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Der Bohrplatz auf dem Hofgut Breitenbach.

Kanadier steigen bei Enex ein

Geothermie: Mit neuer Technologie Wärme aus der Tiefe fördern

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Nach zwei erfolglosen Geothermiebohrungen will die Firma Enex Power Germany in Gelting jetzt mit innovativer Technik aus Kanada ans Ziel kommen.

Gelting/Calgary –  Die Eavor Technologies mit Sitz in Calgary ist neuer Partner von Enex. Die Unternehmen wollen eine Gesellschaft gründen, um auf dem von Enex gepachteten städtischen Grundstück beim Geltinger Tierheim Wärme aus der Tiefe zu gewinnen.

Dr. Robert Straubinger ist Enex-Geschäftsführer.

„Wie ursprünglich beabsichtigt, setzen wir unseren Plan fort, der Region sowohl Wärme als auch Strom zu liefern“, teilt Enex-Geschäftsführer Dr. Robert Straubinger mit. Wie berichtet hat Enex seit 2004 über 30 Millionen Euro in sein Geretsrieder Geothermieprojekt gesteckt – leider erfolglos. Die Endteufe lag bei satten 6036 Metern. Dort maß Enex ebenso rekordverdächtige 169 Grad. Aber das heiße Wasser sprudelte nur spärlich – zu wenig für eine wirtschaftliche Nutzung und damit Fernwärme für die Stadt Geretsried.

Wie eine Fußbodenheizung

Mit dem Einsatz der Eavor-Technologie unternimmt Enex nun einen neuen Anlauf. Dabei zirkuliert in einem unterirdischen, geschlossenen Kreislauf eine Flüssigkeit, die die Wärme aus dem Gestein aufnimmt und zur Energiegewinnung an die Oberfläche transportiert. „Ich schicke Oberflächenwasser, weil es da unten keins gibt, in die Tiefe, damit es sich dort erhitzt und hole es wieder nach oben“, erklärt Straubinger das Prinzip. „Das Ganze in einem geschlossenen ewigen Kreislauf, so wie bei einer Fußbodenheizung.“ Dafür werden im relativ „weichen“ Kalkgestein in horizontaler Richtung viele Kanäle gebohrt, um eine möglichst große Fläche für den Wärmeaustausch herzustellen. Thermalwasser aus der Tiefe ist laut Straubinger dafür nicht notwendig. „Ich habe kein Fündigkeitsrisiko, und so lässt sich Geothermie an praktisch jedem Ort umsetzen“, meint der Experte.

Das Projekt in Geretsried sei eine „hervorragende Möglichkeit, zu zeigen, wie unsere Technologie die herkömmliche geothermische Erschließung ergänzen kann“, sagt Bailey Schwarz, Leitende Ingenieurin bei Eavor. Man sei „absolut begeistert“, diese neue und innovative Technologie anwenden zu können, freut sich Enex-Geschäftsführer Straubinger.

Beide Partner gehen davon aus, dass die behördlichen Genehmigungen für das Projekt in Geretsried bis Anfang 2021 vorliegen und die Finanzierung abgeschlossen ist. 2022 soll die Anlage in Betrieb gehen. Damit kann die Stadt Geretsried doch noch auf eine Versorgung mit Fernwärme hoffen. In Kanada betreibt Eavor seit 2019 eine Pilot- und Demonstrationsanlage.

Forschungsprojekt läuft weiter

Unberührt von dem Projekt mit den Kanadiern läuft das Forschungsprojekt auf dem Hofgut Breitenbach weiter. „Momentan werden Laborversuche durchgeführt und theoretische Modelle erstellt“, sagt Dr. Robert Straubinger auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Anschluss, vermutlich im vierten Quartal, sollen die Arbeiten vor Ort beginnen. Wie berichtet soll auf dem Hofgut Breitenbach untersucht werden, wie sich der dichte, bis zu 169 Grad heiße und trockene Kalkstein am besten nutzen lassen kann. Die Idee der Forscher: Sie wollen in den mit Rissen durchzogenen Untergrund Quarzsand einbringen, damit die Spalten offen bleiben. Anschließend soll Wasser in die Tiefe gepumpt werden. Dort heizt es sich auf und wird wieder nach oben befördert. Über einen Wärmetauscher kann das heiße Wasser für Fernwärme genutzt werden, bevor das abgekühlte Wasser erneut in den Untergrund gepumpt wird. In einem zweiten Schritt soll nochmals gebohrt werden, um die Risse miteinander zu verbinden.

nej

Lesen Sie auch: Ist die missglückte Geothermiebohrung ein lokales Phänomen?

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