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Gutes Werk: (v. li.) Karl-Heinz Meier, Gerhart und Olga Kovacs, Diana Richter, Elisabeth Holzer, Ursula Meier und Walter Holzer vom Verschönerungsverein kümmern sich dreimal im Jahr um die 50 Armengräber auf dem Waldfriedhof.

Verschönerungsverein engagiert sich

Gartler mit Herz: Diese Geretsrieder pflegen Gräber, um die sich niemand kümmert

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Dreimal im Jahr pflegen die Frauen und Männer des Verschönerungsvereins die Armengräber auf dem Geretsrieder Waldfriedhof. Wir haben sie besucht. 

Geretsried – Das Kreuz inmitten der 50 Sozialgräber auf dem Geretsrieder Waldfriedhof fällt dem Besucher sofort ins Auge. Es ziert ein Fanschal des TSV 1860 München. „Der hängt da seit drei Jahren“, sagt Walter Holzer. Als Roland P. an dieser Stelle bestattet wurde, war die Devotionale zunächst Bestandteil eines Trauergebindes. Als das Gesteck nach und nach den Weg alles Irdischen ging, haben der 81-jährige Holzer – er war 1970 Gründungsmitglied – und seine Kollegen vom Verschönerungsverein den Schal einfach ums Kreuz drapiert. Seitdem trotz er dort Wind und Wetter. Einmal Löwe, immer Löwe.

Einmal Löwe, immer Löwe: Walter Holzer steht vor einem Grab, in dem unter anderen die Urne mit der Asche eines glühenden Sechziger-Fans ruht.

Ähnliches lässt sich über den Verschönerungsverein sagen: einmal Kümmerer, immer Kümmerer. Seit Jahr und Tag pflegt ein harter Kern der rund 120 Mitglieder die kleinen Grabstellen mit den schwarzen schmiedeeisernen Kreuzen im östlichen Teil des Friedhofs. „Dreimal im Jahr arbeiten wir dort“, sagt Ursula Mayer. Zwar ist Stadtrat Hans Ketelhut nominell der Chef der Hobbygärtner, doch operativ hält die 61-Jährige den Laden am Laufen. Sie koordiniert an diesem Tag auch den Einsatz mit acht Leuten. Nach der Frühjahrskur mit den ersten Sonnenstrahlen ist das heuer ihr zweiter Besuch: Mayer und ihre Mitstreiter machen die Ruhestätten für den Sommer fit. Im Herbst rücken sie abermals an, um die Gräber winterfest zu machen. Zwischendrin sehen die Gartler natürlich auch nach dem Rechten, zupfen Unkraut, entfernen Laub.

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Wenn der Verschönerungsverein diese Arbeiten nicht erledigen würde, wären die Gräber sich selbst überlassen. Denn in ihnen ruhen Urnen mit der Asche von Menschen, die keinen Angehörigen haben – oder keine, die sich um ihre letzte Ruhestätte kümmern können beziehungsweise wollen. Also übernehmen das die Hobbygärtner, von denen viele schon im Ruhestand sind. „Heute haben wir Erde aufgefüllt“, sagt Ursula Mayer, „noch Dünger rein, und dann pflanzen wir auf jedes Grab sieben Eisbegonien, also insgesamt 350 Stück.“ Warum Eisbegonien? „Das ist die dankbarste Blume, die hier im Schatten gedeiht.“ Später bekommen die Grabstellen noch eine neue Umrandung aus Riesel. Abgesehen von ihrer Zeit kostet der ehrenamtliche Job den Verein fast nichts. 

Einmal Gartler, immer Gartler

„Die Gärtnerei Josef Holzer stellt uns die Begonien sehr kostengünstig zur Verfügung“, sagt Mayer. 220 Euro fließen für den Rest des Materials aus der Vereinskasse dazu, doch letztere füllen Sponsoren wie die Firma Kühne und die Sparkasse mit Zuschüssen wieder auf. Auch die Zusammenarbeit mit den Friedhofs- und den Stadtgärtnern „könnte nicht besser sein“, sagt die heimliche Chefin. „Das geht Hand in Hand.“ Diese Hilfe, der Zusammenhalt und das Gesellige halten Mayer bei ihrem Verein, dem sie seit 30 Jahren angehört und der ihr „manchmal“ – sie hält ihre Hand in Stirnhöhe – „bis hier“ steht. Denn daheim hat sie selbst ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück zu versorgen.

Eine ältere, weißhaarige Dame erscheint: Elisabeth Holzer beendet ihren Einsatz für diesen Tag, verabschiedet sich von ihrem Mann und Mayer. „Ich fahr’ schon mal voraus“, sagt die drahtige Frau. „Jetzt muss ich nämlich gleich wieder den Rasen mähen.“ Einmal Gartler, immer Gartler eben. peb

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