Die B11 zwischen Waldram und dem Autobahnzubringer.
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Enorm: Der Verkehr auf der B11 zwischen Waldram und dem Autobahnzubringer ist überdurchschnittlich hoch. Pro Tag werden dort im Durchschnitt 37 000 Fahrzeuge gezählt. 

Vom Kreisel bis zur Autobahn

Geretsried: Gutachten zur B11-Verlegung ist fertig – So wird sich der Verkehr entwickeln

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Die Expertise zur Verlegung der B11 belegt, was viele Bürger befürchten: Der Verkehr auf der jetzt schon hoch frequentierten Straße wird weiterhin stark zunehmen.

  • Die B11-Verlegung im Bereich Geretsried ist Teil des Bundesverkehrswegeplans
  • Die Baukosten von geschätzt 17,7 Millionen Euro trägt der Bund
  • Ein Gutachten zeigt, dass die Verkehrsbelastung auch an anderer Stelle hoch ist und weiter zunehmen wird

Geretsried – Die Verlegung der B11 ist ein großes Thema. Wie groß es ist, sieht man daran, wie lange es gedauert hat, ein entsprechendes Gutachten fertigzustellen. 2018 und 2019 wurden dafür umfangreiche Daten erhoben. Im November 2020 präsentierte das Staatliche Bauamt Weilheim die Expertise den Städten Geretsried und Wolfratshausen. Sie belegt, was viele Bürger im Landkreisnorden befürchten: Der Verkehr auf der jetzt schon hoch frequentieren B11 wird weiterhin stark zunehmen.

Die B11 und ihre geplante Verlegung

Manfred Herda, Chef des Staatlichen Bauamts, berichtet, dass die Stadt Geretsried bereits vor einigen Jahren einen Vorentwurf zur Verlegung der B11 an den Schwaigwaller Hang erstellt hat. Dann kam 2016 die gute Nachricht: Das Projekt wurde in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen. Die Baukosten für die insgesamt 2,5 Kilometer lange Strecke vom Kreisel bis zur Einmündung Geretsried-Nord wurden damals auf 17,7 Millionen Euro geschätzt. Sie trägt der Bund.

Grundlage für das Gutachten

Der Vorentwurf der Stadt Geretsried wanderte nicht in den Mülleimer, sondern wurde dem Staatlichen Bauamt zur Verfügung gestellt. „Wir haben ihn übernommen und entwickeln ihn, so weit es geht, weiter“, sagt der Leiter der Behörde. Doch bevor das in Angriff genommen wird, sollte herausgefunden werden, wie sich der Gesamtraum Geretsried-Wolfratshausen in den nächsten Jahren verkehrlich entwickelt. Miteinbezogen in die Untersuchung wurden laut Herda auch der Bereich B11 nördlich von Geretsried über Waldram inklusive Autobahnzubringer B11a sowie die beiden Stadtgebiete.

Einflüsse auf die Verkehrsentwicklung

Es gibt viele Faktoren, die sich auf die Entwicklung des Verkehrs auswirken werden. So prognostizieren die Experten zunächst eine allgemeine Zunahme. Dafür sprechen die Zahlen aus den jüngsten Erhebungen. So sei der Verkehr von 2015 zu 2018, 2019 schon sehr deutlich angestiegen, so Herda. Ein Beispiel: Am meisten Verkehr fließe zwischen dem Anschluss des Wolfratshauser Ortsteils Waldram und der Einmündung in die B11a. „Pro Tag gibt es dort im Durchschnitt ein Verkehrsaufkommen von 37 000 Fahrzeugen.“ 2015 wurden an der gleichen Stelle 30 500 Fahrzeuge gezählt. Der Behördenleiter: „Die durchschnittliche Verkehrsbelastung auf Bundesstraßen in Bayern liegt bei etwa 10 000 Fahrzeugen.“ Auch die Entwicklung der Einwohnerzahlen, „die ja gerade für die Stadt Geretsried für 2035 einen relativ deutlichen Anstieg erwarten lässt“, müsse berücksichtigt werden. Außerdem spiele der zu erwartende Ausbau des Gewerbegebiets Gelting eine Rolle – und natürlich die geplante S-Bahn-Verlängerung mit ihren drei zusätzlichen Haltestellen, den entsprechenden Park & Ride-Plätzen samt Verkehrsbewegungen.

Das Gutachten und der Vorentwurf

Die Erkenntnisse aus dem Gutachten stellen die Verkehrsplaner vor Herausforderungen. „Ist die Planung, die die Stadt aufgestellt hat, leistungsfähig genug, das entsprechend abzuwickeln?“ Derzeit stehen in der Planung höhengleiche Lösungen wie ein Kreisverkehr oder eine Lichtsignalanlage für die Anschlüsse des S-Bahn-Haltepunkts auf der Böhmwiese. Doch die Grenze der Leistungsfähigkeit sei hier schnell erreicht, schätzt Herda. „Und wie sieht’s im gesamten Raum aus, wenn wir auch noch die B11a betrachten“, meint Herda. „Oben ist der Zubringer noch dreispurig, weiter unten wird er zweispurig.“ Und auf dem Zubringer sei „ein Verkehr von über 30 000 Fahrzeugen drauf“.

Nächster Schritt: Die Voruntersuchung

Das Staatliche Bauamt möchte in einem nächsten Schritt eine Voruntersuchung beauftragen, die den gesamten Bereich der Bundesstraße vom Kreisel in Geretsried bis zur Autobahnauffahrt auf die A95 umfasst. Herda: „Wie müsste ein Konzept aussehen, um den Verkehr auch 2035 und darüber hinaus leistungsfähig und verkehrssicher abzuwickeln?“

Manfred Herda ist Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim.

Untersucht werden müsse, ob Ampeln reichen, an der ein oder anderen Stelle ein Kreisverkehr sinnvoller wäre oder man sich sogar über teilplanfreie Anschlüsse wie in Waldram (Holländer-Rampe) Gedanken machen müsse. Aber: „Den Planungsauftrag vom Bund haben wir über den Bundesverkehrswegeplan nur für den Bereich südlich der Einmündung von Geretsried-Nord“, betont der Verkehrsexperte. Aus dem Gesamtkonzept müsste dann der Teil zwischen Kreisel und Blumenstraße herausgenommen werden, um in einen Vorentwurf gehen zu können. „Aber es ist in jedem Fall gut, das andere schon in der Tasche zu haben.“

Knackpunkt Anschluss Geretsried-Nord

Herda zufolge ist es wichtig, auch den Anschluss Geretsried-Nord im Blick zu haben. Denn durch das Wohnquartier, das an der Banater Straße entstehen wird, sei zu erwarten, dass sich der Verkehr gerade an diesem Knotenpunkt sehr stark verändern wird. Die Blumenstraße, über die die Verkehrsteilnehmer auf die B11 gelangen, liege sehr nach an der geplanten S-Bahn-Trasse.

Blick in die nahe Zukunft

Behördenleiter Herda hofft, dass er die Voruntersuchung im Frühjahr beauftragen kann. „Wir werden ein EU-weites Vergabeverfahren brauchen, weil die Bausumme relativ hoch ist. Folglich werden auch die Planungsleistungen mit einem relativ hohen Auftragswert vergeben.“ Vielleicht habe man in einem Jahr erste Vorschläge, wie ein Konzept für den Gesamtraum aussehen könnte.

nej

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