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Flaniern und spazieren: In zweieinhalb Jahren soll das auf der Egerlandstraße möglich sein. Doch bis es so weit ist, müssen die Anlieger einiges über sich ergehen lassen. 

Ein letzter Gesprächsversuch

Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“: Anwalt bereitet Klage vor

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Reichen die Mitstreiter der Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ in Geretsried Klage ein oder nicht? Das hängt wohl ganz vom Ausgang eines Gesprächs mit Bürgermeister Michael Müller ab.

Geretsried – Rund 50 Immobilienbesitzer, Gewerbetreibende und Anwohner trafen sich am Mittwochabend in den Ratsstuben, um sich zu informieren und zu beraten. Wie berichtet wird sich die Straße vor ihrer Tür ab November für zweieinhalb Jahre in eine Baustelle verwandeln. Sie fordern einen möglichst anliegerfreundlichen Bauablauf – notfalls auch mit rechtlichen Mitteln. Und darauf wird es wohl hinauslaufen.

In neun Monaten will die Baugenossenschaft damit beginnen, ihren Wohnblock abzureißen. Er soll durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden. Mutmaßlich werden dafür ab November noch einmal 30 Parkplätze wegfallen. Denn die Baustelle müsse ja gesichert werden, so Holthaus. „Aber das sagt uns ja keiner.“ Ab dem Frühjahr 2020 sollen die Sparten Kanal, Wasser, Gas, Strom, Kabel und Telefon verlegt werden. Daran würden sich die Bauarbeiten für die Tiefgarage anschließen. 2022 soll alles fertig sein.

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Die lange Bauzeit werde alle Anlieger beeinträchtigen, sagt Holthaus. Gewerbetreibende sehen Umsatzeinbußen auf sich zukommen, Vermieter rechnen mit geringeren Mieterträgen. Die Mitstreiter wollen sich dagegen wehren, dass sie während der Bauzeit alle Lasten tragen müssen – notfalls auch mit einer Klage. „Und diese Klage wird ein Anwalt nun vorbereiten“, sagt Holthaus. „Denn die Baugenossenschaft hat mir mitgeteilt, dass sie nicht an einer gütlichen Einigung interessiert ist.“

Um Ausgleichsansprüche geltend zu machen, müssten die Anlieger gerichtlich vorgehen. „Voraussetzung ist, dass uns jemand sagt, dass wir die Baustelle erdulden müssen. Erst dann haben wir Anspruch auf Ausgleichszahlungen“, erklärt der Geschäftsmann. „Uns bleibt also gar nichts anderes, als gegen den Bebauungsplan zu klagen.“ Bis Mai haben die Mitstreiter Zeit, Klage einzureichen – dann läuft die Frist für dieses Rechtsmittel aus.

Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Wolfgang Selig, bestätigt auf Nachfrage, dass es „keine gütliche Einigung über die geforderten finanziellen Ansprüche der gewerblichen Anlieger gegeben hat, soweit sie unsere Bauzeit betrifft“. Das habe vor allem rechtliche Gründe. „Der Vorstand der Baugenossenschaft verwaltet nicht sein eigenes Geld, sondern das seiner Mitglieder“, erklärt Selig. Aufgrund der Gesetzeslage sei der Vorstand nicht befugt, diese Gelder ohne rechtliche Veranlassung beziehungsweise ohne Gegenleistung auszugeben. „Wir haben das Thema noch einmal juristisch prüfen lassen, um hier sicher zu gehen.“ Doch auch diese Prüfung habe zu keinem anderen Ergebnis geführt.

Selig betont, dass die BG in den vergangenen Monaten durchaus auch ihren guten Willen gezeigt habe – und zwar mit der Schaffung von „etlichen kostenlosen provisorischen Senkrechtparkplätzen“ an der Egerlandstraße, die in Zusammenarbeit mit der Stadt entstanden seien. „Diese Stellplätze befinden sich auf Flächen, die zum Teil auch der Baugenossenschaft gehören.“ Sie kämen allen Kunden zugute – ohne dass die BG dafür finanzielle Forderungen gestellt habe.

Bürgermeister Michael Müller nahm an dem Treffen am Mittwoch nicht teil. Aber ihm ist bekannt, dass Teile der Interessengemeinschaft klagen wollen. Laut Holthaus bot er den Initiatoren an, sich noch einmal zusammenzusetzen: „Wir sind gerne bereit, einen letzten Versuch zu machen.“ Thomas Loibl, Pressereferent der Stadt, betätigt, dass der Bürgermeister gesprächsbereit ist. Auch die BG würde Selig zufolge an einem Treffen teilnehmen. Holthaus verspricht: „So lange werden wir die Klage noch zurückhalten.“

Verlängerung der Tiefgarage würde Parksituation entspannen

Diplom-Kaufmann Frederik Holthaus hat nachgerechnet: Vor der Baustelle gab es im Bereich Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße 169 Parkplätze. „Jetzt gibt es 26 im Rathaus-Innenhof und noch 75 an der Egerlandstraße“, so Holthaus. „Uns fehlen also 68 Stellplätze.“ Mit Sorge blickt Holthaus auf die Pläne der Baugenossenschaft (BG). Wie berichtet will die BG ab November ihren Wohnblock an der Egerlandstraße abreißen. „Dann werden zur Sicherung der Baustelle noch einmal etwa 30 Stellflächen wegfallen, und das im Weihnachtsgeschäft“, prophezeit Holthaus. Im Herbst soll der Karl-Lederer-Platz wieder befahrbar und die Tiefgarage eröffnet sein. Oberirdisch wird es dann allerdings nur noch ein paar wenige Stellflächen geben. „Vielleicht werden es sechs bis acht Kurzzeitparkplätze“, schätzt der Isar-Kaufhaus-Geschäftsführer. 

In der Tiefgarage unter dem Platz soll es laut Holthaus 85 öffentlich zugängliche Parkplätze geben. „Die sind aber eigentlich für den neuen Edeka und nicht für uns hier.“ Nach Abschluss der Bauarbeiten werden es im Vergleich zu jetzt etwa 50 Parkplätze weniger sein. „Eine leichte Verbesserung also, aber bei Weitem nicht genug.“ Ein Gutachter habe dem Stadtrat empfohlen, 120 Stellflächen zu schaffen – in einer Verlängerung der Tiefgarage an der Egerlandstraße, die die BG für ihre Mieter bauen will, berichtet Holthaus. „Aber darüber ist leider noch keine Entscheidung gefallen.

nej

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