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Dicht gemacht: 2016 schlossen die Behörden die Geretsrieder Großmetzgerei Sieber, weil es Hinweise gab, dass der Erreger für Krankheits- und Todesfälle hier zu finden ist.

Behörde geht in die Offensive

Fall Sieber: Das Landratsamt erklärt sein Vorgehen - und attackiert den Insolvenzverwalter

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Die Art, wie Insolvenzverwalter Dr. Josef Hingerl den Fall Sieber darstellt, nimmt das Landratsamt nicht hin. Seine Ausführungen müssen „deutlich korrigiert werden“.

Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts 

Geretsried – Es war eine große Nachricht in der ersten Januarwoche: Der Insolvenzverwalter der von den Behörden geschlossenen Großmetzgerei Sieber, Josef Hingerl, hat die Prozesskosten für die Schadensersatzklage gegen den Freistaat Bayern beisammen. Zwölf Millionen Euro wird er in naher Zukunft vor dem Landgericht einfordern. Bei dieser Gelegenheit wiederholte er seine Vorwürfe gegenüber dem Landratsamt sowie dem Ministerium für Verbraucherschutz. Ihr Kern: Die Schließung wäre nicht nötig gewesen, es sei nur ein einziges kontaminiertes Stück Fleisch gefunden worden (ein Wammerl in einem Rewe-Markt in Nürnberg), die Behörden hätten einfach nur Angst vor einem weiteren Skandal gehabt.

Das lässt das Landratsamt so nicht auf sich sitzen. In einer Pressemitteilung, die im Ton ungewöhnlich scharf ist, attackiert Sprecherin Marlis Peischer den Juristen. „Das zitierte Wammerl enthielt einen speziellen Listerienstamm, nach dem bundesweit bereits vier Jahre lang gefahndet wurde“, schreibt sie. „An einer Infektion mit diesem Stamm waren mindestens vier Menschen gestorben, hatten mindestens zwei Frauen einen Abort und waren mindestens 70 Menschen schwer erkrankt, teilweise mit mehrwöchigem Koma.“ Auf der Suche nach diesem Stamm mit Namen CT 1248 seien über 500 Proben von Lebensmitteln untersucht worden, in denen Listerien gefunden worden waren. Ohne Erfolg – bis man auf das Sieber-Wammerl stieß.

Auch gegen die Unterstellung, dass es die Behörden mit der Angst zu tun bekommen hätten, wehrt sich das Landratsamt. Fakt sei, dass im Zuge der Ermittlungen vor Ort, sprich an der Böhmerwaldstraße sowie in verschiedenen Verkaufsstellen Proben gezogen wurden. „In mehreren dieser Proben waren Listerien nachweisbar, und zwar genau der Stamm CT 1248.“

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Blieb die Frage, wie die Listerien in die fraglichen Produkte der Firma Sieber gelangt sind. Die Frage blieb offen. „Und somit mussten die Behörden den Vertrieb von Lebensmitteln untersagen, bis die Eintragsquelle gefunden und unschädlich gemacht war“, so Peischer. „Schlicht deshalb, um die Verbraucherinnen und Verbraucher vor dem Genuss gesundheitsgefährdender Produkte zu schützen.“ Auch mit der Behauptung, dass auf dem Firmengelände kein einziges kontaminiertes Stück Fleisch gefunden worden sei, „macht es sich der der Insolvenzverwalter recht einfach“. Denn: Bei den belasteten Produkten der Firma Sieber handele es sich um mehrere kontaminierte Stücke Wurst ganz unterschiedlicher Sorten – und damit um weiterverarbeitetes Fleisch. Unter anderem sei auch ein vegetarisches Produkt betroffen gewesen. „Der Rückruf konnte sich also auch nicht auf eine bestimmte Sorte Wurst oder das vielfach zitierte Wacholderwammerl beschränken.“

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Mit einem gewissen Sarkasmus fährt Peischer fort: „Für Dr. Josef Hingerl mögen die Todesfälle rätselhaft sein, für den Naturwissenschaftler sind sie es nicht.“ Es habe schwere Erkrankungs-, ja sogar Todesfälle gegeben, hervorgerufen durch einen speziellen Erreger, der ausschließlich in Produkten der Firma Sieber gefunden worden sei – und nirgendwo sonst im Bundesgebiet. „Um noch einmal an die Dramatik zu erinnern: Pro Monat führte dieser Listerienstamm CT 1248 seit vier Jahren durchschnittlich zu zwei schweren Erkrankungsfällen. Auch für vier Todesfälle war der Erreger ursächlich.“ Seitdem die Produkte von Sieber vom Markt genommen worden seien, habe es keinen einzigen Fall mehr gegeben.

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