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Impfskeptikerin Wagenknecht „das Feld überlassen“: Gründungsmitglied verlässt verbittert Linken-Partei

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Von: Carl-Christian Eick

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Ein Mann im Bundestag
Enthusiastisch startete Andreas Wagner 2017 in seine Zeit als Linken-Bundestagsabgeordneter. Jetzt rechnet er enttäuscht und verbittert mit seiner Ex-Partei ab. © Archiv

Der Ex-Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner ist aus der Linken-Partei ausgetreten. Jetzt rechnet er mit seinen ehemaligen Genossinnen und Genossen ab.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach – Andreas Wagner, bis Oktober Linken-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach, hat seiner Partei wie berichtet den Rücken gekehrt. In einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung erklärt der Geretsrieder seine Beweggründe – und geht mit seiner Ex-Partei hart ins Gericht. Vor allem könne er nicht erkennen, dass die Linke auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagiere, sondern stattdessen „die Füße stillhält“.

Seit Beginn der Pandemie gibt es fortlaufend Einschätzungen und Empfehlungen unterschiedlicher wissenschaftlicher Institutionen, was zu tun ist. Doch die Linke hat sich nach meinem Eindruck weggeduckt und gleichzeitig das Feld Sahra Wagenknecht überlassen, die es sich hindreht, wie sie es gerade braucht, um Zweifel an der Wissenschaft und am Impfen zu säen.

Andreas Wagner

Wagner, der im Juni 2007 zu den Gründungsmitgliedern der Linken-Partei zählte, stellt fest, „dass ich in den vier Jahren meiner Zeit im Bundestag einige schmerzhafte Erfahrungen gemacht habe, die Spuren hinterlassen haben“. Wie berichtet musste er während seiner Mandatsausübung aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehmen, innerparteilicher Streit warf den heute 49-Jährigen ein zweites Mal aus der Bahn. „Ich habe zum Wohl der Partei einiges heruntergeschluckt und die Erfahrung gemacht, dass man als Parteimitglied für einige Genossinnen und Genossen nur so lange wichtig ist, solange man zum Organisieren von Mehrheiten gebraucht wird“, bilanziert der Geretsrieder verbittert. „Ich wurde in Schubladen gesteckt, man erkundigte sich über mich, wie ich denn so sei, ohne mit mir direkt zu reden.“

Corona-Pandemie: Linke habe Impfskeptikerin Wagenknecht „das Feld überlassen“

Linke Politik, das ist Wagners Credo, „muss sich für Menschen in schwierigen Lebenslagen stark machen, für Menschen, die krank oder nicht mehr so leistungsfähig sind, ein geringes Einkommen haben und von Sorgen geplagt werden, wie es weitergeht“. Seiner Ex-Partei hätte es gut zu Gesicht gestanden, „die alte und die neue Regierung zum Handeln in der Corona-Pandemie zu drängen“. Doch die Linke habe sich „weggeduckt“ und gleichzeitig das Feld der früheren Vorsitzenden der Linken-Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, überlassen, die es sich hindreht, wie sie es gerade braucht, um Zweifel an der Wissenschaft und am Impfen zu säen“. Wagenknecht gilt als Impfsskeptikerin und hat den Beschluss des Parteivorstands für eine allgemeinde Impfflicht kritisiert.

Wagner dagegen hält die Corona-Impfung für immens wichtig, „um das Risiko schwerer Krankheitsverläufe zu senken und die Infektionsdynamik zu bremsen“. Der Geretsrieder gibt zu bedenken: Selbst wenn die Zahl der Intensivbetten erhöht werden könnte, „darf nicht vergessen werden, dass etwa die Hälfte der SARS-CoV-2-Intensivpatienten nicht überleben. Hinzu kommen die Folgen von Corona-Infektion, die zu Long-Covid, MECFS und bis zur vollständigen Arbeits- oder Berufsunfähigkeit führen können“. Daher sei „jede Infektion eine zu viel“.

Wagner: Linke hat als Oppositionspartei versagt

In seiner Generalabrechnung hält er seinen ehemaligen Genossen vor, als Oppositionspartei versagt zu haben. Wenn die Bundesregierung „wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert“ und Empfehlungen in den Wind schlage, wäre es Aufgabe der Linken gewesen, „die Regierung zum Handeln zu drängen“. Stattdessen halte sich die Partei vornehm zurück. Wagner: „Ich finde es nicht ehrlich, wenn erst die Füße stillgehalten werden und später, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ein Aufschrei erfolgt und Versäumnisse kritisiert werden.“

Geretsrieder will sich nun „außerhalb einer Partei“ engagieren

Rückblickend stellt Wagner in seiner Austrittserklärung, die er dem bayerischen Landesverband geschickt hat, fest: „Ich bin in eine andere Partei eingetreten als die, wie ich sie die letzten vier Jahre erlebt habe und derzeit erlebe“. Das Wort Solidarität sei bei der Linken „zu einer Floskel verkommen“. Von nun an „werde mich wieder außerhalb einer Partei für das Gemeinwohl, für soziale Gerechtigkeit und für Frieden engagieren“. Hat schon konkrete Pläne? „Nein“, antwortet der 49-Jährige, der bis zu seinem Einzug in den Bundestag als Betriebsratsvorsitzender bei der Lebenshilfe in Bad Tölz tätig war. „Aber es gibt sehr viele Ideen.“ (cce)

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