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Im Jahr 2016 schlossen die Behörden die Firma Sieber wegen des dringenden Verdachts, dass sich von hier aus ein sehr gefährlicher Listerienstamm verbreitet. Ob das berechtigt war oder nicht, wird demnächst in einer großen Schadensersatzklage geklärt. 

Nach Drohung des Insolvenzverwalters

Fall Sieber: Verleumdungsklage bleibt ohne Wirkung

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Jedem, der Sieber in Zusammenhang mit Todesfällen bringt, drohte Insolvenzverwalter Josef Hingerl mit einer Verleumdungsklage. Landtagsabgeordneten Florian von Brunn beeindruckt das wenig.

Update, 26. Januar: Der Landtagsabgeordnete und SPD-Verbraucherexperte Florian von Brunn lässt sich von einer drohenden Verleumdungsklage nicht einschüchtern. Dr. Josef Hingerl, Insolvenzverwalter der Großmetzgerei Sieber, hat vor wenigen Tagen angekündigt, jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der in Zukunft Sieberprodukte in Zusammenhang mit Todesfällen bringt – und genau das hatte von Brunn zuvor in einer Pressemitteilung getan. 

„Ich sehe der möglichen Klage gelassen entgegen“, erklärt von Brunn in einer Pressemitteilung. „Ich bin überzeugt, dass die Richter meine Einschätzung teilen würden. Wenn der Staat nicht einmal in einer so brandgefährlichen Situation handeln darf, wäre das ein schwerer Rückschlag für den Verbraucherschutz. Dann müssten vielleicht Menschen sterben oder schwer erkranken.“ 

Der Abgeordnete erklärt erneut seine Position: „Die genetischen und epidemiologischen Untersuchungen der Gesundheitsexperten und die Recherchen des Landratsamts haben ergeben, dass dieser Listerientyp nur in Produkten der Firma Sieber gefunden wurde.“ Auch die Tatsache, dass nach dem Auslieferungsstopp im Jahr 2016 die Erkrankungswelle endete, zeigt nach von Brunns Überzeugung, dass die Erkrankungen ebenso wie die genannten Todesfälle „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Produkte der Firma Sieber zurückzuführen sind“. 

Der Landtagsabgeordnete warnt Hingerl davor, den Bogen zu überspannen: „In einem Insolvenzverfahren geht es in erster Linie um Geld. Der Schutz von Menschenleben ist aber wichtiger als Geld. Deswegen werde ich auch weiterhin meine Meinung sagen und keinen Zentimeter zurückweichen: Es waren Menschenleben in Gefahr.“ 

Auch im Landratsamt beeindruckt die mögliche Verleumdungsklage niemanden. „Wird sind davon überzeugt, zum Schutze der Verbraucher richtig gehandelt zu haben, und das ist für uns entscheidend“, erklärt Pressesprecherin Sabine Schmid auf Nachfrage. „Das Landratsamt wird sich weder durch öffentliche Drohungen und Behauptungen einschüchtern lassen, noch dies weiter kommentieren.“ Demnächst wird am Landgericht in München die Schadensersatzklage der Großmetzgerei Sieber gegen den Freistaat Bayern verhandelt. Es geht um Regressforderungen in Höhe von zwölf Millionen Euro. Die Prozesskosten von 250 000 Euro hatte Insolvenzverwalter Hingerl mittels Crowdfunding gesammelt.


Erstmeldung vom 16. Januar:

Geretsried – Der Insolvenzverwalter der Großmetzgerei Sieber, Dr. Josef Hingerl, geht auf Konfrontationskurs. „Jeder, sei es Politiker oder hoher Beamter, der zukünftig behauptet, irgendein Toter sei auf Listerien bei der Firma Sieber zurückzuführen, wird eine Verleumdungsklage zugestellt bekommen“, schreibt er einer Pressemitteilung. Weder das Verwaltungsgericht noch das Amtsgericht in Wolfratshausen seien im Entferntesten in die Nähe derartiger Unterstellungen gekommen.

Hingerl tut die Argumentation der Behörden ab

Damit reagiert Hingerl, der den Freistaat wegen der Sieber-Schließung auf zwölf Millionen Euro Schadensersatz verklagt, auf Presseerklärungen des Landratsamts und des SPD-Politikers Florian von Brunn. Sie hatten einen Zusammenhang zwischen dem auf Sieber-Produkten gefundenen Listerien-Stamm CT 1248 und mehreren Todesfällen hergestellt. Nach der Schließung von Sieber habe es keine Listerien-Tote mehr gegeben.

Lesen Sie auch: Landratsamt attackiert Insolvenzverwalter

Für Hingerl ist das Unsinn. Die Hygieneverordnung gehe davon aus, dass man Listerien, die überall vorhanden seien, gar nicht verhindern kann. Daher seien Grenzwerte eingeführt worden. „Nur beim Verlassen des Produkts aus dem Betrieb und nur innerhalb der angegebenen Haltbarkeitsdauer müssen die Grenzwerte eingehalten werden.“ Die Argumentation, dass der Listerienstamm CT 1248 besonders gefährlich sei, tut Hingerl ab: „Ihn gibt es überall in der Bundesrepublik.“

Lesen Sie auch: Millionenklage steht nichts mehr im Weg

Hingerl weist darauf hin, dass er als Insolvenzverwalter über das Amtsgericht vom Freistaat Bayern eingesetzt worden sei, die Gläubiger zu befriedigen. Dazu gehören bei Erfolgsaussicht auch Schadensersatzklagen.  

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