Vier Iarwinkler Schlaraffen: (v. li.) Ritter Ursulus (Kantzler), Ritter Sch(l)auspieler (Oberschlaraffe des Inneren), Ritter G´stanz (Oberschlaraffe des Äußeren) und Ritter Syngthetix (Oberschlaraffe der Kunst) alias Werner Sebb.

Darauf einen Humpen Schaumlethe

Isarwinkler Schlaraffen-Reych feiert 50. Geburtstag

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Es wird ernst für den dem Humor zugewandten Männerbund: Geretsrieds  Schlaraffen begrüßen am Samstag 170 geladene Gäste zu einer großen Sause in den Ratsstuben.  

Geretsried – Goethe war den freudvollen Dingen des Lebens durchaus zugewandt. Wein, Weib und Gesang schätzte der wohl größte aller schreibenden Deutschen ebenso wie Kunst und Naturwissenschaften. „Das Leben“, schrieb er, „ist kurz. Man muss sich einander einen Spaß zu machen suchen.“ Nicht verwunderlich also, dass die Schlaraffia, jener weltweit operierende deutschsprachige Männerbund zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor den großen Dichter posthum zum Ehrenschlaraffen ernannte – wie übrigens dessen Kumpel Schiller auch.

Die derzeit 22 hiesigen Schlaraffen können mit derartiger Prominenz zwar nicht dienen, wohl aber mit einer langen Historie. Seit dem 9. Oktober 1969 existiert ihr Reych „Im Isarwinkel“ mit Sitz in Geretsried. Am kommenden Wochenende wollen Werner Sebb alias Ritter Syngthetix, der Weis(s)gestalter, und seine Mitschlaraffen das 50. Stiftungsfest ihres Hoheitsgebiets ganz groß feiern. Zum Festabend am Samstag im Ratsstubensaal erwarten sie rund 170 geladene Gäste, darunter Bürgermeister Michael Müller und Anita Zwicknagl aus dem Kulturamt der Stadt.

Müller ist selbst ein Schlaraffe. Jedoch: Zu mehr als in den Rang eines Knappen hat es der Rathauschef während seiner fünf Jahre währenden Mitgliedschaft im Isarwinkler Reych bisher nicht geschafft. Er ist einfach zu selten dabei in den Sippungen, so heißen die Treffen auf Schlaraffenlatein, um den Sprung zum Junker oder gar zum Ritter zu machen. Sebb hat dafür Verständnis. „Wegen seines Amtes hat er einfach zu viele andere Verpflichtungen, um regelmäßig zu kommen. Umso schöner, dass er am Samstag dabei ist.“

Der Festabend startet um 17.30 Uhr mit der Begrüßung und einem anschließenden Abendessen (Atzung), die eigentliche Sippung beginnt um 19 Uhr. Honoratioren der Schlaraffen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich haben sich angesagt. Ihnen wird ein buntes Programm geboten, an dem auch Sebb, Oberschlaraffe der Kunst im Isarwinkler Reych, gebastelt hat. „Unter anderem tritt ein renommierter Zauberkünstler aus Darmstadt auf“, kündigt er an. Selbstredend ist der ein Schlaraffe – und nennt sich Ritter Unika(r)t.

Die Feierlichkeiten nehmen jedoch schon am Freitag ihren Anfang. Einige Isarwinkler machen einen Ausflug ins Mutterreich „Am Tegrinsee“, am Abend sehen sie sich ein Stück der Loisachtaler Bauernbühne an. Am Samstag geht es um 10 Uhr mit einem Empfang beim Bürgermeister und ab 11 Uhr mit einer Führung durch das Museum der Stadt Geretsried weiter. Und wer am Sonntag immer noch nicht genug hat: Mit einem Frühschoppen in den Ratsstuben klingen die Feierlichkeiten aus.

Am Festabend sind übrigens Burgfrauen (Gattinnen) respektive Burgwonnen (Lebensgefährtinnen) ausdrücklich zugelassen und willkommen. Das ist im Jahr genau zweimal der Fall. „Bei uns zur Frühjahrs-Sippung und zu der an Leonhardi, die heuer auf das Jubiläum fällt“, erklärt Werner Sebb. Ansonsten ist jedes Reych ausschließlich Männern vorbehalten. Was dem guten Goethe – Stichwort: Wein, WEIB und Gesang – wohl weniger gefallen hätte.

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So tickt dasSchlaraffen-Uhuversum:

Ausschließlich männliche Schauspieler, Musiker und Dramaturgen des Deutschen Theaters in Prag gründeten am 10. Oktober 1859 das erste Schlaraffen-Reych – aus Protest. Die Gründerväter wollten der versnobten Künstlervereinigung Arcadia, die Nicht-Aristokraten hartnäckig den Zutritt zu ihr verweigerte, den Spiegel vorhalten, indem sie das Rittertum persiflierten: Anrede, Hierarchie und Kleidung der Schlaraffen – alles ist eine einzige Parodie. Gleiches gilt für die Sprache, das Schlaraffenlatein: Die „Burg“ ist das Vereinslokal, „Sippung“ nennt sich die wöchentliche Zusammenkunft, ein Mitglied heißt „Sasse“, der Sekt „Schaumlethe“ und die Gitarre „Minneholz“. Schlaraffisches Symbol für Weisheit, Humor und Tugend ist der Uhu. Für Außenstehende sind die Sassen außerhalb ihrer Sippungen an der „Rolandnadel“ erkennbar, einer weißen Perle, die sie am linken Revers tragen. Ein Aufkleber auf dem Auto, der einen blinzelnden Uhukopf zeigt, deutet ebenfalls auf einen Schlaraffen hin. Aktuell existieren auf der Erde, dem „Uhuversum“, etwa 260 Reyche, in Spitzenzeiten waren es über 400.


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