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Am Geretsrieder Gymnasium hat Richard Neumeier einen ausgezeichneten Ruf. 

Richard Neumeier ist extrem beliebt am Gymnasium

Eltern und Schüler machen sich für Religionslehrer stark

Weil angeblich dem Religionslehrer Richard Neumeier massiv Stunden gekürzt werden sollen, hat sich die Schulfamilie eine ungewöhnliche Maßnahme ergriffen. 

Geretsried – Es ist ein außergewöhnlicher Vorgang: Heutige und frühere Schüler sowie der Elternbeirat des Geretsrieder Gymnasiums machen sich gemeinsam für einen Lehrer stark: Richard Neumeier. Er unterrichtet seit einigen Jahren als Pastoralreferent an der Schule im Fach katholische Religion. „Ihm sollen im kommenden Schuljahr massiv Stunden gekürzt werden“, berichtet Elternbeiratssprecherin Daniela Marthaler. Ein Verbleib des Religionslehrers am Gymnasium sei über das kommende Schuljahr hinaus unklar.

Religionslehrer Richard Neumeier

Diese Nachricht war für einige Schüler ein Schlag: Neumeier ist außerordentlich beliebt. Er organisierte Besinnungsfahrten an den Chiemsee, richtete Ruhe- und Meditationsräume für die Schüler ein, die sich dort vom stressigen Lernalltag erholen konnten. Seit einigen Jahren ist Neumeier zudem Vertrauenslehrer an der Schule. „Er ist so etwas wie das Herz dieser Schule“, sagt Marthaler. Haben sie Probleme, sprechen die Heranwachsenden oft gezielt den Religionslehrer an. „Das hat sich besonders vor zwei Jahren gezeigt, als ein in der Schule sehr beliebter, junger Lehrer verstorben ist.“ Neumeier nahm sich der Schüler an, hörte ihnen zu, fing sie in ihrer Trauer auf. „Seine einfühlsame Arbeit hat einen riesigen Wert über das Unterrichtsgeschehen hinaus – da ist sich die oft zitierte Schulfamilie einig“, sagt Elternsprecherin Marthaler.

Ihre Gedanken haben der Elternbeirat und die Schülermitverantwortung der Schulleitung in einem Brief mitgeteilt – und „klar betont, dass wir uns wünschen, dass er der Schule erhalten bleibt“. Neumeier ist nicht nur im Schulalltag für seine Mitmenschen da. Er leitet eine psychotherapeutische Praxis mit den Schwerpunkten: Gesprächs- und Traumatherapie sowie therapeutische Seelsorge. Er hält Seminare zum Thema Depressionen ab, gibt Yoga-Stunden, leitet Entspannungsübungen für Kinder und Jugendliche. Zudem betreibt er in Gelting eine kleine Imkerei, die auch als Begegnungsort dient.

Dort, mitten in der Natur, treffen sich regelmäßig ehemalige Schüler Neumeiers. Als die von den Stundenkürzungen hörten, wurden sie ebenfalls aktiv – und wenden sich nun mit einer Petition an die Schule. Denn: „Auch nach unserer Zeit am Gymnasium Geretsried ist Herr Neumeier zu einem wichtigen Bindeglied für uns zu unserer Schulzeit geworden“, so Julien Bota, Luca Heinle und Paul Beck, Abiturienten des Jahrgangs 2014, in einem gemeinsam formulierten Brief. Der Lehrer, heißt es darin, habe es immer geschafft, „durch sein ernsthaftes Interesse an seinem Gegenüber unsere individuellen Stärken zu erkennen und sie zu fördern“. Für die Schüler habe sich der ehrliche, intensive Austausch mit Neumeier langfristig bezahlt gemacht. Er sei einer der „außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die ihre Schüler als selbstsichere, reflektierte und von Idealen geleitete Menschen in die Welt entlassen haben“. Über 250 ehemalige Schüler haben sich an der Unterschriftensammlung beteiligt, die die Initiatoren dem Direktorat übergeben möchten – verbunden mit der Bitte an Schulleiter Christoph Strödecke, sich für den Verbleib des beliebten Pädagogen einzusetzen.

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Laut dem Kultusministerium steht das Ende einer Arbeit Neumeiers als Lehrer – zumindest momentan – nicht zur Debatte. Aktuell besteht nämlich weiterhin Bedarf an Aushilfslehrkräften im Fach katholische Religion. „Im Vergleich zum vergangenen Schuljahr hat sich dieser aber verringert“, erklärt die Sprecherin des Ministeriums, Dr. Julia Kuntz. „Der Einsatz von Lehrkräften wie Neumeier, die nicht verbeamtet oder unbefristet beschäftigt sind, richtet sich an Staatlichen Gymnasien, nach dem im jeweiligen Schuljahr an einer Schule bestehenden Bedarf.“ Der unterliege – zum Beispiel aufgrund der Schülerzahl oder der Anzahl an dauerhaft beschäftigten Lehrkräften – ständigen Schwankungen. Neumeier selbst, das sagt er auf Anfrage, möchte sich öffentlich nicht zu seiner aktuellen Situation äußern. Dominik Stallein 

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