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Hilfe zur Selbsthilfe gibt Hartwig Siebold in der Geretsrieder Radlwerkstatt. Vera Bryson braucht Hilfe, um das Mountainbike ihres verstorbenen Mannes wieder flott zu machen.   

Für Bastler

Fahrradwerkstatt wieder geöffnet

Das Wetter lädt im Moment absolut zum Radfahren ein. Doch mancher alte Drahtesel ist über den Winter etwas eingerostet. Das ein oder andere High-Tech-Mountainbike bedarf ebenfalls kleinerer Reparaturen. Wie gut, dass seit Kurzem die Fahrradwerkstatt am Jugendzentrum Saftladen wieder geöffnet hat.

Geretsried – Für Kurt Schäfer haben sich gleich zwei Nachfolger gefunden, die die beliebte Do-it-yourself-Werkstätte im Auftrag des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJA) ehrenamtlich weiterführen: der 39-jährige Lars Schneider und der 73-jährige Hartwig Siebold. „Meistens sind wir zu zweit, aber einer von uns ist immer da“, sagt Siebold. Neulich mittwochs von 16 bis 18 Uhr hielt der ehemalige Fregattenkapitän der Bundeswehr alleine die Stellung in der Garage hinter dem Saftladen.

Es dauerte nicht lange, bis die erste Kundschaft eintrudelte. Was Vera Bryson allerdings zum Reparieren anschleppte, ließ den begeisterten Hobby-Radlmechaniker die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Das völlig verrostete Damenfahrrad mit zerschlissenem Sattel, kaputten Bremsen und ausgeleierter Kette lohnte sich beim besten Willen nicht mehr herzurichten. Siebolds Rat an die 68-jährige Besitzerin lautete, das nicht mehr verkehrstüchtige Gefährt schleunigst zu entsorgen. „Schade, das war jetzt viele Jahre lang mein treuer Begleiter“, meinte Vera Bryson enttäuscht.

20 Minuten später erschien sie mit einem neuwertigen Mountainbike, um sich bei Siebold zu erkundigen, was er vom Rad ihres verstorbenen Mannes halte. Der Fachmann konnte die Benutzung guten Gewissens empfehlen. Ein bisschen Luft in die Reifen, die Sattelhöhe angepasst und das Erbstück war einsatzbereit. Vera Bryson ließ sich die Handhabung der Ventile erklären, damit sie beim nächsten Mal selbst zur Pumpe greifen kann.

Denn das ist eigentlich der Sinn der Radlwerkstatt: dass Zweiradfreunde Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. So wie Leon. Der 13-jährige Bub aus Thanning brachte sein Mountain-Bike samt neuem Schalthebel und Umwerfer mit. „Ich bastle gerne am Rad“, sagte er und fing auch schon an, den Hebel vom Lenkrad zu entfernen und das Kabel zum Umwerfer aus den Befestigungen am Rahmen zu lösen. Hartwig Siebold hatte Leon eine Woche zuvor bestimmte Marken für die Ersatzteile empfohlen. Beim Einbau ging er dem Jungen zur Hand, ließ ihn aber erst einmal selber machen. Nebenbei suchte er dem ebenfalls 13-jährigen Benjamin passendes Werkzeug heraus, damit dieser die Kette am Bike seiner Mutter reparieren konnte. Sie hatte sich zwischen Zahnrad und Rahmen eingeklemmt. „Ich hab mir das Rad ausgeliehen und es kaputtgemacht. Jetzt muss ich es auch richten“, erklärte der Geretsrieder. Auf die Radlwerkstatt habe ihn seine Mama aufmerksam gemacht.

Der Jugendliche ist froh, dass es die Möglichkeit gibt, hier gegen eine geringe, freiwillige Spende für den TVJA Anleitung und Unterstützung zu bekommen. Nur komplizierte und wichtige Teile wie neue Scheibenbremsen baut der technisch versierte Werkstattleiter lieber komplett alleine ein. Selbst aufwendige Arbeiten wie das Einspeichen scheut er nicht.

Der Radlnarr besitzt zehn Fahrräder, darunter ein Tandem und ein E-Bike, wie er erzählt. Alle seine Bekannten würden ihm ihre fahrbaren Untersätze bringen, wenn sie Probleme damit hätten. In die Radlwerkstatt kommen Junge wie Ältere, Männer wie Frauen. Manche schauen nur auf einen Ratsch vorbei, so wie Gerhard Beißler. Er fachsimpelte an diesem Mittwoch ein bisschen mit Siebold über besonders langlebige E-Bike-Akkus. Dann musste sich der Hobbymechaniker seinem nächsten Fall widmen: Ein platter Reifen am Einkaufsrad einer jungen Mutter gehörte geflickt.

Tanja Lühr

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