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Teamgeist beim Taekwondo einbringen: Respekt, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft haben für Klaus Miethig (Mitte) in seiner Schule oberste Priorität. Bodenständiggeblieben und Angebote abgelehntIm Angesicht des Bankräubers alles falsch gemacht

Ein Porträt über den ehemaligen Eishockeyspieler Klaus Miethig

Taekwondo: Das Do ist das Ziel

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Für den ehemaligen Eishockeyspieler Klaus Miethig ist auch beim Taekwondo der Teamgeist wichtig. 

Geretsried– Manchmal sagt schon der Name einer Sportart alles über die motorischen Fähigkeiten aus, die man zur Ausübung braucht. Fuß-Ball zum Beispiel, oder Hand-Ball. Ebenso bei der koreanischen Kampfsportart Taekwondo – das Tae steht für Fußtechnik, das Kwon für Handtechnik und das Do für den „Weg“ oder die „Lehre“, also das Geistige und die Regeln, von denen diese Verteidigungstechnik geleitet werden. „Man kann viele Dinge aus dem Taekwondo übertragen. Das reicht von einer besseren Körperhaltung bis zu Energie, Ruhe und Gelassenheit, die man für den Alltag schöpfen kann. Und es ist generationsübergreifend und familientauglich“, sagt Klaus Miethig, der seit zweieinhalb Jahren eine Schule in Geretsried betreibt.

Ab dem fünften Lebensjahr auf Schlittschuhen zugange

Bezeichnend, dass der großgewachsene, drahtige 58-Jährige auch in seinem ersten Sportlerleben eine Disziplin ausübte, bei der man mit Händen und Füßen agil sein muss – Eishockey. „Bei uns daheim gab’s ja nichts anderes“, sagt Miethig und lächelt. Schließlich war sein 2013 gestorbener Vater Herbert das Urgestein des Geretsrieder Eishockeys, war beim TuS Spieler, Trainer und Abteilungsleiter. Klaus und sein Bruder Herbert jun. waren schon ab ihrem fünften Lebensjahr auf Schlittschuhen und mit Schläger zugange: „Wir hatten keine Freunde außerhalb des Eisstadions.“ Lachend fügt er an: „Bezeichnenderweise habe ich dort auch meine Frau Waltraud kennengelernt.“ Er nahm das Eishockey so ernst, dass er nur selten mit den Spezln um die Häuser zog, sich lieber auf die Spiele vorbereitete. Dass der Mittelstürmer („Ich wollte immer Tore schießen“) Talent hatte, bemerkte man auch bald beim großen Nachbarn EC Bad Tölz. „Das Training dort war professioneller als in Geretsried, und unser Coach Sepp Wörschhauser eine Respektsperson“, erzählt Miethig. Immerhin wurden die ECT-Junioren 1975 mit späteren Könnern wie Beppo Schlickenrieder und Sepp Jäger Deutscher Vizemeister.

Höhepunkt: USA-Trip mit bayerischem Auswahlteam

Einen Höhepunkt seiner Karriere erlebte Miethig ausgerechnet nach einem Abstiegsspiel in Selb: „Wir waren traurig, weil wir verloren hatten. Da kam ein Herr in die Kabine und fragte mich, ob ich mit einem bayerischen Auswahlteam in die USA mitkommen wolle.“ Der Trip mit einem Besuch beim Training und einem NHL-Spiel der Philadelphia Flyers waren für die jungen Sportler Ende der 1970er-Jahre ein unvergessliches Erlebnis.

Obwohl er Angebote von höherklassigen Klubs hatte, blieb er bodenständig: „Ich hatte gerade eine Lehre bei der Münchner Stadtgärtnerei begonnen. Außerdem wollte ich lieber in Geretsried spielen.“ Auch der TuS war Anfang der 1980er-Jahre erfolgreich, stieg in die Oberliga und schließlich in die 2. Bundesliga Süd auf. „Es kamen viele auswärtige Spieler als Verstärkung, und weil es mir nicht mehr so viel Spaß gemacht hat, bin ich in das neue 1b-Team gewechselt.“ Unter Trainer Horst Krisch („Er ist für mich heute noch ein Vorbild“) stieg die 1b ebenfalls bis in die Oberliga auf – rechtzeitig, um für die 1985 abgemeldete Bundesliga-Truppe das Startrecht zu übernehmen. Miethig hängte jedoch mit 30 Jahren die Schlittschuhe an den Nagel: „Mit meinem Bruder hatte ich die Gärtnerei und das Blumengeschäft übernommen und war beruflich stark eingespannt.“

Endlich eine eigene Taekwondo-Schule

Ein paar Monate dauerte die „Sportpause“, dann besuchte er mit einem Freund das Taekwondo-Training von Franz Sappl in Wolfratshausen. „Mein Spezl ist nie wieder hingegangen, aber ich war ganz angetan“, berichtet Miethig. Allerdings trainierte er anfangs nur sporadisch. „Wenn ich Rückenschmerzen von der Arbeit hatte, bin ich nicht hingegangen. Bis ich begriffen habe, dass ich durch das Taekwondo gesundheitlichen Problemen entgegenwirken kann.“ Erst als seine Tochter Sandy – Sohn Michael war ebenfalls ein talentierter Eishockeyspieler, ehe er sich dem Snowboarden zuwandte – als nächste vom Taekwondo-Virus gepackt wurde, stieg Miethig richtig ein. Er absolvierte eine Reihe von Schwarzgurt-Prüfungen und übernahm eine eigene Trainingsgruppe in Icking. Nach der Trennung von Sappl baute der Geretsrieder, der nach der Schließung des Familienbetriebs zehn Jahre als Elektrikerhelfer arbeitete, seine eigene Schule auf. Eine erste Bleibe fand man in den Räumen des damaligen Wolfratshauser Fitnessstudios Extrafit. „Mit dem Betreiber haben wir uns sehr gut verstanden“, sagt Miethig. Es dauerte fast sieben Jahre, ehe er Räume an der Geretsrieder Blumenstraße fand – in einem ehemaligen Aikido- und Ballettstudio. Da wagte der heute 58-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit.

Täglich gibt es in der Taekwondo-Schule nun Trainingstermine für Kinder und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene. Und Veranstaltungen wie Selbstverteidigung oder zu medizinischen Themen. Wichtig ist dem Leiter vor allem der familiäre Charakter: „Ich war 25 Jahre lang Teamsportler, und das versuche ich ins Taekwondo einzubringen. In anderen Schulen geht es mir oft zu streng oder militärisch zu.“ Was nicht heißt, dass es keine klaren Regeln gibt: „Das Do, also der Weg, ist das Wichtigste. Dazu gehören Respekt, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft – egal, welchen Gurt jemand trägt.“ Taekwondo helfe nicht nur im gesundheitlichen Sinn („Wir haben Teilnehmer, die Rücken- oder Knieprobleme hatten“), sondern auch, den Alltag zu vergessen und Kraft zu tanken. Leistungsdruck gebe es nicht, auch nicht vor den Prüfungen. Miethig bedauert, selbst nicht öfter trainieren zu können: „Aber vergangenes Jahr habe ich den 6. Dan, also den 6. Schwarzgurt, gemacht.“

Verteidigung nur auf der Trainingsmatte

Einsetzen musste der Geretsrieder seine Verteidigungskünste außerhalb der Trainingsmatte noch nie. Einmal hätte er sie benötigt, war aber als blutiger Anfänger überfordert. Miethig: „Ich war Zeuge eines Banküberfalls, wollte den Räuber aufhalten. Aber ich habe alles falsch gemacht.“ Sein Credo an seine Schüler lautet: „Wir lernen hier zu kämpfen. Aber wenn wir uns in 30 Jahren wieder treffen, soll jeder sagen können, dass er es nie benötigt hat.“

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