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Beim Kalkofen in Tattenkofen: Helmut Schmidmeier (li.) vom Arbeitskreis Historisches Geretsried zeigte für die Kameraleute des Flößerfilms „Fahrn ma obi am Wasser“ den letzten erhaltenen Kalkofen der Region. Er ist zu einem Schuppen umgebaut worden, aber noch erhalten und gut erkennbar.

Das weiß fast niemand

Geretsried hat der Flößerei einiges zu verdanken

Geretsried – Die Stadt Geretsried und die Flößerei: Auf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemeinsam. Aber das stimmt nicht.

Lange bevor die Kommune wuchs, war das Flößerhandwerk mit dem Ort verwoben. Damals, als Geretsried nur ein kleiner Weiler um die Nikolauskapelle war. Der Heilige Nikolaus ist Schutzpatron der Flößer. Und der Gasthof Geiger zum Beispiel war eine beliebte Einkehr der Flößer. Das hat bei den Nachbarn auch für viel Unmut gesorgt.

Helmut Schmidmeier vom Arbeitskreis Historisches Geretsried kennt die Geschichten. Geretsried hatte eine eigene Floßlände: etwa einen Kilometer südlich der Tennisplätze. Dort wurde Kalk aus den Geretsrieder Kalköfen auf Flöße geladen, die dann ihren Weg in die Zentren ins Unterland nahmen. „Es wurde sehr viel Kalk gebrannt im Verhältnis zur Größe des kleinen Weilers“, sagt Schmidmeier. Das letzte, ziemlich gut erhaltene Exemplar eines Kalkofens in der Region steht in Tattenkofen.

Eine lange Geschichte hat auch der Gasthof Geiger. Ohne die Flößer gäbe es ihn vielleicht nicht, sagt Wirtin Angelika Geiger. Im Jahr 1812, also vor 204 Jahren, erhielt eine Tochter aus dem Bauerngeschlecht der Scheid die „Conzession zum Ausschank von weißem braunem Bier“. Vor allem deshalb, weil hier die Flößer auf ihrem Heimweg besonders gerne Rast gemacht hatten. Dem Königsdorfer Post-Wirt sei das gar nicht recht gewesen, erzählt Geiger. Er fürchtete um die Verminderung der sicherlich einträglichen Einnahmen durch die Flößer mit ihrer gut gefüllten „Geldkatz“. Im Jahr 1896 übernahm dann der Wolfratshauser Flößer Thaddäus Geiger die Gaststätte durch Heirat. Heute hat Wirtin Angelika Geiger zahlreiche Erinnerungsstücke an die Zeit der Flößerei: in ihrem persönlichen Besitz, aber auch in den Gasträumen.

Wie Geretsried und die Flößerei zusammenhängen, wird in dem Flößerfilm „Fahrn ma obi am Wasser“ erzählt, den Filmemacher Walter Steffen aus Seeshaupt derzeit dreht (wir berichteten). Der Film entsteht in Kooperation mit dem Verein Flößerstraße. Einen ganzen Tag lang drehte Steffen in Geretsried. Er interviewte Helmut Schmidmeier, Angelika Geiger sowie Sabrina Schwenger vom Verein Flößerstraße. Sie sorgte dafür, dass es romantisch-tragisch wurde: Schwenger erzählte die Sage vom „Roten Kreuz – die schöne Philomena und ihr armer Floßknecht“. Und zwar am etwas versteckt gelegenen Standplatzes des großen Kreuzes nahe der Isar. „Ich habe zwar schon Sagen und Legenden auf drei CDs eingesprochen“, erzählte sie danach, „aber so natürlich wie möglich eine Sage vor der Kamera zu erzählen, das war eine ganz neue Erfahrung.“

Schmidmeier erzählte den Kameraleuten von der Isar und den verschiedenen Wasserläufen. „Die Isar ist immer da“, sagte er. „Der Fluss ist immer dergleiche. Und doch ist er immer neu und verändert sich ständig.“ 

red

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