In die Jahre gekommen: Die Adalbert-Stifter-Mittelschule.
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In die Jahre gekommen: Die Adalbert-Stifter-Mittelschule.

Adalbert-Stifter-Haus

Erweiterung und Sanierung der Mittelschule verzögert sich

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Dass die Adalbert-Stifter-Schule saniert werden muss, ist schon lange im Gespräch. Nun soll sie in dem Zuge zu einer fünfzügigen Einrichtung erweitert werden.

Geretsried – Eigentlich hätte die Erweiterung der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße längst beginnen sollen. Doch von einem Baubeschluss ist der Geretsrieder Stadtrat noch weit entfernt. In der Sitzung am Dienstag wurde bekannt, dass die Einrichtung fünf- statt wie bisher kommuniziert vierzügig werden soll. Das beauftragte Architekturbüro Haindl und Kollegen arbeitet nun eine von vier Vorentwurfsvarianten aus.

Bekanntlich soll die Geretsrieder Mittelschule, die derzeit auf zwei Standorte verteilt ist, am Schulzentrum zusammengelegt werden. Vorher muss das in die Jahre gekommene Stifter-Haus erweitert und saniert werden. Ein entsprechendes Konzept für eine vierzügige Mittelschule, also vier Klassen pro Jahrgang, hatte das Büro vor eineinhalb Jahren im Stadtrat vorgestellt. Im Zuge der Planung sei die Frage aufgekommen: „Reicht das?“, berichtete Diplom-Ingenieurin Anneros Rieger. Daher sei eine Machbarkeitsstudie durchgeführt worden.

Stadt rechnet mit Bevölkerungszuwachs

Grundlage ist ein Gutachten zur Bevölkerungsentwicklung der größten Stadt im Landkreis. Es geht davon aus, dass im Jahr 2036 36.000 Bürger in Geretsried leben werden. „Die Fünfzügigkeit ist wirklich nötig“, betonte Heidi Dodenhöft (Freie Wähler) als Vertreterin des Arbeitskreises „Kinderbetreuung und Schule“. Das sehe auch das Schulamt so.

Dr. Detlev Ringer (Grüne) merkte an, dass der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München kürzlich von 27.000 Einwohnern im Jahr 2037 gesprochen habe. „Das ist eine kleine Differenz“, meinte er. Bürgermeister Michael Müller (CSU) wollte nicht näher darauf eingehen. „Es gibt keine gesicherte Planungsgrundlage. Die offiziellen und realen Zahlen driften auseinander“, so Müller. Dieses Problem sei hinlänglich bekannt. Dodenhöft plädierte dafür, lieber mit großen Zahlen zu planen und vorbereitet zu sein. „Sonst geben wir am Ende viel Geld für Containerlösungen aus.“

In allen vier Vorentwurfsvarianten der Architekten würde eine fünfzügige Schule unterkommen. Zwei davon hatte der Arbeitskreis bereits vor der Sitzung ausgeschlossen. Daher stellte Anneros Rieger den Stadträten nur noch zwei vor, von denen das Gremium mehrheitlich die erste favorisierte. Dagegen stimmten Ringer und Fraktionskollegin Martina Raschke.

Musikschule könnte Herzstück werden

Die Variante sieht eine Verlängerung des nördlichen Gebäuderiegels in Richtung der Realschulturnhalle vor. „Den Neubau erschließen wir mit einem Verbindungsbau“, so die leitende Architektin. Dort würde der gemeinsame Eingangsbereich entstehen und die Musikschule als Herzstück des Gebäudes unterkommen. Die Variante hätte viele Vorteile: Der Baukörper wäre kompakt, man hätte nur einen Anschlusspunkt ans Bestandsgebäude und hätte noch Möglichkeiten, falls man irgendwann nochmal erweitern müsse. Zudem würde der Pausenhof an den Wald angrenzen, der „eine hohe Qualität“ habe. Die andere Variante, bei der der Pausenhof in der Mitte eines ringförmigen Gebäudes gewesen wäre, hätte all diese Vorteile nicht gehabt. „Und wir hätten auch sehr weite Wege“, so Rieger.

Praktisch: Dank der Novellierung der Bayerischen Bauordnung können die Abstandsflächen eingehalten werden, merkte die Architektin an. „Wir dachten, dass wir noch Grund vom Landkreis bräuchten.“ Die Stadt hat zwar eine Satzung erlassen, die in Geretsried eine abweichende Abstandsflächenregelung vorschreibt. Dabei sei die Mittelschule „glücklicherweise“ aber ausgenommen worden.

„Ich bitte darum, das Projekt so schnell wie möglich durchzuziehen“

Auf Nachfrage von Dr. Elmar Immertreu (Geretsrieder Liste, GL) versicherte Bürgermeister Müller, dass die vorhandenen Sportflächen für die Schüler ausreichen. „Ich bitte darum, das Projekt so schnell wie möglich durchzuziehen“, betonte Felix Leipold (Freie Wähler). Als ehemaliger Mittelschüler berichtete er, dass es für schlechte Stimmung gesorgt hätte, in dieser „Bruchbude“ lernen zu müssen. Das wollte der Rathauschef so nicht stehen lassen. „Ich bin voll dabei, dass das Gebäude sanierungsbedürftig ist, aber es ist keine Bruchbude.“

Patrik Kohlert (GL) interessierte sich für den zeitlichen Ablauf: „Wir sind jetzt in Leistungsphase 1, wann kommen wir in Leistungsphase 6, wo es Spaß macht?“ Sobald die Regierung von Oberbayern das Raumprogramm genehmigt habe, brauche sie ein Jahr bis die Baueingabe erfolgen könne, so Rieger. Müller: „Ohne Zuschüsse können wir nicht bauen. Das ist das Dilemma, das für Außenstehende immer schwer nachvollziehbar ist.“ Auf Ringers Einwand, auf Ersatzpflanzungen für zu fällende Bäume zu achten erwiderte der Rathauschef harsch: „Das ist doch logisch.“

sw

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