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Anschauungsunterricht: Forstwirt Götz Alexander Feldmann (re.) erläuterte beim SPD-Stadtgespräch das Baumwachstum anhand einer mitgebrachten jungen Eiche.

SPD-Stadtgespräch

Forstwirt mahnt: Europa muss in Sachen Klimaschutz zusammenarbeiten

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Die absichtlich gelegten Brände im südamerikanischen Regenwald haben auch den Geretsrieder SPD-Ortsverband nicht kalt gelassen. Deshalb lud Ortsvorsitzender Martin Bruckner am Sonntag den selbstständigen Forstwirt Götz Alexander Feldmann zum Stadtgespräch in die Gaststätte Isarwinkel ein.

Geretsried – Der 52-Jährige zog 1990 aus Rheinland-Pfalz nach Bayern und arbeitete lange Zeit im Revier St. Heinrich am Starnberger See. Dort minimierten Stürme und der Borkenkäfer den Fichtenbestand in den 1990er-Jahren. Mit dem Anpflanzen von Laubbäumen gelang es, dort ein gesundes Biotop zu schaffen. Ähnliche Aktionen würde sich Feldmann auch in Brasilien wünschen. „Leider gibt es dort gewissenlose Geschäftsleute, die den Boden ausbeuten und keine Renaturierungsmaßnahmen durchführen“, bedauert der Forstwirt. Umso wichtiger sei es, dass sich europäische Länder in Sachen Klimaschutz zusammenschließen und wirtschaftlichen Druck ausüben.

SPD-Mitglied Bernhard Lorenz sieht das genauso: „Wir müssen unsere Marktmacht ausnutzen, indem wir nur nachhaltige produzierte Produkte kaufen: Das wäre der richtige Hebel“, glaubt der pensionierte Gymnasiallehrer. Obwohl der Wald im Landkreis nach Feldmanns Einschätzung weitgehend intakt ist, dürften auch Kommunalpolitiker in Sachen Klimaschutz nicht untätig bleiben. Die Ausrufung des Klimanotstands, den zum Beispiel der Wolfratshauser Stadtrat jüngst durchgesetzt hat, hält Lorenz für ein probates Mittel. „Nur so können wir die notwendigen Maßnahmen effektiv durchsetzen“, erklärte er.

Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner und der ehemalige Stadtrat Herbert Mieseler äußerten die Befürchtung, dass die deutschen Umweltschutzambitionen nur einen geringen Einfluss auf die Weltpolitik ausüben. „Wir müssen den Anfang machen, aber ohne die anderen Länder schaffen wir es nicht“, ist sich Hopfner sicher. Er verwies darauf, dass die „Fridays- for-Future“-Proteste in Südeuropa kaum registriert werden. Doch gerade Spanien, Griechenland oder Italien seien von Klimawandel und Waldbränden noch stärker betroffen als Deutschland.

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So blieb am Ende der Diskussion nur die Erkenntnis, dass zumindest in Geretsried die Welt in Ordnung ist. „Dank der Baumschutzverordnung kommt es hier regelmäßig zu Nachpflanzungen“, lobte Bruckner. Götz Alexander Feldmann bestätigt das. „Ich habe bestimmt schon viele Bäume gefällt, aber noch mehr eingepflanzt“, unterstrich der Forstwirt. Ihm fehlt nur ein global agierender Schiedsrichter, der den Baumfrevlern in Südamerika mit harten Gesetzen das Handwerk legt. „Ich komme mir vor wie bei einem Fußballspiel, bei dem einer ständig foult und keiner eingreift“, zeigte er sich besorgt.

ph

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