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Die Fichtenschänke gab es nur sieben Jahre - doch die waren sehr erfolgreich

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Von: Doris Schmid

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Mit der Kutsche in die Fichtenschänke in Geretsried, historische Aufnahme
Mit der Kutsche ins Gasthaus: Auch Hochzeitsfeiern fanden in der Wirtschaft statt. © privat

In der Serie „Historische Wirtshäuser“ stellen wir ehemalige Geretsrieder Gaststätten vor. Heute: die Fichtenschänke am Fichtenweg.

Geretsried – Maria Hirsch war Wirtin mit Leib und Seele. Doch leider mussten sie und ihr Mann Erwin die Fichtenschänke aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Fast acht Jahre hatten sie die Geretsrieder Gastronomie bereichert. Angefangen hatte alles mit einem Café, das das Ehepaar im März 1963 eröffnete. Und zwar nicht in einem ehemaligen Bunker, sondern in einem neu gebauten Haus am Fichtenweg.

„Die Idee dazu kam von mir“, verrät Maria Hirsch (79) unserer Zeitung. „Mein Vater hatte im Allgäu eine Gaststätte und Landwirtschaft. Wahrscheinlich lag mir das im Blut.“ Kuchen und Torten backte die Wirtin selbst. Weil die Resonanz so gut war, wurde angebaut, und das Café verwandelte sich in eine richtige Gaststätte. „Wir haben 100 Leute bewirten können“, sagt Maria Hirsch stolz.

Kochen und Backen habe ihr schon immer viel Spaß gemacht. Kein Wunder also, dass die Gastronomin selbst am Herd stand. Maria Hirsch war in Königsdorf aufgewachsen, die Küche dementsprechend bayerisch. Auf der Speisekarte standen sechs, sieben Gerichte, dazu diverse Schnitzel und Brotzeiten. Manchmal gab es zudem Hendl „wie beim Wiener Wald“. Da stand der Wirt persönlich am Grill. Sehr beliebt sei unter den Gästen auch das Schaschlik gewesen.

Ehemalige Wirtsleute Maria und Erwin Hirsch
Ein fesches Paar: Die ehemaligen Wirtsleute Maria und Erwin Hirsch. Das Foto dürfte Ende der 1990er-Jahre entstanden sein. © Privat

Ausgeschenkt wurde Bier der Spatenbrauerei. „Die Fässer angezapft hat immer mein Mann, die musste er vom Kühlraum im Keller rauftragen“, erzählt Maria Hirsch. „Für die Reinigung der Zapfenlager war auch mein Mann zuständig, er hat dafür gesorgt, dass stets gepflegtes frisches Spatenbier zu Ausschank kam.“

Ihr Gatte Erwin, gebürtiger Schlesier, war als selbstständiger Schlosser später im Stahlbau tätig. Er unterstützte seine Frau nach der Arbeit und am Wochenende. „Er hat sehr viel beigetragen.“ So wie eigentlich die ganze Familie: Maria Hirschs Mutter, ihre Schwester und ihre Schwägerin halfen beim Bedienen mit. „Es war ein großer Zusammenhalt in unserer Familie da.“ Auch auf einem Sommerfest in Geretsried warendie Frauen der Familie als Bedienungen im Einsatz. „Es war so kalt, dass wir den Gästen nicht nur Bier brachten, sondern auch mit der Schnapsflasche zum Tisch gingen und ausschenkten“, erzählt Hirsch. „Das wurde gerne angenommen.“

Gaststube der Fichtenschänke
Hell und freundlich: die Gaststube der Fichtenschänke. Das Bild zeigt den Anbau, den die Wirtsleute aufgrund der großen Nachfrage errichteten. © privat

Geöffnet war die Fichtenschänke von 10 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts. Maria Hirsch: „Das war früher so, man musste viel arbeiten.“ Jeden Tag begrüßte sie ihre Stammgäste, die nach der Arbeit auf ein oder zwei Bier vorbeischauten. Am Wochenende kamen die Familienväter mit Frau und Kind. Freitags traf sich in der Fichtenschänke die Schafkopfrunde. Gekartelt wurde oft bis spät in die Nacht. In der Adventszeit hat die Geretsriederin „nach Küchenschluss für die Familie Platzl gebacken. Und wenn schon welche fertig waren, habe ich den Stammtischgästen jeweils einen Teller voller „Guatl‘, wie man in Bayern sagt, rausgebracht.“

Samstags kehrte nach einem Kinobesuch am Abend gerne eine Gruppe Heranwachsender bei ihr ein. „Das waren so nette Jugendliche“, schwärmt Maria Hirsch noch heute. Ehrensache, dass sie für die jungen Leute noch einen Zwiebelrostbraten zauberte: „Von der Rinderlende, fast durch, aber schön mit Soße. Dazu Zwiebeln, braun und knusprig aus der Fritteuse, Bratkartoffeln und Salat.“ Maria Hirsch hat ihre Gäste in guter Erinnerung behalten. „Bei uns sind viele Geschäftsleute aus Geretsried eingekehrt, aber auch Königsdorfer waren bei uns zum Essen. Und natürlich Bürgermeister Karl Lederer mit Gefolge“, sagt die Seniorin mit einem Lächeln.

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Große Feste fanden in der Fichtenschänke ebenfalls statt. „Wir haben viele Hochzeiten gehabt“, sagt Maria Hirsch. Einmal fuhren sogar zwei Kutschen vor. Zur Stadterhebung 1970 bewirtete das Lokal eine Kapelle aus Südtirol. Blasmusik war öfters aus dem Fichtenweg zu hören. „Es gab Gartenfeste mit der Königsdorfer Blasmusik und Veranstaltungen mit Musikkapellen aus Tegernsee und Gmund.“

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Ende 1970 mussten die Wirtsleute das Lokal aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. „Ich bin krank geworden“, erklärt die Geretsriederin. Die Gasträume wurden zu Wohnungen umgebaut, und Maria Hirsch unterstützte ihren Mann fortan im Büro. „Es war anstrengend und viel Arbeit“, blickt die 79-Jährige zurück. „Aber ich habe es gern gemacht, weil ich einfach Menschen mag.“

Serie
In unserer Serie „Historische Wirtshäuser“ stellen wir in loser Reihenfolge ehemalige Geretsrieder Gaststätten vor. Wer Infos und Fotos beisteuern kann, meldet sich per E-Mail an redaktion@isar-loisachbote.de.

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