Vorfreude: Madeline Schön, Betriebsleiterin des neuen Hallenbades.
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Vorfreude: Madeline Schön, Betriebsleiterin des neuen Hallenbades.

„Wie geht’s?“

Auf dem Trockenen: Wie eine Bademeisterin die Corona-Pandemie erlebt

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Hallenbad-Betriebsleiterin Madeline Schön.

Geretsried – Seit Monaten sitzt sie im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen: Madeline Schön, Betriebsleiterin des Hallenbades, genauer Meisterin für Bäderbetriebe. Schuld daran ist die Corona-Pandemie und die damit verbundene Schließung des Hallenbades. Dennoch ist der 30-jährigen gebürtigen Oberfränkin alles andere als langweilig.

Frau Schön, wann haben sie das letzte mal Menschen im Wasser gesehen?

Madeline Schön: (lacht) Das kann ich genau sagen: Es war am 1. November 2020. Da war unser letzter Badetag, ich glaube es war ein Sonntag. Ab 2. November war dann alles zu. Wir hatten uns schon gefreut, als es vergangenes Jahr hieß, wir können im Sommer 2020 wieder starten. Wir hatten alles fertig gemacht und das Wasser eingelassen – aber dann durften wir doch noch nicht öffnen. Das war insofern auch traurig, weil wir viele neue Mitarbeiter eingestellt hatten.

Was ist aus ihnen geworden?

Madeline Schön: Die haben überall an anderen Stellen in der Stadt angefangen zu arbeiten, wie im Bauhof, in der Verwaltung und der Bücherei – aber eben nicht im Hallenbad.

Und Sie?

Madeline Schön: Da das Hallenbad im Rathaus zur Stelle Familie, Bildung, Kultur und Sport gehört, war ich dort im Büro. Ich habe viel mit Beate Mews, die für das Sportmanagement zuständig ist, zusammengearbeitet. Es war gut, so einen Einblick zu bekommen. Gemeinsam haben wir die Hygienekonzepte für die Turnhallen erstellt. Ich hatte ja bereits vom Hallenbad her Erfahrung. Jetzt helfe ich bereits im neuen Bad mit. Es ist toll geworden. Das Einzige was mir persönlich fehlt, wäre ein Fünf-Meter-Brett.

Seit wann arbeiten Sie bei der Stadt?

Madeline Schön: Seit 2014. Ich wurde noch für das alte Hallenbad als Meisterin eingestellt. Als dann der damalige Leiter Rudi Egger ging, übernahm ich seine Stelle. Übrigens kannten wir uns bereits von der Abschlussklasse der Meisterschule. Er hat mich nach Geretsried gebracht. „Du“, hat er mir gesagt, „wir bauen in Geretsried ein neues Hallenbad.“ Das fand ich super. Und weil ich der Liebe wegen aus Oberfranken nach München gezogen bin, hat das prima gepasst. Allerdings habe ich nicht gedacht, dass es letzten Endes nach sieben Jahren soweit sein wird.

Wann hatten Sie denn mit dem neuen Bad gerechnet?

Madeline Schön: Eher 2015. Wir hatten in den ersten Gesprächen angedacht, dass ich noch so ein Jahr in der alten Schwimmhalle mitarbeite. Wie gesagt, ich bekam die Betriebsleiterstelle – was im Bezug auf die Hallenbadgröße gar nicht so schlecht war, um sich einzuarbeiten. Thema war auch die Führung der Mitarbeiter, die ja oftmals älter sind als ich. Aber es lief alles bestens. Ich kann nur sagen, wir sind ein tolles Team. Jetzt freue ich mich darauf, das große Objekt zu betreuen.

Was vermissen Sie während der Schließung am meisten?

Madeline Schön: Eigentlich die Tür aufzusperren und zu sagen: „Ich darf Sie und Euch recht herzlich zum Baden begrüßen.“ Vielleicht klingt das jetzt komisch, aber es war immer so schön, wenn unsere Stammgäste gekommen sind. Es war schon ein richtig freundschaftlicher Umgang miteinander. Und die Technik vermisse ich natürlich auch. Sie macht einen großen Teil der Arbeit aus. Mal hier eine Pumpe austauschen oder ein Rohr kleben, das ist schon etwas völlig anderes, als im Büro vor dem Computer zu sitzen.

Und Ihnen, Frau Schön, wie geht es Ihnen?

Madeline Schön: Eigentlich sehr gut – auch wenn ich bedauere, dass ich wahrscheinlich am Eröffnungstag des neuen Hallenbads gar nicht dabei sein werde. Der Grund dafür ist ein schöner: Ich werde Mama. Aber ich komme auf alle Fälle als Gast, um zu sehen, wie man hier als Mutter-Kind-Gespann zurechtkommt.

Info

Das alte Hallenbad bleibt weiterhin geschlossen. Das neue Hallenbad wird bald eröffnet. Wasser wurde bereits eingelassen, unsere Zeitung war dabei. Der Betrieb eines Hallenbads ist teuer. Die Details erklärt Bürgermeister Michael Müller im Interview.

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