundezuchtvereine, der sich der Zucht wesensfester und gesunder Tiere verschrieben hat“, heißt es auf der Homepage des BK. Die kompakten Kerle mit dem treuen Blick sind also besondere Vertreter der Gattung canis lupus familiaris.

Als ihre unmittelbaren Vorfahren gelten die „Bullenbeißer“ oder „Saupacker“. Sie wurden von Jägern gezüchtet, um das von den Hetzhunden getriebene Wild zu packen und festzuhalten, bis der Mensch die Beute erlegte. Für diese Aufgabe brauchten sie ein möglichst breites Maul, um sich richtig festzubeißen. Um selber wenig Angriffsfläche zu bieten, wurden ihnen früher Ohren und Rute kupiert, was seit 1987, beziehungsweise seit 1998, in Deutschland verboten ist. 

Deutscher Boxer ist ein Familienhund

Heute ist der Deutsche Boxer ein Familienhund. „Er ist äußerst kinderlieb, lässt sich viel gefallen, aber er bewacht seine Leute auch“, sagt Zuchtwart Dr. Eva-Maria Muscholl. Sie berät und begleitet Mitglieder, wenn sie Welpen großziehen möchten. „Er ist der Clown unter den Hunden“, beschreibt Bernd Füger den neugierigen, verspielten und mutigen Begleiter auf vier Pfoten. Als Schutz- oder Polizeihund eigne er sich nur bedingt. Für den Schutzdienst bilde der Boxer Klub Isar-Loisach trotzdem aus, weil das Zupacken und Zerren im Wesen des Boxers liege, erklärt Füger.

Sebastian Helmer bindet sich bei seiner nächsten Übung mit „Xandro“ einen dicken Armschutz um. Der Rüde springt an seinem Herrn hoch und schnappt spielerisch nach dem Polster. „Das dient nicht dazu, den Hund scharf zu machen. Er darf seinen Spieltrieb ausleben. Und man erkennt so, ob er unerschrocken ist“, betont Füger. Ein klares „Aus“ von Helmer setzt dem Spaß augenblicklich ein Ende.

Gründung im Oktober 1975

In den 1970er Jahren war der Boxer stark in Mode. Der Klub Isar-Loisach wurde am 22. Oktober 1975 gegründet. 1989 pachteten die Verantwortlichen das Gelände an der Leitenstraße. Die Mitglieder – damals um die 170 – bauten in Eigenleistung das Vereinsheim.

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Heute zählt der Klub rund 50 Mitglieder, darunter ein Dutzend Aktive. Zu 99 Prozent sind es Boxerbesitzer, aber auch andere Rassen werden aufgenommen. Und wie sieht das typische Boxerfrauchen- oder -herrchen aus? „Wir sind lustig, gesellig, agil. Wir nehmen nicht alles so ernst“, meint Claudia di Camillo. Ein ganz besonderer Schlag also, genau wie ihre Partner mit der kurzen Schnauze.

Tanja Lühr

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