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Beeindruckende Konstruktion: Die Geretsrieder Firma Lehmann baut das Stahlgerüst, das das Dach über dem Passionsspiel-Ort Sömmersdorf trägt.

Lehmann hat den Bogen raus

Geretsrieder Unternehmen baut Mega-Dach für Passionsspiele in Unterfranken

Das unterfränkische Sömmersdorf richtet alle fünf Jahre eines der größten Passionsspiele nach Oberammergau aus. Heuer können die Zuschauer dabei erstmals unter einem Dach sitzen. Gebaut hat die über zwei Millionen Euro teure Stahlträgerkonstruktion das GeretsriederUnternehmen Lehmann.

Geretsried – Bisher waren die Kulturliebhaber in Sömmersdorf durch große Trichterschirme über der Zuschauertribüne vor Regen geschützt. Bei der Premiere der kommenden Passionsspiele am 24. Juni werden sie unter einer durchgängigen, 11,6 Meter hohen und rund 50 mal 50 Meter großen Kuppel Platz finden. Für das Stahlgerüst zeichnet die Firma Heinz Lehman aus Geretsried verantwortlich. Die Münchner Firma Velabran, die die wind- und wetterfeste Kunststoffplane darüber befestigen wird, hatte sich die Geretsrieder mit ins Boot geholt. „Wir haben schon vier erfolgreiche Projekte miteinander durchgeführt. Dieses ist aber eindeutig das größte“, sagt Heinz Lehmann.

Auf mächtige, 6,5 Tonnen schwere Stahl-Fußpunkte haben seine Mitarbeiter vor Ort die zwei fachwerkartigen, gegenläufig geneigten Bogenbinderpaare quer über den Platz gespannt. Knapp 50 Meter werden sich diese frei über den Zuschauerraum wölben, so dass keine störenden Säulen den Blick auf die Freilichtbühne versperren. Zwölf Fachwerkträger werden längs darin eingebunden. Mit Hilfe eines 100-Tonnen-Krans fügen die Monteure die Elemente, die teils mit Spezialtransportern aus Geretsried angeliefert wurden, aneinander. „Insgesamt stecken 165 Tonnen Stahl in der Konstruktion, drei Tonnen Schrauben wurden bisher verwendet“, sagt Lehmann.

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Heinz Lehmann: Chef der gleichnamigen Firma.

Seine Männer arbeiten auf Hochtouren. Denn bis zum 24. Juni muss alles fertig sein. Sechs von Lehmanns 25 Mitarbeitern sind seit April täglich in Sömmersdorf zu Gange. Über 9000 Arbeitsstunden inklusive Planung hat das Unternehmen bereits in das Projekt gesteckt. Lehmanns Sohn Michael hat die komplizierten Verbindungen zwischen den Stahlteilen ausgetüftelt. „So ein Auftrag ist natürlich schon eine Riesenherausforderung und auch eine Riesenverantwortung für uns“, sagt Heinz Lehmann. Er gesteht, gerade in der Anfangsphase einige schlaflose Nächte gehabt zu haben. Doch ein Statikbüro aus Schweinfurt, ein Prüfstatiker – jener, der auch das Dach des riesigen Berliner Olympiastadions geprüft hat – und der betriebseigene Statiker der Firma Lehmann hätten die Konstruktion berechnet und seien dabei auf Nummer sicher gegangen.

Das Medieninteresse an der insgesamt 2,7 Millionen Euro teuren Überdachung samt neuer Ton- und Videotechnik ist groß. „Unsere Monteure wurden von Presse und Fernsehen interviewt und mit einer Drohne bei der Arbeit gefilmt“, erzählt Lehmann. Er ist stolz auf sein Team, das trotz des Rummels und unter dem enormen Zeitdruck stets die Ruhe bewahre.

„Dadurch kommt man an interessante Orte“

Der 1994 gegründete mittelständische Betrieb hat sich in der Vergangenheit auf technisch aufwendige Lösungen spezialisiert. Sonderprojekte und -konstruktionen sind für Lehmann Stahlbau an der Gustav-Adolf-Straße keine Ausnahmen. „Dadurch kommt man an interessante Orte. Zum Beispiel haben wir bei der Sanierung der Klosterbibliothek in Ottobeuren mitgewirkt“, berichtet der Firmenchef. Er bedauert, bei der Premiere der Passionsspiele aus Termingründen selbst nicht dabei sein zu können.

Die Passion zählt, ähnlich wie die in Oberammergau, zu den Veranstaltungshöhepunkten in der Region. Mehr als 300 der rund 700 Sömmersdorfer Bürger wirken mit. Eine der weiteren Aufführungen will sich Heinz Lehmann auf jeden Fall ansehen. Der Blick wird dabei sicher das ein oder andere Mal vom Geschehen auf Bühne nach oben zu „seinem“ Dach wandern. 

Tanja Lühr

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