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Gericht

Gericht spricht Geretsrieder vom Vorwurf der Körperverletzung frei

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Wegen Körperverletzung stand ein Geretsrieder (25) vor Gericht. Der Vorwurf: Er habe einen Rentner geschlagen, als der ihn auf die Leinenpflicht seines Hundes hinwies. Doch der Fall nahm eine unerwartete Wendung. 

Geretsried – Ein Rentner geht im Juni vergangenen Jahres am Isardamm spazieren. Dort weist er einen Hundehalter wegen dessen freilaufenden Schäferhunds auf die Leinenpflicht hin. Der Hundebesitzer schlägt ihm daraufhin mit der Faust gegen den Kehlkopf. Der Geretsrieder, Jahrgang 1946, geht zu Boden, der Täter macht sich davon.

So stand es in der Anklageschrift, der Vorwurf: Körperverletzung. Doch von einem Geständnis war der Angeklagte, ein Geretsrieder (25) weit entfernt. „Ich kann mir das alles nicht erklären. Das war nicht ich. Das Opfer habe ich vorhin zum ersten Mal gesehen“, sagte der gebürtige Starnberger. „Das ist für mich ein schlechter Traum.“

„Das ist für mich ein schlechter Traum.“

Der Rentner hatte Folgendes in Erinnerung: „Ich bin gegen 13 Uhr die Isar runter und habe gesehen, wie der Angeklagte dort mit seinem Hund steht. Das Tier lief auf mich zu, hat die Zähne gefletscht und gebellt.“ Nach dem Hinweis auf die Leinenpflicht sei er seines Weges gegangen, so der Rentner. „Da habe ich bemerkt: Da läuft mir doch jemand nach – dann kam schon der Schlag.“ Der Geretsrieder ließ sich in der Kreisklinik untersuchen, Verletzungen wurden dort nicht diagnostiziert.

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Als er am frühen Abend wieder nach Hause kam, habe er den Hundehalter auf einer Parkbank sitzen sehen: „Das habe ich gleich fotografiert.“ Die Aufnahmen übergab der Rentner der Polizei.

Das brachte den Angeklagten in Rage. „Das habe ich nicht mitbekommen. Die Aufnahme wurde gegen meinen Willen gemacht“, empörte er sich. Das Foto hing in der Geretsrieder Polizeidienststelle aus, bis ein Beamter den darauf Abgebildeten erkannte. Daraufhin wurde überprüft, ob der 25-Jährige einen Hund besitzt – das Ergebnis war negativ.

Angeklagter besitzt gar keinen Hund

„Ich habe wirklich keinerlei Bezug zu Hunden. Nicht mal jemand von meinen Freunden hat einen“, beteuerte der gelernte Verkäufer. Er arbeitet seit knapp zwei Jahren nachts an einer Tankstelle. „Natürlich gehe ich mal am Isardamm spazieren, aber nicht mittags um diese Uhrzeit“, stellte er fest.

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Seine Aussage bestätigte die Auswertung seines Smartphones: Am Tattag bekam der Geretsrieder um kurz nach 15 Uhr von einem Bekannten eine Sprachnachricht. Die riss ihn offenbar aus dem Schlaf: „Bin gerade erst aufgewacht“, brummelte er als Antwort – ebenfalls per Sprachnachricht dokumentiert.

Richter stößt auf weitere Ungereimtheiten

Im Laufe der Verhandlung stieß Amtsrichter Helmut Berger auf weitere Ungereimtheiten: Laut der Beschreibung des Rentners handelt es sich beim Täter um einen etwa 1,70 Meter großen Mann mit schwarzen „geschneckelten“ Haaren, der mit bayerischem Dialekt spricht. Der Angeklagte misst hingegen 1,80 Meter und redet hochdeutsch. Er hat zwar dunkle Haare, „aber die sind weder schwarz noch ,geschneckelt‘“, konstatierte Berger.

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Der Verteidiger beantragte Freispruch für seinen Mandanten. Richter Berger sah es nicht anders: „Wir können den Tatnachweis nicht führen.“ Im Zusammenhang mit dem Vorfall und der Aufregung des Opfers sei es wohl zu Missverständnissen gekommen. „Den Vorfall hat es zwar gegeben, aber Sie waren nicht der Täter“, entließ Berger den angeblichen Schläger. 

kof

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