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Erste Schneeballschlacht im eigenen Garten: Vorsitzender Hans Nowotny (re.), sein Stellvertreter Alex Riesen (li.), Pächter Walter Heringer und Sohn Alex. 

SERIE: „AB INS BEET“ (6)

Familie Heringer hat endlich einen Garten

In der kalten Jahreszeit macht die Natur Winterschlaf. Der Isartaler Kleingartenverein aber nicht. Er beendet sein Festjahr zum 40-jähriges Bestehen mit neuen Nachbarn. Familie Heringer ist neuer Pächter und freut sich schon darauf, ihre Parzelle zu bewirtschaften.

Geretsried – Vier Jahre lang haben Galina und Walter Heringer sowie ihre Söhne Eduard und Alexander auf diesen Tag gewartet. Kurz vor Jahresende konnte die Familie aus Stein einen rund 330 Quadratmeter großen Garten im westlichen Teil der Anlage in Empfang nehmen. Für 110 Euro Pacht pro Jahr dürfen sie nun nach Herzenslust anbauen, was sie wollen. Sie können Grillfeste feiern, in der zum Grundstück gehörenden Hütte übernachten und an den Vereinsveranstaltungen teilnehmen.

„Ich liebe die Natur“, sagt der neunjährige Alex und strahlt übers ganze Gesicht. Tomaten und Gurken will er pflanzen, denn die isst er am liebsten, wie er erklärt. Vater Walter Heringer (51) plant, ein Gewächshaus zu bauen, damit das Sommergemüse besser gedeiht. Er stammt ursprünglich aus Kasachstan. Seit 1998 lebt er in Geretsried. In der alten Heimat hat er einen großen Garten besessen, wo er Gemüse und Obst selbst angebaut hat.

Auch seine Frau Galina (47) ist in Russland so aufgewachsen. „Das hat uns gefehlt hier. Wir haben nur eine Mietwohnung mit Balkon“, sagt Heringer. Weil sie über keinen eigenen Garten verfügen, wurden sie auf die Warteliste des Isartaler Kleingärtnervereins gesetzt. „Das ist Grundbedingung“, sagt der Vorsitzende Hans Nowotny. Im Moment stehen 33 Geretsrieder Bürger auf der Liste. Doch nur selten gibt jemand seine Parzelle auf, weshalb die Wartezeit lang sein kann.

Die Heringers hatten das Glück, dass die Vorpächter, das Ehepaar Kloos, ihren Garten aus Altersgründen nicht mehr unterhalten konnten und ihn schweren Herzens aufgaben. Nowotny: „Wir müssen im Auftrag der Stadt als Eigentümerin der 88 Gärten darauf schauen, dass wirklich alle genutzt und gepflegt werden.“

Damit will Familie Heringer noch im Winter anfangen. Sie haben vor, das Häuschen, in dessen Wintergarten Wein wächst, frisch zu streichen und einzurichten. Im März soll das Gewächshaus stehen, und die Außenbeete sollen hergerichtet sein. Für die Gartenarbeit wollen sich die berufstätigen Eltern an den Wochenenden und nach Feierabend Zeit nehmen. „Das wird keine Arbeit, das wird Entspannung“, blickt Walter Heringer auf sein künftiges Dasein als Kleingartenbesitzer. Alex freut sich auf Ausflüge an die nahe gelegene Isar und aufs erste Übernachten in der Hütte. „Hoffentlich kommen keine Schlangen rein“, meint der Bub in Abenteuerstimmung.

Auch ihren neuen Nachbarn, den 81-jährigen Georg Sonnauer, Mitbegründer der Anlage, haben die neuen Pächter kurz nach der Vertragsunterzeichnung schon kennengelernt. Er kommt im Winter täglich, um die Vögel zu füttern. Amseln, Meisen und Finken umfliegen das Futterhäuschen. Ab und zu hole sich ein Eichhörnchen ein paar Nüsse, erzählt Sonnauer.

Zu tun gebe es auch in der kalten Jahreszeit immer etwas, sagt der Rentner. Jeder räume auf dem Weg vor seiner Parzelle Schnee. Sträucher und Bäume müssten frei geklopft werden, wenn die Schneelast zu groß ist. In der Hütte habe er immer etwas zu werkeln, und im Glashaus lasse sich den ganzen Winter über Feldsalat ernten, erklärt Sonnauer.

Von ihrem Nachbarn mit den „zwei grünen Daumen“, wie Vereinschef Nowotny sagt, können die Heringers sich also jederzeit Tipps holen. Und über weitere Fachthemen tauschen sich die Mitglieder bei den regelmäßigen Gemeinschaftsabenden, den Herrentreffen oder Damenkränzchen aus.

40 Jahre Kleingartenverein

Der Isartaler Kleingartenverein feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1977 hegen und pflegen die Mitglieder die Anlage an der Jeschkenstraße und genießen das bunte Vereinsleben. In einer Serie hat unsere Zeitung den Verein, seine Mitglieder und deren Gärten durch das Jahr begleitet. Mit dieser Folge endet sie.

Tanja Lühr

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