Isartaler Kleingartenverein beim traditionellen Krauthobeln in Geretsried
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Mit Abstand und Maske: Diszipliniert warten die Kunden, bis sie ander Reihe sind. Nach einigem Abwägen hatte sich der Isartaler Kleingartenverein dazu entschlossen, sein traditionelles Krauthobeln mit Verkauf zu veranstalten.

Traditionelles Krauthobeln

 Isartaler Kleingartenverein versorgt Geretsried mit Vitamin C

Das Krauthobeln hat beim Isartaler Kleingartenverein Tradition. Auch in diesem Jahr holten sich viele Kunden ihr Vitamin C für den Winter - wegen Corona mit Abstand und Maske.

Geretsried – Mit einer Art kleinem Spaten entfernt Hans Nowotny den Strunk. Dann schneidet er den Kohl mit einem scharfen Messer entzwei. Die Hälften landen nun in der elektrischen Hobelmaschine, die sie in dünne Streifen schneidet, die in einer Waschschüssel aufgefangen werden. Abgewogen werden sie verkauft.

Eine lange Schlange hatte sich am Freitagmittag vor der Vereinshütte des Isartaler Kleingartenvereins an der Jeschkenstraße gebildet. Alle wollen sich ihr Vitamin C für den Winter holen. „Wir haben lange überlegt, ob wir wegen der Corona-Pandemie auch heuer unser traditionelles Krauthobeln mit Verkauf veranstalten sollen. Wir machen das ja seit 30 Jahren schon“, sagt Nowotny, Vorsitzender der Schrebergärtner. Man habe sich dann dazu entschlossen, die Kunden nicht zu enttäuschen. Die Aktion finde schließlich immer im Freien statt.

Jeder trug am Freitag eine Maske und hielt beim Warten einen Abstand zum Vordermann ein. 2500 Kilogramm Weißkohl hat die Vorstandschaft des Vereins in den vergangenen Tagen in Ismaning geholt. Der Ort ist seit mehr als 500 Jahren ein berühmtes Anbaugebiet für Kraut, wovon der Spruch kündet: „Des krauteste Kraut werd’ z’Ismaning baut“. Groß und gesund sind die Köpfe in diesem Jahr, das mit ausreichend Regen und Sonnenschein beste Wachstumsbedingungen bot.

Früher bedienten die Geretsrieder Kleingärtner die Hobelmaschine per Hand. Sie ist rund 100 Jahre alt und stammt von der Wolfratshauser Familie Geiger. Vor etwa 20 Jahren bauten sie einen Motor ein, was die Arbeit wesentlich erleichterte und wodurch der Verein mehr Mitglieder, aber auch Nicht-Mitglieder mit dem begehrten Wintergemüse versorgen kann. Die meisten machen Sauerkraut daraus.

Während des Wartens werden Tipps zur Zubereitung ausgetauscht. Hans Nowotny schwört darauf, die gut zerstampften Krautstreifen nur mit Salz – zehn Gramm pro einem Kilogramm Kohl – in einem Keramikfass mit Holzdeckel, der mit Steinen beschwert wird, einzulegen. Das Ganze soll bei 18 bis 20 Grad Raumtemperatur etwa vier Wochen gären. Gelegentlich schaut der Vereinsvorsitzende in das Gefäß und drückt die Masse etwas zusammen. Über ihr sollten immer zwei Zentimeter Wasser stehen. Zum Schluss gibt er Weißwein dazu.

Katharina Bachmayer verfeinert ihr Sauerkraut mit Lorbeerblättern und Pfeffer. Die 67-Jährige kaufte am Freitag 20 Kilogramm. „Die werden mir über den Winter reichen“, sagt sie. Andere geben Dill, Wacholderbeeren, saure Boskop-Äpfel, Weinblätter oder Meerrettichscheiben bei. Wichtig ist nur, dass der frisch geerntete Kohl möglichst bald eingelegt wird.

Tanja Lühr

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