+
Bild der Vergangenheit: Gro ße Hoffnung setzte Geretsried in das Geothermieprojekt in Gelting.

Stattdessen wird ein Arbeitskreis gegründet

Klimaschutz in Geretsried: Fraktionen stellen Anträge und rudern zurück

  • schließen

Die Fraktionen von SPD und Grüne bringen den Klimaschutz auf die Agenda des Stadtrats. Ewald Kailberth von der CSU mahnt zur Zurückhaltung.

Geretsried – Die Klimakrise ist eines der beherrschenden Themen zurzeit. Die Fraktionen der SPD und der Grünen im Stadtrat sprangen in der Sitzung am Dienstag auf den Zug auf und stellten unabhängig voneinander Anträge mit dem Ziel, den Klimaschutz in Geretsried voranzutreiben. CSU-Bürgermeister Michael Müller wunderte sich darüber, ließ aber trotzdem ausführlich diskutieren. Nachdem diese und drei weitere Anträge die Tagesordnung beherrschte, ergriff Ewald Kailberth am Ende der Sitzung das Wort. „Ich würde vorschlagen, wir halten uns bis zur Kommunalwahl mit den Anträgen zurück“, sagte der CSU-Fraktionschef. Das belaste die Verwaltung nur zusätzlich.

Zu Beginn hatte Umweltreferent Volker Witte (Grüne) berichtet, wie viel die Stadt in diesem Bereich leiste. Beispielsweise gebe es verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt. Städtische Liegenschaften würden mit Energie aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben. Auch Wittes Fraktionskollege Prof. Dr. Detlev Ringer sagte: „Wir erkennen an, dass der Stadtrat und die Stadt Geretsried bereits erhebliche Anstrengungen unternehmen, um der Klimakrise zu begegnen.“ sagte er. Doch das reiche nicht. Es brauche unter anderem konsequente Zielvorgaben bei der Planung von öffentlichen und privaten Gebäuden. Deshalb beantragte Ringer namens seiner Fraktion „die Anerkennung der Klimakrise“.

Grundversorgung ist gesichert

Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums mahnte Ringer, dies bei der Grundversorgung zu bedenken. Diesen Vorwurf wollte Bürgermeister Müller so nicht stehen lassen, zumal Ringer wüsste, dass das nicht stimme. „Wir haben diese Themen ausführlich im Abwasserzweckverband diskutiert, die Trinkwasserversorgung und die Abwasserkontingente sind gesichert“, so der Rathauschef.

Das bestätigte Volker Reeh (CSU) und fragte sich, was es bedeute, die Klimakrise anzuerkennen. „Wenn wir alle mit dem Radl fahren, sind wir vielleicht auf dem richtigen Weg.“ Daraufhin sagte Bürgermeister Müller: „Es gibt selten Momente, in denen ich Herrn Reeh zustimmen muss, aber da hat er Recht.“ Angesichts der Differenzen zwischen den beiden – der CSU-Vorstand setzte Reeh nicht auf die Kandidatenliste für die Kommunalwahl, weswegen Reeh nun eine eigene, die „Geretsrieder Liste“ anstrebt – sorgte die Zustimmung für Schmunzeln im großen Sitzungssaal.

„Ich bin mit der Zielrichtung einverstanden, bezweifle aber persönlich den Weg dorthin“, bewertete Michael Lasidis (SPD) den Antrag der Grünen. Diese hatten zudem vorgeschlagen, Sonnenenergie im Stadtgebiet mit 500 Euro pro Anlage zu fördern. „Diese Umverteilung ist nicht sozial gerecht.“ Lasidis stellte mit seiner Fraktion den Antrag, das integrierte Klimaschutzkonzept (IKK) von 2010 zu evaluieren. Dazu Müller: „Wir haben schon die Teilfortschreibung für 28 000 Euro beauftragt.“ Die Ergebnisse sollen im Januar vorgestellt werden. „Der Antrag ist im Grunde unnötig“, sagte der Bürgermeister.

Im IKK hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, bis 2035 unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein. Bis zum Scheitern des Geothermieprojekts der Firma Enex in Gelting war sie auf gutem Weg dorthin. Der Plan B aus dem IKK ist ebenfalls überholt, weil beispielsweise die Hackschnitzelheizung an der Adalbert-Stifter-Straße, die die Stadt zwischenzeitig gebaut hat, darin nicht vorkommt. Deswegen stimmte der Stadtrat vor über einem Jahr dafür, dass das Kompetenzzentrum Energie der Energiewende Oberland aus Penzberg ein neues Planungsinstrument erstellt.

Da sich für beide Anträge keine Mehrheit abzeichnete, zogen SPD und Grüne diese zurück. Als Alternative beschloss der Stadtrat, einen Arbeitskreis zu gründen. Er soll überlegen, wie man dem Klimawandel gemeinsam mit den Bürgern begegnen kann. Das hatte Kailberth vorgeschlagen.

Fuhrmann hadert mit Tiefgarageneinfahrt

Mit Blick auf die Pläne der Baugenossenschaft und der Sparkasse sorgt sich FDP-Stadtrat Günther Fuhrmann um die Verkehrssituation an der Egerlandstraße. Das brachte er in der jüngsten Sitzung mit einem Antrag zum Ausdruck. „Das ganze Jahr haben wir nur marginal über die Verkehrsregelung diskutiert“, kritisierte Fuhrmann. Im Bebauungsplan für das Sparkassen-Gebäude, das durch einen Neubau samt Tiefgarage ersetzt werden soll, sei das Verkehrskonzept ein anderes, als jenes, das Architekt Klaus Kehrbaum einst für die Egerlandstraße vorgestellt hatte. Damals ging der Stadtrat nur von einem Neubau der Baugenossenschaft samt Tiefgarage aus. Konkret sei die Ein- und Ausfahrt auf Höhe des Fasanenwegs gefährlich für Fußgänger und Radfahrer, so Fuhrmann. Er schlug vor, auf diese Rampe zu verzichten. „Zwei Einfahrten für eine Tiefgarage dieser Größe reichen.“ Eine andere Option wäre, die Einfahrt hinter die Einmündung zu verlegen. „Solange der Beton noch nicht gemischt ist, ist es nicht zu spät“, sagte Fuhrmann. 

Das sah CSU-Bürgermeister Michael Müller ganz anders. Es spreche nichts dagegen, über die Oberflächengestaltung zu sprechen – aber zum richtigen Zeitpunkt. „Die Baugenossenschaft hat eine gültige Baugenehmigung, wir machen uns gegebenenfalls schadenersatzpflichtig, wenn wir was daran ändern“, so der Rathauschef. Von einer Verlegung der Einfahrt habe der Stadtrat „aus gutem Grund Abstand genommen“. Sollten weitere Investoren kommen, könne die Tiefgarage verlängert werden. Müller empfahl Fuhrmann, den Antrag zurückzuziehen. Da er dies nicht tat, wurde abgestimmt. Bis auf Fuhrmann votierte jeder Stadtrat dagegen.

Unterstützung für Handel und Ehrenamt

Mit zwei Anträgen startete Wolfgang Möckel in seine Amtszeit als parteifreier Stadtrat. Wie berichtet ist er kürzlich aus dem CSU-Ortsverband und der Fraktion ausgetreten. Für die Kommunalwahl 2020 bewirbt er sich um einen Listenplatz bei den Freien Wählern. Zum einen schlug Möckel vor, die regionale Kaufkraft mithilfe einer Online-Plattform zu fördern. Zunächst sollten Daten erhoben werden, um herauszufinden, ob seitens der Händler Bedarf daran besteht. 

Seit Kurzem liefert die Firma Diloma mit einem Lastenfahrrad Waren aus, die Kunden aus der Region über das Internetportal www.dahoamkaufen.de bestellen können. Mit dabei sind der Dorfladen Gelting und das Isar-Kaufhaus. Darauf verwies Rebecca Geisler, Wirtschaftsförderin der Stadt, in einer Stellungnahme. Die Kunden hätten Interesse, das Problem sei eher, dass die Händler aktiv dabei sein müssten, was nicht alle leisten könnten oder wollten. Stadträtin Sonja Frank (Freie Wähler) fasste zusammen: „Das, was der Antrag bewirken soll, wurde schon umgesetzt, hat aber nicht funktioniert.“ 

Als Kompromiss schlug CSU-Bürgermeister Michael Müller vor, die Geretsrieder Händler anzuschreiben und auf das bestehende regionale Online-Portal hinzuweisen. Damit war Möckel einverstanden und zog seinen Antrag zurück. Er habe „Schwung reinbringen“ wollen, sagte er. 

Idee einer Ehrenamtsmesse

Im Anschluss warb Möckel für eine Ehrenamtsmesse. Auch diese Idee müsse nicht gleich umgesetzt werden, sondern zunächst könnte man die Vereine anschreiben und den Bedarf ermitteln. „Als Vorstand bei den Fußballfreunden weiß ich, wie schwer es ist, Ehrenamtliche zu finden“, begründete Möckel seinen Antrag. Die Idee sei nicht neu, es spreche aber nichts dagegen, diese wiederzubeleben, sagte dazu der Rathauschef. „Wir haben früher zum Neubürgerempfang Vereine eingeladen, sich vorzustellen. Aber es war wenig erfolgreich, deswegen haben wir es wieder gelassen.“ 

Dr. Sabine Gus-Mayer schlug vor, die Vereine auf die Ehrenamtsstelle am Landratsamt hinzuweisen. Die Vereinsübersicht auf der Internetseite der Stadt wiederzubeleben, regte Sabine Lorenz (CSU) an. Sonja Frank (Freie Wähler) sah im Stadtblatt ein geeignetes Format. „Die Stadt darf sich darin präsentieren, es darf aber keine Konkurrenz zur Presse sein“, erklärte dazu der Bürgermeister. Hans Hopfner (SPD) sprach sich gegen eine zusätzliche Veranstaltung oder Ähnliches aus. „Jeder, der herzieht, hat die Möglichkeit, sich über die Vereine zu informieren.“ Mit Möckel stimmte am Ende einzig Dominik Irmer (FW) für den Antrag.

sw

Auch interessant: 

Neu überdachtes Geretsrieder Eisstadion begeistert Spieler und Fans: „Eine super Halle“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kommunalwahl 2020: Liste Wolfratshausen hat einen Bürgermeisterkandidaten
Die Liste WOR hat am Sonntagabend ihren Bürgermeisterkandidaten gewählt. Wie von vielen erwartet wirft Richard Kugler (56) seinen Hut in den Ring.
Kommunalwahl 2020: Liste Wolfratshausen hat einen Bürgermeisterkandidaten
Bayer-Baracke soll wiederbelebt werden - doch einige Fragen sind noch offen
Gute Nachrichten aus Geretsried: Die Bayern-Baracke soll wiederbelebt werden. Die Stadtverwaltung prüft jetzt die Nutzung für das Museum.
Bayer-Baracke soll wiederbelebt werden - doch einige Fragen sind noch offen
„Faszinierend, wie viel man bewirken kann“: Jugendhaus La Vida hat neuen Chef
Neuer Chef im Jugendhaus La Vida: Max Aichbichler übernimmt die Leitung von Verena Kümmel. Besonders eine Sache ist ihm bei den jugendlichen Besuchern wichtig. 
„Faszinierend, wie viel man bewirken kann“: Jugendhaus La Vida hat neuen Chef
ESC-Gegner Schweinfurt hat aufgerüstet
Fünf Mann vom abgemeldeten EC Bad Kissingen verstärken den Sonntags-Gegner der Geretsrieder River Rats.  Trainer Sebastian Wanner fordert Laufbereitschaft und …
ESC-Gegner Schweinfurt hat aufgerüstet

Kommentare