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„Das stammt noch von unserer Großmutter“: Erinnerungsstücke aus Graslitz haben Anneliese Zelfel (re.) und ihre Schwester Ursula Schilling zum Stammtisch mitgebracht.

Graslitzer Stammtisch

Erinnerungen an die Ankunft vor 70 Jahren

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Geretsried - Alle zwei Monate treffen sich etwa 25 Senioren im Gasthof Geiger zum Graslitzer Stammtisch. Bei Kaffee und Kuchen werden Erinnerungen wach, an früher, an ihre Kindheit und Jugend.

Geboren sind sie in Graslitz. Zu ihrer Heimat wurde Geretsried. Alle zwei Monate treffen sich etwa 25 Senioren im Gasthof Geiger zum Stammtisch. Bei Kaffee und Kuchen erinnern sich die Frauen und Männer an früher, an ihre Kindheit und Jugend, die sie zum Teil im Barackenlager auf der Böhmwiese verbracht haben. Sie blättern in Ausgaben des „Graslitzer Heimatbriefs“ und in den „Graslitzer Nachrichten“. Sie erzählen und lachen viel.

Heuer jährt sich die Ankunft der ersten Heimatvertriebenen zum 70. Mal. Es war der 7. April 1946, als 554 Männer, Frauen und Kinder, eingepfercht in Viehwaggons und erschöpft von der langen Reise, vor dem Lager Buchberg ankamen. Einige Stammtischgäste und der Initiator der Runde, Werner Sebb, gehörten diesem Transport aus Graslitz im Egerland an. Ein paar können sich noch gut an den Tag der Ankunft – es war ein Sonntag – erinnern. „Der Zug blieb vor dem heutigen Rathaus stehen, die Türen öffneten sich, und wir waren entsetzt“, berichtet Sebb, der damals sechs Jahre alt war. „In der Ferne sahen wir das Barackenlager, das in einem erbärmlichen Zustand war und unsere neue Wohnstätte werden sollte.“

Anneliese Zelfel war zu jung, um sich an die Geschehnisse von damals zu erinnern. Sie war eineinhalb Jahre alt, ihre Schwester Ursula Schilling kam erst nach der Vertreibung zur Welt. Zum ersten Stammtisch in diesem Jahr haben die Schwestern Teile eines Services mitgebracht: ein Kännchen für Milch, eines für Sahne, eine Zuckerdose und eine Sauciere. „Das stammt noch von unserer Großmutter“, sagt Schilling. Die Erbstücke werden vermutlich in einer Sonderausstellung zu sehen sein, die der Arbeitskreis Historisches Geretsried in Zusammenarbeit mit der Stadt organisiert. Eröffnet werden soll sie am 7. April im Rahmen einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag.

Am Stammtisch erzählen sich die Senioren vor allem Anekdoten aus ihrer Jugend und kleine Streiche, die sie miteinander ausgeheckt haben. Den Erinnerungen auf die Sprünge hilft der „Sprachkurs“ von Anton Fischer. Der 85-Jährige liest Wörter in Egerländer Mundart vor und erklärt sie auf Hochdeutsch. So steht „Hetschabetsch“ für Hagebuttenmarmelade, ein „Haberl“ ist eine kleine Ziege.

Nach gut zwei Stunden löst sich die Runde auf. Man verabschiedet sich, und freut sich auf das nächste Wiedersehen.

nej

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