Fotos von Dreharbeiten zu verschollenem Singspiel aufgetaucht – Statistin erinnert sich
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Braut mit skeptischen Blick: Rosemarie (Monika Dahlberg) hat sich in einen Siedler verliebt. Schürzenjäger Mister Howley (Lukas Ammann) ist davon nicht begeistert.

Im Wilden Westen an der Isar

Fotos von Dreharbeiten zu verschollenem Singspiel aufgetaucht – Statistin erinnert sich

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Der Geretsrieder Andreas Wagner fand alte Fotos von Dreharbeiten in der Stadt, angeblich einem Western. Unsere Zeitung begab sich auf Spurensuche - und wurde fündig. 

Geretsried – Was für eine interessante Entdeckung hat der Geretsrieder Andreas Wagner da gemacht: Im Fundus seines verstorbenen Vaters Stefan Wagner fand er Fotos von Dreharbeiten. „Er hat mir mal erzählt, dass an der Isar ein Western gedreht wurde“, berichtet Wagner. „Wie der Western hieß, weiß ich leider nicht.“ Der Geretsrieder Merkur/Isar-Loisachbote begab sich auf Spurensuche – und wurde fündig.

Geretsried: Alte Fotos von Dreharbeiten aufgetaucht 

Der Arbeitskreis Historisches Geretsried hat mit Robert Schael einen Filmexperten in seinen Reihen. In Fernsehserien und Filmen, von denen er weiß, dass sie in der Region spielen, sucht er nach Geretsrieder Schauplätzen (siehe unten). Doch ein Western, der an der Isar gedreht wurde, ist ihm nicht bekannt. „Ich weiß über diesen Film noch wenig bis nichts“, gesteht der Geretsrieder. „Gesehen hab’ ich ihn auch noch nicht.“ Aber auf Schumachers Rund-Mail an den Arbeitskreis meldeten sich zwei Mitglieder, die in dem Film als Statistinnen mitgespielt haben: Rosi Hartmann und Elgard Hartung.

Kulisse am Kiesstrand: Für die Dreharbeiten wurde an der Isar – vermutlich nördlich von der Isardamm-Grundschule – extra eine Stadt in der Prärie aufgebaut.

Hartung kann sich noch gut an die Dreharbeiten erinnern. „Ich war total stolz, dass ich damals mitspielen durfte“, sagt die Geretsriederin, die damals 18 Jahre alt war. Die Kleider, die Maske: „Das war toll für uns Kinder.“ Und: Es gab sogar Geld fürs Mitmachen. „Ich sollte sogar noch einmal für Filmaufnahmen kommen, aber da hat mein Chef etwas dagegen“, erinnert sich Hartung, die damals als Sekretärin ein einem Büro gearbeitet hat.

Geretsrieder Statistin erinnert sich

Die heute 73-Jährige hat unter anderem das Fernsehprogramm aufgehoben, in dem die Ausstrahlung von „Rosemarie“ für den 10. Februar 1965 im ZDF angekündigt wird. Und eine Autogrammkarte von Hauptdarsteller Klaus Havenstein besitzt die Geretsriederin ebenfalls. „Die hat ihm mein Bruder abgerungen“, sagt Hartung und schmunzelt.

Posieren vor der Postkutsche: Außerhalb der Dreharbeiten war die Filmkulisse ein beliebtes Fotomotiv. Das Bild zeigt Helmut Hahn (auf der Kutsche), seinen Bruder Günther (vor dem Rad) sowie (re.) Ladislaus Stammler mit seinem Sohn Franz Josef.

Was den Bildern nach wie ein Western aussieht, ist tatsächlich ein Singspiel: Eine kleine Pariserin kommt in den Wilden Westen, um die Erbschaft eines Onkels anzutreten. Allgemein umworben entscheidet sie sich für den hübschen Jim. Der gerät unschuldig in den Verdacht des Totschlags – und bis zum Happy End sind einige turbulente Abenteuer zu bestehen.

Was nach Western aussieht, ist tatsächlich ein Singspiel

Für diese musikalische Geschichte aus dem Wilden Westen zeichnete Oscar Hammerstein II, ein US-amerikanischer Musical-Produzent, Librettist und Liedtexter, verantwortlich. Regie führte Wolfgang Schleif, die Fernsehbearbeitung lag in den Händen von Max Mania. Die Musik stammte von Rudolf Friml und Herbert Stothart. Es spielten Kurt Henkels mit Orchester und die „Western Gentlemen Hilly Billy Band“.

Rauf auf den Esel: Einige Geretsrieder Kinder durften im Singspiel als Statisten mitspielen – unter anderem Elgard Hartung (3. v. re. mit dem dunklen Zopf) und ihr Bruder Volker (hinter dem Esel stehend) sowie Rosi Hartmann (2. v. re.).

Schauspieler waren Monika Dahlberg (Rosemarie), Michael Paryla (Emile, ihr Bruder), Carlos Werner (Jim), Hanne Wieder (Lady Jane, Saloonwirtin), Klaus Havenstein (Doktor Topper), Bruce Low (Captain Malone), Walter Gross (Korporal Herman), Lukas Ammann (Howley), Olive Moorefield (Wanda), Albert Hehn (Graufuchs), Barbara Evers (Lizzy) und Esther Carola Regnier (Lucy) – die Schwester von Schriftsteller Anatol Regnier, der in Münsing lebt.

Bemühungen um Mitschnitt des Singspiels waren erfolglos

Vor ein paar Jahren bemühte sich Hartung um einen Mitschnitt des Singspiels, den sie ihrem inzwischen verstorbenen Bruder Volker Schmalfuß schenken wollte. „Ich habe mich in Filmarchiven auf die Suche gemacht, leider erfolglos“, berichtet die Geretsriederin. 

Die Damen unterm Sonnenschirm, die Herren mit Hut: Gedreht wurde im August 1964 mit einem Großaufgebot an Schauspielern und Statisten.

„Und auch im Archiv des ZDF ist es angeblich nicht mehr vorhanden.“ Filmexperte Schael will die Hoffnung nicht aufgeben: „Es wäre schon interessant, das Singspiel zu sehen. Immerhin wurde es ja auch bei uns gedreht.“ Er will sich auf die Suche machen. „Irgendwo wird’s das sicher geben.“

Kurios: Laut der Internetplattform retro-media-tv.de wurde das Singspiel bereits am 1. Januar 1965 ausgestrahlt, und zwar abends in der ARD. Im Nachmittagsprogramm lief an Neujahr der Abenteuerfilm „Der Kaiser von Kalifornien“ mit Luis Trenker, für den ebenfalls in Geretsried Szenen gedreht wurden.#

nej 


Drehort Geretsried: 

Film und Fernsehen spielten von Anfang in der Geschichte Geretsrieds eine Rolle. Es gab sogar Pläne für einen zweiten Geiselgasteig wie in München. Das gesamte, auf dem Gelände des ehemaligen Rüstungswerks der DAG ausgewiesene Industriegebiet sollte zur Filmproduktion genutzt werden. Doch daraus wurde nichts. Trotzdem taucht Geretsried regelmäßig im Fernsehen auf. Robert Schael vom Arbeitskreis Historisches Geretsried hat zusammengetragen, was gedreht wurde: 

• „Der Kaiser von Kalifornien“ mit Luis Trenker (1936) 

• „Himmel ohne Sterne“ von Helmut Käutner (1955) 

• „Ich und die Kuh“ mit Fernandel (1959) 

• Singspiel „Rosemarie“ mit Monika Dahlberg und Klaus Havenstein (1964) • Folge für die Serie „Kommissar Brahm“ mit Paul Klinger (1967) 

• „Das Medium“/Reihe „Das blaue Palais“, unter der Regie von Rainer Erler. Gedreht wurde in der Gaststätte Böhm auf der Böhmwiese. Die Wirtschaft brannte in der Nacht davor ab; die Drehbücher mussten umgeschrieben werden (1974) 

• „Derrick“-Folge „Kein schöner Sonntag“ (1976) 

• „Tatort“-Folge „Abendstern“ (1976) • „Mein Freund, der Scheich“ mit Fritz Strassner und Walter Sedlmayr (1981) 

• Szenen für Serie „Forsthaus Falkenau“ (ab 1988) Außerdem entstanden in Geretsried Aufnahmen für „Der Bulle von Tölz“, „Die Rosenheim Cops“ und „Hubert und Staller“.

Ein besonderes Jubiläum feiert heuer hingegen die Isardammschule: Sie wird 50 Jahre alt. Und bei dem Geretsrieder Unternehmen Franco Fresco geht der Erfolgskurs weiter: Er liefert seine Tiefkühlpizza jetzt auch in die Schweiz. Im Interview spricht der Gustavo Gusto-Chef über seine neueste Expansion, Corona und die Zukunft-

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