Gott und die Welt 

Warum es schön ist, den Kontakt zur Kirche nicht abreißen zu lassen

In der neuen Folge der Reihe „Gott und die Welt“ denkt Pastoralreferent Dr. Manfred Waltl aus Geretsried über Hochfest-Kirchgänger nach.

Geretsried – Es sind vor allem zwei Feste im Jahreslauf, an denen die Kirchen üblicherweise sehr gut gefüllt sind: Weihnachten und Ostern. Gerade hier haben viele Menschen das Gefühl, dass ihrem Leben ganz ohne Gott, ohne Religion und Kirchenbesuch doch etwas Wichtiges fehlt.

Einige von den treuen Kirchenbesuchern hört man an diesen Tagen kritisch fragen, was denn all diese Leute heute bei uns wollen, die man ansonsten doch auch nie in der Kirche sieht. Auch manchen, von ansonsten weit weniger vollen Kirchenbänken gefrusteten Prediger soll dies schon dazu verleitet haben, gerade denen die Leviten zu lesen, die nach Wochen oder Monaten mal wieder den Weg in die Kirche gefunden haben. Dabei hätten sie doch Zuspruch und Ermutigung gebraucht, nicht Vorwürfe und Kritik.

Ein „halbvolles Glas“ ist nicht zu verachten

Dr. Manfred Waltl: Katholischer Pastoralreferent in Geretsried

Nun bin ich mir sicher, dass ihnen das bei uns in Geretsried schon lange nicht mehr passiert ist. Ich könnte es auch nicht verstehen. Zwar finde ich schon, dass eine gelebte Regelmäßigkeit der eigenen Gottesbeziehung guttut, aber wer bin ich, das eigene Empfinden zum Maßstab für alle zu machen? Ist nicht auch das Gefühl, Gott an bestimmten Tagen im Jahr oder zu bestimmten biografischen Anlässen wie Taufe, Hochzeit oder auch im plötzlich eintretenden Trauerfall zu brauchen, etwas ganz Wertvolles, das Respekt und Ermutigung verdient? Es mag nicht der Gipfel des christlichen Glaubenslebens sein, aber ich finde ebenso in anderen Zusammenhängen, dass auch ein „halbvolles Glas“ nicht zu verachten ist – wenn der Inhalt stimmt. Ich freue mich jedenfalls über jeden, der solche Anlässe nutzt, um für sich oder seine Kinder den Kontakt zur Kirche nicht abreißen zu lassen.

Vielleicht, wenn es denn eine positive Erfahrung war, könnte dies ja auch der Beginn einer neuen und wunderbaren Freundschaft sein. Wenn nicht – auch gut! Hauptsache, wir bleiben in Kontakt. Oder besser gesagt: Sie bleiben in Kontakt – mit Gott! Jedenfalls schön, dass Sie bei uns waren, in der Osternacht, in der Kinderliturgie oder in der festlichen Chormesse. Vielleicht auch an den vergangenen (und künftigen) Weihnachtstagen, bei der Erstkommunion Ihrer Kinder oder beim Trauergottesdienst für einen nahen Angehörigen. Seien Sie herzlich willkommen! Und wenn es Ihnen gutgetan hat, dann beehren Sie uns doch bald einmal wieder!

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