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Zu verlockend war die Kasse für die junge Mitarbeiterin eines Takabladens. Sie bediente sich – und flog auf.

Angeklagte streitet Diebstahl ab

Fataler Fehlgriff: Geretsriederin beklaut Chefin – und erpresst sie dann

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Sie griff in die Trinkgeldkasse und landete vor Gericht: Eine Geretsrieder Verkäuferin musste sich wegen Diebstahls und versuchter Erpressung verantworten.

Wolfratshausen – Sie war eine „angenehme Person mit einer angenehmen Ausstrahlung“. So wird die junge Frau von ihrer Chefin beschrieben. Sie sei von ihr „sehr angetan“ und mit ihrer Arbeit „eigentlich immer sehr zufrieden“ gewesen. Das änderte sich am 23. September vorigen Jahres schlagartig. An jenem Samstag stellte die Inhaberin eines Tabakwarenladens in Geretsried bei Arbeitsbeginn fest, dass aus ihrer persönlichen Trinkgeldkasse rund 73 Euro fehlten.

Nun musste sich die Verkäuferin wegen Diebstahls und versuchter Erpressung vor dem Jugendrichter verantworten. Der Verdacht war sofort auf die Angeklagte gefallen, weil die Inhaberin das Geld am Nachmittag des Vortags gezählt hatte. Danach sei nur noch die damals 19-jährige Mitarbeiterin im Laden gewesen. Die Frau hatte nicht erklären können, wo das Geld geblieben war. Zwar seien die Münzen gelegentlich genutzt worden, wenn in der Kasse Kleingeldmangel herrschte. Doch dann hätte das entnommene Geld in Scheine eingetauscht werden müssen, oder es hätte am Abend in der Kasse eine Differenz gegeben. Beides war nicht der Fall. „Mein Vertrauen war dahin“, sagte die Inhaberin, die das Arbeitsverhältnis umgehend beendete.

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Die Mitarbeiterin quittierte den Erhalt von 200 Euro Abschlag auf den noch ausstehenden Lohn. Der Rest sollte ihr nach der Endabrechnung aufs Konto überwiesen werden. Wenig später erhielt die Geschäftsinhaberin Post vom Rechtsanwalt. Die entlassene Mitarbeiterin behauptete, nur 100 Euro erhalten zu haben, bezichtigte ihre Chefin, die Unterschrift auf der Abschlagsquittung gefälscht zu haben und drohte mit einer Unterschlagungsklage, falls sie ihren Restlohn inklusive der vorenthaltenen 100 Euro nicht umgehend erhalte. Daraufhin ging die Geschäftsinhaberin zur Polizei.

In der Verhandlung relativierte der Verteidiger die Angaben seiner schweigsamen Mandantin. Der Rechtsanwalt erklärte, sie gebe zu, dass die Unterschrift auf der Quittung von ihr selbst stamme. Die Angeklagte beharre aber weiterhin darauf, nur 100 Euro erhalten zu haben. „Warum sie 200 Euro quittierte, ist ihr nicht erklärlich.“

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Auch den Diebstahl streite sie ab. Genauso hätte ein Kunde lange Finger machen können, etwa während die Verkäuferin kurz auf der Toilette war. Oder jemand habe sich nachts in den Laden schleichen können. Oder sie habe das Kleingeld gewechselt und die Scheine „irgendwo im Laden abgelegt und vergessen, sie in die Kasse zu legen“, kreierte der Rechtsanwalt mögliche Szenarien.

„Das sind theoretische Gedankenspiele“, sagte Richter Urs Wäckerlin zu den Ausführungen des Anwalts. Für ihn sei die Zeugin sehr glaubwürdig, was er unter anderem damit begründete, dass die Geschäftsinhaberin noch einmal bei der Polizei angerufen und den Fehlbetrag im Trinkgeldbecher nach unten korrigiert hatte. Wäckerlin verurteilte die Verkäuferin zu 600 Euro Geldstrafe zugunsten der Oberland-Werkstätten. rst

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