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Mit vollem Körpereinsatz leitet Horia Dinu Nicolaescu Cico’s Jazz-Orchester. 

Ein Leben für die einst verbotene Musik

Der Mann mit den Pistolenhänden

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Horia Dinu Nicolaescu ist der Mann mit den Pistolenhänden. Er schießt nicht scharf, zielt jedoch exakt – immer dann, wenn einer seiner Musiker zum Einsatz kommen muss. Sie nennen ihn liebevoll Cico. Er ist ein Teamplayer. Seine Mannschaft sind die Musiker. Ihr Spielball: der Klang.

Geretsried– Aus einer Schulband hat der ehemalige Lehrer des Geretsrieder Gymnasiums ein hoch angesehenes Jazz-Orchester mit überregionalem Ruf gemacht. Vier Mal haben sie „Jugend jazzt“ auf Bayernebene gewonnen. Nun ist Cico’s Jazz-Orchester „Back in Town“, zurück in der Stadt: Am Freitag führt das Orchester sein Programm unter diesem Namen in der Aula des Gymnasiums auf.

Wenn Nicolaescu seine „Spieler“ führt, dann mit vollem Körpereinsatz. Der Mann bebt. Wenn er dirigiert, stehen ihm die Schweißperlen auf der Stirn. Wenn der Applaus vom Publikum kommt, verbeugt nicht er sich, sondern spielt den Beifall mit klarer Handbewegung seinen Musikern zu. Aus seinen ehemaligen Schülern sind längst hochgehandelte Jazzmusiker geworden: Kontrabassist Benny Schäfer (max.bab) und die Saxofonisten Peter Gründl und Stephanie Lottermoser gehören dazu.

Der gebürtige Südrumäne aus Craiova ist ein Vollblutmusiker durch und durch. Er studierte Musik und Chordirigat an der Musikhochschule in Bukarest und lernte die Jazztrompete. „Wir spielten die üblichen Schlager, um Geld zu verdienen“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Damals haben sie ihn alle „Cico aus Puerto Rico“ genannt – nach einem zu dieser Zeit aktuellen Schlagersong. „Ich war ein fescher Bursche, haah“, lacht der Jazzmusiker, der aber auch ein hervorragender junger Musiker war. Nicolaescu tourte durch die Lande und spielte Tanzmusik im rumänischen Fernsehen.

Heimlich in den Kellern machte er mit seinen Kollegen jedoch die Musik, die sie wirklich verehrten – den amerikanischen Jazz von Count Basie und Duke Ellington. Streng verboten im sozialistischen Land unter Diktator Nicolae Ceausescu.

Der junge Musiker Nicolaescu geriet ins Visier des Geheimdienstes. 1971 entschlossen er und seine damals hochschwangere Frau, das Land als Spätaussiedler zu verlassen. Nicolaescu kam als Lehrer ans Gymnasium Nürnberg. Zehn Jahre später wurde der Jazzmusiker als Musiklehrer ans Geretsrieder Gymnasium versetzt und gründete die erste schuleigene Bigband.

Der Rumäne ist mit dem direkten Draht zu seinen Schützlingen ein echter Kamerad. Einer, der für sein Team alles gibt. Die Schulbigband wurde in den 1990-er Jahren so gut, dass sie für das Rahmenprogramm politischer und kultureller Veranstaltungen der bayerischen Staatsregierung engagiert wurden. „So küsste ich einmal die Hand von Angela Merkel“, sagt der ewig jung gebliebene Charmeur. Zu dieser Zeit entstand unter seiner Regie auch ein kultureller Austausch mit dem Musiklyzeum in Bukarest.

Einer der Höhepunkte war der Auftritt der Geretsrieder Bigband beim ersten Süd-Ost-Jazzfestival 1998 in Bukarest. Im September machte sich Cico mit einer zehnköpfige Abteilung der heutigen Band auf den Weg in seine Geburtsstadt Craiova, um auf dem dortigen Jazz-Festival aufzutreten. Sie spielten mit rumänischen Musikern der Philharmonie. Zahlreiche namhafte internationale Musiker und Combos gaben sich dort ein Stelldichein. Beflügelt vom gefeierten Auftritt in Rumänien und dem Gefühl eines internationalen Musikerlebens, sind sie nun zurück – mit groovigen neuen Songs im Gepäck.

Konzert

Am Freitag, 29. Dezember, findet das Konzert „Cico Back in Town“ in der Aula des Geretsrieder Gymnasiums statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt frei.

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