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Ein Job für Experten: Arbeiter ziehen unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen derzeit asbesthaltige Eternitplatten von der Häuserzeile an der Egerlandstraße 58 bis 74. Eine Gefahr für die Umwelt besteht nicht. 

Gebäudekomplex an der Egerlandstraße

Experten demontieren fachgerecht asbesthaltige Platten

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Bevor das Großgerät für den Abriss der Häuserzeile an der Egerlandstraße anrückt, müssen Facharbeiter die Fassadenverschalung rückbauen.

Geretsried – Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt die Sache gespenstisch: Im hinteren Bereich der aus den späten 1950er und frühen 1960er-Jahren stammenden Häuserzeile der Baugenossenschaft Geretsried (BG) an der Egerlandstraße schuften aktuell in weißen Overalls gewandete Männer. Sie entfernen dort unter Atemschutz die Fassadenverkleidung. Die Szenerie, die einem Katastrophenthriller entlehnt sein könnte, ist allerdings nicht so spektakulär, wie sie aussieht. Zwar hantieren die Fachkräfte dort mit asbesthaltigen Eternitplatten, doch eine Gefahr für die Nachbarschaft und Passanten bestehe nicht, beruhigt der zuständige Projektleiter Markus Walter vom Büro HPI. Die BG hat die Münsinger Ingenieure mit der Leitung des Rückbaus des in der Nachkriegszeit sehr häufig verwendeten Materials beauftragt.

Walter betont, dass es sich bei dem abzumontierenden Verschalungsmaterial nicht um den gefährlichen schwachgebunden Asbest, auch Weißasbest genannt, handelt, sondern ausschließlich um einen zementgebundenen. „Der ist relativ fest im eingebauten Zustand, deshalb geht von ihm im Grunde keine Gefahr aus.“ Und sofern man beim Rückbau einige Regeln einhalte, so der Diplom-Ingenieur, „lässt er sich auch risikolos entfernen. Beispielsweise werden die Platten vor der Demontage mit einem sogenannten Restfaser-Bindemittel eingesprüht.“ Damit lässt sich die Freisetzung der winzigen, lungengängigen Asbestfasern verhindern. Tabu ist ebenfalls der Einsatz von Hämmern, Bohrern, Hoch- und Niederdruckreinigern, Bürsten sowie Schleifgeräten. Die Demontage ist außerdem unter der Federführung eines „sachkundigen Aufsichtsführenden“ auszuführen, der während der Arbeiten ständig anwesend sein muss.

Schutzanzüge und Masken, die dem Laien möglicherweise Gefahr suggerieren, dienten deshalb rein dem Schutz der intensiv und regelmäßig geschulten Facharbeiter, „die ja tagtäglich und unmittelbar mit diesem Material zu tun haben“, sagt Walter. Sie würden aus demselben Grund regelmäßig medizinisch untersucht. Im Übrigen seien die Arbeiten beim Gewerbeaufsichtsamt schriftlich angemeldet, dies veranlasse der ausführende Betrieb.

Diese Woche noch arbeiten sich die Experten an den Ostfassaden des Gebäudekomplexes bis zum Amselweg vor. Anschließend wechseln sie auf die Westseite. Dort erstellen sie ein Gerüst, um im Nachgang die dortige Verschalung abzumontieren. Erst dann ist es möglich, den Abriss der Gebäude mit Großgerät fortzusetzen. Die BG ersetzt den in die Jahre gekommenen Komplex wie berichtet durch einen modernen und größeren Neubau mit Wohnungen ab der ersten Etage und Geschäftsräumen im Erdgeschoss. Er soll sich elegant ins gerade entstehende Zentrum der Stadt rund um den Karl-Lederer-Platz einfügen. Bis zum 4. November sollen die letzten noch in den alten Häusern an der Egerlandstraße lebenden Mieter in die neuen BG-Wohnungen an der Siebenbürger Straße umgezogen sein. „Das sind derzeit zwölf Parteien, die aber allesamt die neuen Verträge unterschrieben haben“, sagt BG-Geschäftsführer Wolfgang Selig.

Zur gleichen Thematik: Die letzten Mieter der Egerlandstraße verlieren ihre Wohnung – und ein Stück Heimat

Danach startet, sofern alle Eternitplatten bis dahin demontiert und entsorgt worden sind, der eigentliche Abriss. Der kann sich laut Selig bis in den kommenden Februar hineinziehen, denn „Baustellen im Winter sind stets eine Wette auf das Wetter“. Selig erinnert an den schneereichen vergangenen Winter. Zudem berge ein Abriss immer Unwägbarkeiten. „Obwohl wir vorher alles genau untersucht und einen Gutachter hinzugezogen haben“, gebe es keine 100-prozentige Gewissheit. Selig: „Es kann immer passieren, dass man beispielsweise auf ein stärkeres Kellerfundament trifft als gedacht.“

peb

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