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Imkerin erklärt: So wird eine Biene zur Königin

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Von: Doris Schmid

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Rein mit dem Saugrüssel: So holen sich die Bienen den Nektar aus den Blüten. Dabei bleibt an den Beinen Blütenstaub hängen. Diesen tragen sie weiter zu der nächsten Blüte und bestäuben diese. Wenn sich der Staub der Blüte mit dem einer anderen verbindet, spricht man von Befruchtung. Nur so kann sich daraus eine Frucht entwickeln.

Sie sind klein, aber ihr Nutzen ist riesig: Rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Mit unserer Serie „Vom Nektar zum Honig“ wollen wir die faszinierende Welt der Bienen näher vorstellen. Heute erweitert Imkerin Susanne Karner das Zuhause ihrer Untermieter.

Gelting – In einem warmen Frühjahr wie zuletzt können sich Völker sehr schnell entwickeln und wachsen. Das merkt auch Susanne Karner. In ihrem Garten blühen die Obstbäume, und es geht ganz schön zu. Vor dem Bienenstock auf dem Balkon herrscht ein reges Kommen und Gehen. „Die Arbeiterinnen fliegen bis Sonnenuntergang oder bis es zu kalt ist“, sagt Karner. Gegen 16 Uhr schwillt das Brummen an. „Den Radau machen die Jungs, wenn sie von den Drohnensammelplätzen nach Hause kommen.“

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Ausgebaute Naturwaben, Mittelwände, Anfangsstreifen: Imkerin Susanne Karner hat alle drei Möglichkeiten ausprobiert, um ihre Bienen bei der Honigproduktion bestmöglich zu unterstützen.

Bei unserem letzten Besuch überlegte die Geltingerin, ob sie ihre Bienen nach dem Winter zusätzlich füttern soll. „Ich habe mich dagegen entschieden“, berichtet die 46-Jährige. „Dank des guten Wetters gibt es ausreichend Nahrung in der Natur.“ Für die Imkerin ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, einen sogenannten Honigraum aufzusetzen, sprich den Bienen mehr Platz in ihrem Stock einzuräumen. „Da orientiere ich mich am Wetter und der Kirschblüte.“ Wenn es im Bienenstock nicht ausreichend Platz gibt, kommt das Volk in Schwarmstimmung. „Und das will der Imker verhindern.“

Mit Fingerspitzengefühl setzt Karner zwei Rähmchen mit einem dünnen Streifen aus Bienenwachs in den Brutraum. „Jetzt kann ich zwei von den alten Waben entfernen. Wir wollen ja das Domizil der Bienen sauber halten.“ An diesem Streifen können die Bienen nun weiterbauen. Auch im Honigraum greift Karner auf Anfangsstreifen zurück, den die Insekten selbst bebauen müssen. „So bekomme ich Wabenhonig mit essbarem Wachs“erläutert die Expertin.

Übrigens gibt es im Bienenstock eine klare Trennung zwischen Brutraum und Honigraum. „Dazwischen hängt man ein Absperrgitter“, erklärt die 46-Jährige. „Es hat Öffnungen, die es den Arbeiterinnen erlauben, in den Honigraum zu gelangen.“ Die Öffnungen sind allerdings so schmal, dass der etwas breiteren Königin der Weg versperrt wird. „Das Absperrgitter verhindert so, dass Brut im Honigraum angelegt wird.“

Apropos Brut: Dafür ist die erste Frau im Staate, die Königin zuständig. Sie bestimmt, ob aus einem Ei eine Arbeitsbiene oder eine männliche Biene (Drohne) wird. „Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich die Arbeiterinnen, aus den unbefruchteten schlüpfen die Drohnen“, erklärt die Biologin. Die Impulse dazu erhalte die Königin durch die unterschiedlich großen Arbeiterinnen- und Drohnenzellen.

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Ob aus einem befruchteten Ei aber eine neue Königin heranwächst, das wird allein durch die Ernährung der Larve bestimmt. „Bauen die Arbeitsbienen eine extra große Königinnenzelle, so erhält dieses Larve den Königinnenfuttersaft, so genanntes Gelée royale, ein reines Drüsensekret, als Dauernahrung.“ Somit entscheiden die Arbeitsbienen, wann und wie viele Königinnen herangezogen werden.

Die Jungköniginnen wollen einen eigenen Staat bilden. Deshalb geht es für sie im Alter von ein bis zwei Wochen auf Hochzeitsflug. An einem sogenannten Drohnensammelort treffen sie auf paarungswillige männliche Bienen. „Wo das ist, wissen wir nicht“, sagt die Imkerin. „Aber die Jungköniginnen wissen genau, wo sie hinfliegen müssen.“ Bei diesen Hochzeitsflügen nehmen sie den Samen von bis zu 15 Drohnen in ihrer Samenblase auf. „Der Samenvorrat muss für fünf Jahre reichen“, sagt Karner.

Den männlichen Bienen ist nur ein sehr kurzes Leben mit tragischem Ende vergönnt. Sie werden nur ein paar Wochen alt und sterben während des Paarungsflugs mit der jungen Königin. Karner: „Da reißt es ihnen den ganzen Begattungsapparat heraus, und das war es dann.“ Wer nicht zum Zug gekommen ist, fliegt zum Bienenstock zurück und versucht sein Glück am nächsten Tag.

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