Fußballplatz FF Geretsried
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Es war einmal ein Fußballplatz: Seit Monaten ist der Rasenplatz am Robert-Schumann-Weg unbespielbar.

Land unter am Krötenteich

Darum sind die Fußball-Freunde Geretsried seit Monaten ohne Platz

  • VonRudi Stallein
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Der Fußballplatz der FF Geretsried ist längst nicht mehr bespielbar. Der Grund: Er liegt auf einer verfüllten Kiesgrube, die immer wieder nachgibt. Ein Neubau wäre teuer.

Geretsried – Der „Krötenteich“ macht seinem Namen wieder alle Ehre. Jedes Jahr im Herbst sorgt der Fußballplatz am Robert-Schumann-Weg für Ärger, weil das Gelände bei Regenwetter unbespielbar wird: Speziell die nordwestliche, stellenweise bedenklich abgesackte Platzhälfte hat dann den Charakter einer Seenlandschaft. Dass deshalb immer wieder Spiele verlegt werden müssen, daran hat man sich bei den Fußball-Freunden gewöhnt. Doch diesen Sommer kam es noch schlimmer.

Seit Monaten ist der Platz unbespielbar, die Herrenmannschaften haben noch kein einziges Heimspiel auf ihrer Anlage austragen können. Anfang Juli war der Platz durch extreme Niederschläge auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern „praktisch geflutet worden“, wie Patrick Verbaast berichtet. In den Wochen danach sei das Wasser nicht mehr abgelaufen. „Ein Spielbetrieb kann definitiv nicht stattfinden. Das soziale Leben nach Corona beginnt wieder, aber ohne die Fußball-Freunde“, sagt der Klubvorstand.

Dem Nachwuchs steht für Spiele zwar der Kunstrasen zur Verfügung – in Abstimmung mit dem Bayerischen Fußball-Verband gibt es derzeit eine Ausnahmegenehmigung, auch Spiele der A-, B- und C-Junioren auf dem Platz auszutragen, der für reguläre Verbandsspiele bekanntlich um 11,5 Meter zu kurz geraten ist (wir berichteten).

Für die Herren bedeutet die Platzmisere: Alle Heimspiele müssen verlegt werden, entweder innerhalb der Stadt ins Isar-Loisach-Stadion oder auf die Böhmwiese – wo bereits eine Partie stattfand –, oder auf die Plätze der Gegner. Beides ist unbefriedigend. „Verlegungen müssen vom Verband und vom Gegner zugestimmt werden. Das kostet superviel Zeit, Energie und Geld“, erläutert Verbaast. Auf fremden Plätzen – auch innerhalb der Stadt – gehen den Fußball-Freunden die Einnahmen durch den Kioskverkauf verloren. „Sportlich, sozial und finanziell ist das eine Katastrophe“, klagt der FFG-Chef.

Patrick Verbaast, Vorsitzender der Fußball-Freunde Geretsried

Was ihn am meisten nervt: Schon im Oktober 2020 habe er in einem Schreiben an die Stadt auf die Verschärfung des seit Jahren bekannten Problems aufmerksam gemacht. „Der Platz wurde während der Lockdowns nicht genutzt. Traurigerweise ist während der ganzen Zeit nichts passiert“, so Verbaast. „Das kann ich so nicht in Kauf nehmen.“

Denn anders als andere Vereine, die über Mitgliederschwund klagen, verzeichnen die Fußball-Freunde „einen regen Zulauf in allen Alterskategorien, vor allem im Kinder- und Jugendbereich“. In dieser Saison ist der Verein von 18 auf 22 Mannschaften gewachsen. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass wir damit auf eineinhalb Plätze angewiesen sind“, so der FFG-Chef. „Die Situation ist extrem frustrierend.“

Den Vorwurf der Untätigkeit weist Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt Geretsried zurück. „Dass seit der Meldung des Vereins nichts passiert sei, entspricht nicht den Tatsachen.“ Ganz im Gegenteil hätten sich das Städtische Bauamt, das Sportamt und auch der Bereich Liegenschaften in den vergangenen Monaten intensiv um eine Lösung bemüht (siehe Kasten). Aber: Der Fußballplatz am Robert-Schumann-Weg, der auf einer „verfüllten Kiesgrube“ errichtet worden sei, stelle die Stadt vor eine „grundsätzliche Herausforderung“.

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„Er enthält bis zu einer Tiefe von etwa vier bis acht Metern Kies, Sand, Humus und auch Bauschutt aus den damals dort abgebrochenen Bunkern“, führt Loibl aus. Es sei leider davon auszugehen, dass die Verfüllungen in jener Zeit nicht lagenweise verdichtet worden seien. „Alle heute dort auftretenden Probleme sind auf diesen Umstand zurückzuführen.“

Die Kollegen aus dem Bau- und aus dem Sportamt hätten in den vergangenen Monaten intensiv an Lösungen und Verbesserungen gearbeitet und bei Ortsbegehungen mögliche Alternativen ausgelotet. „Das Ergebnis ist zugegebenermaßen ernüchternd“, sagt der Pressesprecher. Auf den Punkt gebracht heißt das: Um die Problematik vollständig und nachhaltig in den Griff zu kriegen, bleibe am Ende nur ein Neubau. Die Kosten dafür beliefen sich nach ersten Schätzungen auf mindestens eine Million Euro. Loibl: „Das ist ein Betrag, der im städtischen Haushalt nicht ohne Weiteres abgebildet werden kann und für den es eine politische Grundsatzentscheidung braucht.“

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Um die Situation zumindest temporär zu verbessern, sei jedoch eine „Schnellhilfe-Maßnahme“ ausgeschrieben worden. Dabei sei nun ein Unternehmen gefunden worden, welches zeitnah – etwa ab Oktober – mit den Arbeiten beginne. Im nordwestlichen Bereich soll eine Fläche von 600 bis 800 Quadratmetern mit Kies befüllt und verdichtet werden. Kostenpunkt: etwa 20 000 Euro. Aber, so Loibl: „Da mittelfristig ein erneutes Absacken der Fläche zu erwarten ist, hat diese Maßnahme wie beschrieben nur Übergangscharakter.“

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