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Auf die Plätze, fertig, los: Sechs Kinder springen nach dem Holzkreuz, das Erzpriester Apostolos Malamoussis ins Wasser wirft. Schnellster Schwimmer ist an diesem Tag Alexandros Haralampidis. Bei den Erwachsenen gewinnt Efthymios Bellos.

Griechen feiern Gewässerweihe im Geretsrieder Hallenbad

Ein Kruzifix im Schwimmbecken

Geretsried - Zu einer schönen Tradition geworden ist die Gewässersegnung der Griechischen Gemeinde im Hallenbad. Sie fand am Samstag zum vierten Mal statt. Beim anschließenden Neujahrsfest im Isarau-Saal hatten die Griechen drei Bitten und ein Versprechen an die Stadt.

In München fand die Gewässerweihe durch die Griechen bereits am Dreikönigstag an der Isar statt. Am gestrigen Sonntag war die Donau in Regensburg an der Reihe. Im Juli soll noch der Chiemsee folgen. Zwischen all diesen berühmten Orten: das Geretsrieder Hallenbad. Der für Bayern zuständige Bischöfliche Vikar der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, Apostolos Malamoussis, segnete es am Samstag im Beisein von zahlreichen Ehrengästen und rund 80 Besuchern.

Vize-Bürgermeister Hans Hopfner sagte im Namen der Stadt, er sei stolz auf diese Veranstaltung „in unserem altehrwürdigen Hallenbad“. Im Hinblick auf den geplanten Bau eines interkommunalen Bads, für das der Auftrag immer noch nicht vergeben ist, äußerte er den Wunsch: „Möge der Segen der Geistlichkeit dem jetzigen Bad helfen, noch eine Weile durchzuhalten, denn das wird es wohl müssen.“

Gewässersegnung der Griechischen Gemeinde im Hallenbad

Die griechischen Priester Apostolos Malamoussis, Plutarchos Kostantinidis, Georgios Siomos und Georgios Vletsis sowie die Geretsrieder Pfarrer Georg März (katholisch), Dr. Theo Heckel (evangelisch) und Christoph Schirmacher (Baptisten) hatten zuvor in einer ökumenischen Zeremonie den Segen Gottes sowohl für das Badewasser im Becken als auch für das Geretsrieder Trinkwasser erbeten. Nach alter hellenischer Sitte sprangen anschließend nacheinander je sechs junge Erwachsene und sechs Kinder vom Beckenrand ins Wasser, um ein geweihtes Holzkreuz herauszuholen. Wer es als erster erreichte, küsste es und brachte es Erzpriester Malamoussis.

Auch der Polizeipräsident war zu Gast

Erstmals wohnten dem Ritual der Polizeipräsident für Oberbayern Süd, Robert Kopp, und der stellvertretende Landeshauptmann der Bayerischen Gebirgsschützen, Martin Haberfellner, bei. Die beiden Männer sind mit dem Erzpriester befreundet, weshalb er sie eingeladen hatte. Kopp sagte später beim Neujahrsfest in der Isarau-Gaststätte, die Griechische Gemeinde sei ein Musterbeispiel für Integration, „ein Vorbild dafür, wie es gelingen kann, dass Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern gut zusammenleben“. Angesichts der Flüchtlingszuwanderung rief Pfarrer März dazu auf, gemeinsam „christliches Profil“ zu zeigen.

Der Vorsitzende der Griechischen Gemeinde, Evangelos Karassakalidis, wandte sich mit drei Bitten an die Stadt. Erstens wünscht er sich, dass der Neue Platz im nächsten Jahr an Weihnachten genau so schön geschmückt und beleuchtet wird wie Egerlandstraße und Karl-Lederer-Platz. Zweitens möchte er den Wochenmarkt, der früher immer donnerstags auf dem Neuen Platz stattfand, wieder einführen. Am Neuen Platz befinden sich der griechische Feinkostladen Christos und das Stammlokal der Griechen „Ammos“. Viele Landsleute wohnen in dem Viertel.

Griechen spenden 700 Euro zur Rettung der Brunnenfigur

Mit einer Spendenzusage verband Karassakalidis sein drittes Anliegen: Die von Unbekannten zerstörte Brunnenfigur am Karl-Lederer-Platz soll wiederhergestellt oder ersetzt werden. Die Griechische Gemeinde will zu diesem Zweck 700 Euro spenden.

Nach den Reden und der Segnung der zwölf von den griechischen Frauen gebackenen Vasilopitas stand deren Genuss nichts mehr im Wege. Die Vasilopita ist ein lockerer Hefeteigkuchen, der ein wenig nach Zitrone schmeckt und eine köstliche Sesamkruste besitzt. Einem Jahrhunderte alten Brauch zufolge hat derjenige im Neuen Jahr Glück, der eine Münze in seinem Kuchenstück findet. Die eingebackene Ein-Cent-Münze steht für die Kirche. Michalis Gitzis war der Glückspilz, der sie entdeckte und im Tausch dafür von Apostolos Malamoussis ein Kreuz als Geschenk erhielt. Die Zwei-Cent-Münze als Symbol für weltliches Glück blieb diesmal verschwunden. Vielleicht fiel sie auf den Boden oder wurde versehentlich verschluckt. Ihr Finder hätte eigentlich eine wertvolle Goldmünze von der Griechischen Gemeinde bekommen. Die Münze soll nun der Griechisch-Orthodoxen Kirche gespendet werden.

Tanja Lühr

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