Hobby-Imker Michael Sidarous steht vor dem zerstörten Bienenhaus auf der Böhmwiese.
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Alles liegt herum: Hobby-Imker Michael Sidarous zeigt den entstandenen Schaden am Bienenhaus auf der Böhmwiese.

Polizei ermittelt

Partyvolk zerstört Bienenhaus - Imker entsetzt - „Das gehört bestraft“

Auf der Geretsrieder Böhmwiese haben Unbekannte offenbar ein Bienenhaus zerstört, um darin zu feiern. Nun sind die Bienen in Gefahr.

Update vom 11. April:

Im Fall des zerstörten Bienenhauses auf der Böhmwiese bittet die Geretsrieder Polizei um sachdienliche Hinweise. Laut Pressebericht gehen die Beamten von mehreren Tätern aus. Die vorgefundenen Hinterlassenschaften, unter anderem Verpackungen von Getränken, würden darauf schließen lassen. „Die Verpackungen wurden sichergestellt und werden einer Untersuchung unterzogen, in der Hoffnung, Hinweise auf die Täter zu erlangen“, so die Polizei.

Wie berichtet entdeckte eine zivile Streife der Operativen Ergänzungsdienste Murnau bei einer Routinekontrolle auf der Böhmwiese am Freitagnachmittag, dass dort in ein Bienenhaus eingebrochen worden ist. Die Vandalen verschafften sich über ein angelehntes Fenster Zutritt in das Holzhaus und warfen nahezu alle darin befindlichen Gegenstände nach draußen, erläutert die Polizei in ihrem Pressebericht vom Samstag. Die Beamten sprechen von einem „feigen Anschlag“.

In dem Bienenhaus hatten die Pächter Sandra und Michael Sidarous vier Bienenvölker. Ein Teil der Insekten war infolge des Vandalismus bereits am Freitagnachmittag verendet. Die Hobby-Imker hatten die Hoffnung, zumindest noch eine Königin zu finden, um die übrigen Bienen retten zu können. Doch die Suche war vergeblich. „Wir haben leider keine Königin gefunden“, berichtet Sandra Sidarous.

Zudem stellte das Paar fest, dass Beuten, also die Behausung der Bienen, fehlen. Die Polizei nimmt an, dass Gegenstände zur Honigproduktion geklaut wurden.  Der 44-jährige Besitzer schätzt den Stehl- beziehungsweise Sachschaden auf rund 10.000 Euro. Wer etwas Auffälliges im Bereich des Bienenhauses beobachtet hat, möge sich an die Geretsrieder Polizei wenden, Telefon 08171/93510.

Erstmeldung vom 9. April: Imker schockiert über „blinde Zerstörungswut“

Geretsried – Bienenstöcke, ein Regal und Rahmen mit Waben liegen im Wald auf einem Haufen, Bienen irren umher, dahinter das Bienenhaus mit ausgehebeltem Fenster und allerlei leeren Getränkedosen darin. Sandra und Michael Sidarous waren am Freitag fassungslos, als sie sahen, was von ihrem Bienenhaus übrig geblieben ist. Es liegt idyllisch zwischen Bäumen auf der Böhmwiese. Seit 2018 pachten sie es von den Bayerischen Staatsforsten. „Jetzt ist alles kaputt“, sagt Sandra Sidarous schockiert.

Vor dem Winter war der Imker Michael Sidarous zuletzt bei seinen vier Völkern, schließlich befinden sie sich jetzt noch in der Wintertraube. „Je weniger der Imker jetzt macht, desto besser“, sagt der 44-Jährige. Gewöhnlich besucht er sie erst, wenn der Nachtfrost aufgehört hat und die Kirschblüte angefangen hat. „Aber der Waldkindergarten hat immer geschaut und uns erzählt, wenn die Bienen fliegen“, berichtet Sandra Sidarous.

Geretsrieder Imker empört: „Sieht so aus, als hätte hier jemand Party gefeiert, und die Bienen haben gestört“

Innen im Bienenhaus steht nichts mehr an seinem Platz.

Doch am Freitag bekam das Paar einen Anruf von einem Mobilen Einsatzkommando der Polizei. Eine Zivilstreife sei auf das zerstörte Bienenhaus aufmerksam geworden, berichten Sandra und Michael Sidarous. Die beiden eilten dabei und informierten den Geretsrieder Merkur/Isar-Loisachboten, nachdem die Polizei alle Spuren gesichert hatten. Sie wollen auf die unbegreifliche Tat aufmerksam machen. „Es sieht so aus, als hätte hier jemand Party gefeiert, und die Bienen haben gestört“, sagt die 40-Jährige, die fürchtet, dass der oder die Täter wiederkommen. Bereits vergangenes Jahr hätten Jugendliche einen Böller ins Bienenhaus geworfen. Sidarous kann die „blinde Zerstörungswut“ nicht verstehen. „Bienen sind unser aller Lebensgrundlage.“ Und sie stehen unter Naturschutz. „Das gehört bestraft. Das geht gar nicht.“

Geretsried: Imker hoffen, unter den Bienen noch eine Königin zu finden - sonst ist alles verloren

Es sieht so aus, als hätte jemand das Fenster auf der Rückseite des Bienenhauses aufgebrochen, um über eine mitgebrachte Leiter einzusteigen. An der Vorderseite wurde mutmaßlich eine Plexiglasscheibe herausgenommen und alles Inventar hinausgeworfen. Teils lagen Waben, die auf ihren nächsten Einsatz warteten, verstreut im Wald. „Als hätten die sie richtig weggeschleudert.“

Die Besitzer schätzen den Schaden auf 10 000 Euro. Doch es geht nicht allein ums Geld. Dass die Bienen nun heimatlos sind, könnte üble Folgen haben. „Wegen der Faulbrut sollen sich Völker nicht mischen“, erklärt Erich Holzer. Er ist Vorsitzender des Imker-Kreisverbands Wolfratshausen und zugleich Sidarous’ Imkerpate. Mit ihm versuchte der 44-Jährige noch am Freitagnachmittag Schlimmeres zu verhindern. „Hoffentlich finden wir noch eine Königin, besser zwei“, so Holzer. Andernfalls könnte es passieren, dass sich einzelne Bienen ein neues Volk bei einem anderen Imker suchen und sich dadurch Krankheiten verbreiten. Um das zu verhindern, müsste der Veterinärarzt die heimatlos gewordenen Bienen einschwefeln – ohne Königin wäre das der letzte Ausweg. „Das wäre sehr traurig“, sagt Sandra Sidarous. Ihr Mann hofft, dass es nicht so weit kommt. Er will seine Bienen retten. „Es ist ein absolut gigantisches Hobby.“ (sw)

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