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Pfarrvikar Thomas Neuberger (r.) über den Echo-Skandal.

Gastbeitrag

Geistlicher aus Geretsried hat nach Echo-Eklat Botschaft an Skandal-Rapper

Das Thema bewegt nicht nur die deutsche Musikszene. Zwei Rapper erhalten einen Preis. Daraufhin geben viele andere Musiker den Echo zurück. Der Vorwurf: Antisemitismus. Was ein Geistlicher dazu zu sagen hat.

Geretsried – Derzeit geistert ein Thema durch Medien und deutsche Musikszene. Zwei Rapper, beide durchaus populär, erhalten einen Preis. An sich nichts Aufsehenerregendes, bis einige etwas genauer hingeschaut und hingehört haben. Da lassen sich nämlich Liedtexte finden, die nun zum Skandal führten. Antisemitische Texte sagen die einen, schlichtweg geschmacklos meinen die anderen, und die Fans feiern die beiden einfach. Andere Preisträger und Musiker geben nun ihre Auszeichnungen zurück, weil sie sich mit diesen beiden nicht in einer Reihe nennen lassen wollen.

Kunst kennt viele Formen, kann vieles erreichen: Aufbauen, trösten, stärken, bewegen und verärgern. In diesem Fall der Rapper Kollegah und Farid Bang provoziert sie. An sich wäre ja ein gesundes Maß an Provokation nicht verkehrt. So könnte man sich Gedanken machen, sich herausgefordert fühlen, Stellung beziehen. Provokation kann eine Debatte auslösen und vielleicht aufrütteln, sich mit Themen zu beschäftigen, die lange übersehen wurden. Kurz gesagt: Eine gute Provokation kann Wege öffnen, motivieren, bewegen und verändern. Es gibt aber auch das Zuviel, das Überzogene. Das beginnt immer da, wo Provokation nicht herausfordert, sondern abschreckt. Dort, wo sie nicht Wege öffnet, sondern abstößt.

Genau an diesem Punkt sind diese beiden Musiker für viele angekommen. Mit ihren Texten wollten sie aufrütteln, denen eine Stimme geben, die zu kurz kommen, auf die hinweisen, die es schwer im Leben haben. Wer aber die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, wer sogar ein Höchstmaß an Toleranz ausreizt, der verspielt genau diese Chance, Sprachrohr für die Kleinen zu sein. So kann es nichts werden mit dem Aufrütteln. So landet man nur selbst im Abseits.

Den Blick für das öffnen, was wir haben und sind

Ich habe mir mal ein paar Lieder dieser beiden Musiker angehört. Da findet man tatsächlich viel Fragwürdiges. Und gleichzeitig auch einige Überraschungen: „Warum sehen wir Glück als Selbstverständlichkeit? Warum wenden wir uns Gott nur zu bei Unheil und Verzweiflung statt zu danken für Gesundheit oder Reichtum, warum? Warum lassen wir unsere Seele verkümmern?“

Diese Sätze stammen aus einem Lied, das nur vier Jahre zurückliegt. Eine völlig andere Botschaft. Das wäre eine Botschaft, die eher unter die Menschen gebracht werden sollte: Ganz nüchtern, ohne zu moralisieren. Den Blick für das öffnen, was wir haben und sind, danken für das, was uns geschenkt wird. Unseren Gott nicht vergessen – der uns auch nicht vergisst. Neben all dem Haben und Wollen die eigene Seele nicht verkümmern lassen und auch ihr ihre Nahrung gönnen – sei es in einem guten Buch, in der Stille oder im Gebet. Vor ein paar Jahren noch eine gute Botschaft und heute der Skandal. Ein gutes Beispiel für die Gratwanderung von Kunst zwischen Langeweile und Provokation, zwischen aufrüttelnder Botschaft und völliger Entgleisung. Es ist eben doch ein Kreuz mit der Kunst.

Ein Gastbeitrag von Pfarrvikar Thomas Neuberger, Geretsrieder Stadtkirche.

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