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Im Juni ist Schluss: Robert Frühwirt schließt sein Elektrogeschäft, eine Geretsrieder Institution. 

Wenn BH-Bügel für Ehekrisen sorgen

Elektrogeschäft Frühwirt schließt nach 61 Jahren – das sind die Gründe

Nach 61 Jahren „Elektro Frühwirt“ gibt Robert Frühwirt sein Geschäft an der Egerlandstraße in Geretsried auf. Der Räumungsverkauf läuft.

Geretsried – Im Juni wird noch an zwei Tagen in der Woche geöffnet sein, bis alles weg ist. Viele Stamm- und auch Neukunden, die mit Beratung und Service sehr zufrieden waren, bedauern die Schließung des Familienbetriebs. Unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr sprach mit Frühwirt (70) über seine Entscheidung und darüber, wie es mit den Geschäftsräumen weitergeht.

Herr Frühwirt, Sie haben in einer Anzeige in unserer Zeitung bereits erklärt, dass Ihnen der Schritt zur Schließung sehr schwer gefallen sei.

Das ist richtig. Ich selber kann aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen – mein Alter wäre kein Grund für mich, aufzuhören. Wir hatten deshalb einen Nachfolger gesucht und auch gefunden. Er sprang jedoch ganz überraschend Anfang März kurz vor der Vertragsunterzeichnung ab. Über den Einkaufsverband Euronics, zu dessen Gründungsmitgliedern Frühwirt gehört, war ebenfalls keine Hilfe zu bekommen. Die Entscheidung zu schließen, ist mir, meiner Frau Brigitte und meiner Tochter Anita, die im Geschäft mitarbeiten, sehr schwer gefallen.

Sie selbst sind vor 51 Jahren als ausgebildeter Fernsehtechniker ins Geschäft ihres Vaters Jaromir Frühwirt eingestiegen und haben es 2004 übernommen. Woran erinnern Sie sich besonders gerne in dieser langen Zeit?

Ach, da gibt es vieles. Mir hat die Arbeit immer Spaß gemacht, genau wie meiner Familie. Anfang der 1980er Jahre waren wir 25 Mitarbeiter. In all den Jahren seit 1958 haben wir 34 Lehrlinge ausgebildet. Daran sehen Sie, wie gut das Geschäft gelaufen ist. Wir betrieben die erste Videothek der Stadt. Meine Mutter, die über dem Laden wohnt, übernahm den Verleih bis 22 Uhr. Nach der Wende war Schluss mit den Videos. Wir konnten den Bestand zum Glück gut in den Osten verkaufen. Vor 15 Jahren mussten wir die Firma aufteilen. Meine Brüder Gerhard und Helmut machten sich im Bereich Elektroinstallationen selbstständig. Ich blieb weiterhin Händler und Kundendienst-Monteur für überwiegend Weiße Ware und Antennenbau.

Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gefallen?

Am liebsten waren mir die Reparaturen. Ich bin gegen die Wegwerf-Mentalität und versuche immer, zu retten, was zu retten ist. Dabei bin ich mit den Preisen immer niedriger als andere Elektrotechniker geblieben. Das wussten und wissen meine Kunden zu schätzen. Den persönlichen Kontakt zu ihnen, der zum Großteil richtig freundschaftlich war, werde ich vermissen. Für das gute Verhältnis und die Treue möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

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In all der Zeit haben Sie bestimmt auch Lustiges erlebt?

Ja, ich erinnere mich an einen Kundenbesuch. Die Kundin beanstandete ein lautes Schleifgeräusch bei ihrer Waschmaschine. Ich habe mir das angehört und sofort gesagt, das ist bestimmt ein BH-Bügel unter der Trommel. Die Kundin antwortet: ,Schauen Sie mich an, Herr Frühwirt. Ich habe noch nie einen BH in meinem Leben getragen’. Ein Blick von mir und ich sage nur: ,okay‘. Ich mache mich also an die Arbeit – und was hole ich unter der Trommel raus? Richtig, einen BH-Bügel. Den Übeltäter in der Hand gehe ich in die Küche und zeige ihn der Kundin. ,Das kann nicht sein‘, entrüstet sie sich, stockt, wird nachdenklich und sagt mehr zu sich selbst: ,Moment mal, ich war fünf Wochen zur Kur, und mein Mann war alleine zu Haus‘. Dann Schweigen. Ich mache meine Arbeit fertig und denke, heute Abend möchte ich ein Mäuschen in dieser Wohnung sein.

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Werden Sie sich ganz zurückziehen? Was wird aus den Mitarbeitern und aus den Geschäftsräumen?

Ich werde, so lange ich gesundheitlich in der Lage bin, weiterhin den Kundendienst für meine bisherigen Kunden übernehmen. Wir waren zum Schluss nur noch zu fünft. Meine Tochter wird sicher eine gute Anstellung finden. Auch um meinen tüchtigen Mitarbeiter Raimund Hacke mache ich mir keine Sorgen. Unsere treue Buchhalterin Christine Knittel tritt ohnehin nach 40 Jahren im Büro den Ruhestand an. Für die Geschäftsräume prüfen wir drei Optionen: Laden und Werkstatt wieder vermieten, die Räume umbauen zu Wohnungen oder als letzte Option den Verkauf des Hauses.

Tanja Lühr

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