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Die neue BMW ist Stefan Scheifeles ganzer Stolz. Mit ihr wird er ab Mitte Oktober bei gutem Wetter täglich von München-Harlaching nach Geretsried pendeln. 

Katholische Stadtkirche

Interims-Pfarrer für Geretsried: Übers Taxifahren zur Berufung gefunden

Stefan Scheifele ist neuer Interims-Pfarrer für die katholische Stadtkirche in Geretsried. Der Münchner erlernte zunächst einen ganz anderen Beruf. 

Geretsried – Die katholische Stadtkirche hat einen neuen Pfarrer – zumindest vorübergehend. Stefan Scheifele wird ab Mitte Oktober eine sogenannte qualifizierte Vakanzvertretung für die Pfarreien Heilige Familie und Maria Hilf, seit 2016 zur Stadtkirche fusioniert, übernehmen. Im Auftrag der Erzdiözese München und Freising soll der 52-Jährige für maximal ein Jahr das Zusammenwachsen der vormals eigenständigen Pfarreien weiter vorantreiben.

Wie berichtet hat Pfarrer Georg März Geretsried nach acht Jahren Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen verlassen. „Man könnte auch sagen, ich bin eine priesterliche mobile Reserve für Leitungsaufgaben“, sagt Scheifele im Gespräch mit unserer Zeitung. „Früher hätte ein Nachbarpfarrer übergangsweise eine vakante Stelle mit übernommen. Angesichts der großen Pfarrverbände und Pfarreien ist das heute nicht mehr möglich.“ Hinzu komme der Priestermangel. Die Erzdiözese reduziere ihr Personal derzeit um über 30 Prozent, sagt Scheifele.

Der gebürtige Münchner lernte zunächst Landwirt und jobbte anschließend eine Zeit lang als Taxifahrer in der Landeshauptstadt. „Durch die vielen Gespräche mit den Fahrgästen merkte ich, dass die Menschen nicht glücklich sind. Dabei wurde mir klar, dass ich Pfarrer werden wollte“, erzählt er. Nach erfolgreichem Theologiestudium wurde er 1998 in Freising zum Priester geweiht. Als solcher kam er viel herum. Zwölf Jahre war er Seelsorger beim Militär und fünf Jahre im Verteidigungsministerium in Berlin. Anfang der 2000er Jahre betreute er von Neapel aus für die NATO deren Standorte in Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei. Zurück in Deutschland wurde Scheifele als „Springer“ eingesetzt, zuletzt als Pfarradministrator für die Pfarrverbände Ottobrunn und Vier Brunnen.

Von der katholischen Kirche wurde er zum erzbischöflichen geistlichen Rat ernannt. Er ist als Supervisor im Einsatz und hat neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie abgeschlossen. Gute Voraussetzungen also, um die „Stabilität der Geretsrieder Stadtkirche auszubauen“, wie Stefan Scheifele es formuliert.

Dass die Zusammenarbeit der doch recht unterschiedlichen Pfarreien Maria Hilf und Heilige Familie mit ihren insgesamt rund 9000 Schäflein nicht immer reibungslos verlief, ist kein Geheimnis und für den neuen Hirten nur allzu verständlich. Auch mit der Geschichte und Situation der Heimatvertriebenen ist er vertraut, da seine Mutter aus dem Sudetenland stammt. Er wolle sich der Aufgabe mit vollem Einsatz widmen, sagt er, betont aber gleichzeitig: „Jesus Christus baut die Gemeinde auf, nicht der Pfarrer. Der ist nur Werkzeug.“

Scheifele wird nicht nach Geretsried ziehen, sondern im 33 Kilometer entfernten Harlaching wohnen bleiben. Im Sommer will er mit dem Motorrad fahren, was für ihn einen schönen Ausgleich zur Arbeit darstellt. An weiteren Hobbys nennt er das Musizieren und Schreiben. „Der Mensch muss ausdrücken, was ihn bedrückt, bevor es ihn erdrückt“, so seine persönliche Philosophie.

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Dem Interims-Pfarrer zur Seite stehen werden Diakon Michael Baindl mit 20 Wochenstunden und Pastoralreferent Manfred Waltl mit zwölf Wochenstunden. Das sind insgesamt viel weniger Stunden als noch vor einigen Jahren. Die Gläubigen müssen sich auf entsprechend weniger Gottesdienste einstellen.

Tanja Lühr

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