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Vorsicht, heiß: Metallgestalter Michael Ertlmeier (li.) und sein Mitarbeiter Lorenz Freiseisen führten in der historischen Huf- und Wagenschmiede ihr Handwerk vor.

Allen widrigen Umständen zum Trotz

Gelting feiert ein gelungenes Dorffest

Die Geltinger haben sich auch vom nasskalten Wetter den Spaß an ihrem Dorffest nicht verderben lassen. Die alte Schmiede und die Kirche zogen wieder viele Besucher an.

Gelting – Die Geltinger haben aus der Not eine Tugend gemacht. Weil der Dorfladen aus personellen Gründen heuer die Organisation des Dorffests nicht mehr stemmen konnte, sprangen die örtlichen Vereine ein. „Dieser Zusammenhalt ist eine Schau“, sagte Franz Wirtensohn, der das Ganze eingefädelt hatte, am Sonntag zufrieden. Mehrmals hatten sich die Vorsitzenden der Brauchtumsgruppe, des Spielmannszugs, des Sportvereins, der Veteranen, Schützen, Burschen und weiterer Vereine bei Wirtensohn auf dem Zenz’n-Hof getroffen, um das Fest vorzubereiten.

Am Samstag bauten sie das Zelt für 300 Besucher sowie die Essens- und Getränkestände auf. Sogar Bürgermeister Michael Müller, seit seiner Heirat mit Alter-Wirth-Chefin Daniela Schmidmaier ein halber Geltinger, schleppte am Sonntagmorgen Biertischgarnituren und half seiner Frau, deren Schnitzel- und Pommesbude einzurichten. Alle seien bemüht, das Beste aus dem verregneten Tag zu machen, lobte Müller die Veranstalter.

Bis auf das Ponyreiten und die Hüpfburg zogen diese ihr Programm durch. Und die Geltinger kamen treu, wenn auch nicht in Scharen wie zu vergangenen Dorffesten bei schönem Wetter. Teilweise behalf man sich recht einfallsreich. Der Spielmannszug hatte ein großes Brett an einem Traktorkran befestigt, um den Steckerlfisch-Grill zu überdachen. Dort stand Andreas Thoma, um die Schmankerl zuzubereiten. Wolfgang Wenus und weitere Mitglieder übernahmen im Wechsel die Fleischbraterei und den Verkauf. Der Burschenverein schenkte Reutberger Bier aus, das Dorfladen-Team beteiligte sich mit Kaffee und Kuchen. Gabi Lembke schminkte Kindergesichter im Laden und die Argeter Buam sorgten mit Blasmusik für gute Laune. „Uns gefällt es“, sagte Besucherin Manuela Palik, während ihre vierjährige Tochter Marlene eine Einhorn-Bemalung bekam. Sie sei mit ihren beiden Kindern schon auf dem Turm der Kirche St. Benedikt gewesen und wolle noch die Alte Schmiede besuchen.

Ein schöner Tag für Groß und Klein: Zwar fielen Hüpfburg und Ponyreiten wegen des schlechten Wetters aus, doch auch so hatten die Kinder ihren Spaß.

Denn das Dorffest fand wie jedes Jahr zeitgleich mit dem Tag des offenen Denkmals statt. Durch die zwischen 1631 und 1649 erbaute Barockkirche St. Benedikt führte Wilfried Bahnmüller. Dass sie heute ein echtes Schmuckstück ist, verdankt sie der breiten Unterstützung der Geltinger. Sie spendeten fleißig für die Innen- und Außenrenovierungen 2002 und 2012 und legten selbst mit Hand an. Wer sich traute, bestieg am Sonntag den Kirchturm, von dem aus man einen herrlichen Blick über den Ort hatte. Die letzten Holzstufen bis zum Geläut erforderten allerdings Schwindelfreiheit.

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In der Dorfschmiede gleich nebenan demonstrierten Metallgestalter Michael Ertlmeier aus Ascholding und sein Mitarbeiter Lorenz Freiseisen aus Waldram das Jahrhunderte alte Handwerk. In der Esse ließ Ertlmeier Eisenstangen heiß werden und bearbeitete sie anschließend mit dem Hammer auf dem Amboss. Zur Originaleinrichtung gehört außerdem noch ein mit dem Fuß betriebener Blasebalg zu Lüftungszwecken. Der Meister formte hübsche Rankhilfen für Blumen aus den Stangen und, als Dankeschön der Vereine an Landwirt Franz Wirtensohn, eine kleine Heugabel zur Zierde von dessen Zenz’n Alm. Vor allem die Kinder schauten dem Schmied fasziniert bei der Arbeit zu.

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Die Huf- und Wagenschmiede besteht seit 1671. Sie hat mehrere Betreiber im Laufe der Jahrhunderte gesehen. 2001 übernahm die Stadt das historische Gemäuer und ließ es herrichten. Ertlmeier bedauerte, dass es fast nur am Tag des Denkmals geöffnet sei. Er habe einmal für eine Hochzeitsgesellschaft nach der kirchlichen Trauung Herzen und Tauben geschmiedet, das sei sehr gut angekommen. „Das Gebäude ist so schön und einmalig, das gehört viel öfter genutzt“, meinte der Ascholdinger. Tanja Lühr

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