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Platz ist in der kleinsten Hütte: Sogenannte Tiny-Houses liegen im Trend. 

Thema im Entwicklungs- und Planungsausschuss

Ja zu Tiny-Houses, aber nicht in der Geltinger Ziegelei

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Der Planungsausschuss hat dem Verein „Einfach Gemeinsam leben“ eine Absage erteilt. Aber das Gremium lässt eine Hintertür offen.

Geretsried – Die Idee, in der Geltinger Ziegelei ein Tiny-House-Dorf zu errichten, ist nicht umsetzbar. Das hat der Entwicklungs- und Planungsausschuss (EPA) in einem entsprechenden Beschluss deutlich gemacht. Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner, der die Sitzung am Donnerstag leitete, ließ aber ein Hintertürchen offen. Grundsätzlich „stehen die Fraktionen dem Projekt durchaus aufgeschlossen gegenüber, wenn ein geeignetes Grundstück da ist“, sagte der SPD-Stadtrat.

Der Verein „Einfach Gemeinsam Leben“ will für alternative Wohnformen werben. Er setzt sich zudem seit etwa einem Jahr dafür ein, mehrere Minihäuser auf einem privaten Grundstück an der Ziegelei 7 anzusiedeln. Jüngst forderten die Mitglieder den Stadtrat in einem offenen Brief auf, offiziell Stellung zu dem Projekt zu beziehen.

„Wir haben das Thema nichtöffentlich im Stadtrat besprochen und waren der Auffassung, dass es öffentlich behandelt werden sollte“, leitete Hopfner den Tagesordnungspunkt ein. In der Sitzung des EPAs erläuterten nun Stadtbaurat Rainer Goldstein und Raimund Stumpfhauser vom Bauamt ausführlich, warum die Ziegelei nicht für eine Tiny-House-Siedlung in Frage kommt. Mit einem Luftbild und Handyfotos verdeutlichte Goldstein die Problematik: „Alles grün.“ Das betreffende Grundstück sei eindeutig dem Außenbereich zuzuordnen. Als solches ist es der Natur und der Landwirtschaft vorbehalten. Eine Bauleitplanung hält die Stadt aus mehreren Gründen für unmöglich. Im Landesentwicklungsprogramm des Freistaats gebe es die Zielvorgaben „Innen- vor Außenentwicklung“ und „Vermeidung von Zersiedelung“. „Die Ziegelei ist kein Siedlungsteil in dem Sinne, also kann man nichts ,ankoppeln‘“, so Goldstein. Sie sei nicht erschlossen. Auch seien Anträge zur Erweiterung der bestehenden Höfe bisher vom Landratsamt restriktiv behandelt worden. „Es ist nicht Ziel der Stadt, dort irgendeine Nachverdichtung herzuzaubern. Und das können wir auch nicht“, betonte Stumpfhauser.

Am Abend vor der Sitzung war der Vereinsvorsitzende Thorsten Thane Gast in der BR-Sendung „Jetzt red i“, in der es um das Thema Wohnen ging. In der Diskussion hatte der bayerische Bauminister Dr. Hans Reichhart gesagt, dass ein Tiny-House-Projekt auf einem erschlossenen Grundstück im Außenbereich durch eine Bauleitplanung möglich wäre. Auch darauf nahmen die Geretsrieder Bauamtsmitarbeiter in der Sitzung Bezug. „Er kannte den Sachverhalt nicht in vollem Umfang“, sagte Goldstein.

Auch Beate Paulerberg (Grüne) fand, der Staatsminister habe sich voreilig geäußert. Jedoch: „Grundsätzlich ist das Projekt eine schöne Sache. Ich bin dafür, aber nicht dort“, sagte sie. Auch Franz Wirtensohn (CSU) hat nichts gegen Tiny-Houses, doch die Ziegelei sei ein sensibler Bereich, erklärte er. Kerstin Halba (SPD) erkundigte sich, ob man ein mobiles Minihaus in einen Geretsrieder Garten stellen dürfte. Sonja Frank (Freie Wähler) wollte wissen, ob man mehrere Tiny-Houses anstelle eines baufälligen Gebäudes errichten dürfe, da es dem Verein ja auch darum gehe, in einer Gemeinschaft zu leben. Beides komme laut Stumpfhauser auf den Bebauungsplan und die umliegende Bebauung an.

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Letztlich sprachen sich die Ausschussmitglieder einstimmig gegen eine Tiny-House-Siedlung in der Geltinger Ziegelei aus. „Aus rechtlicher Sicht bleibt uns nichts anderes übrig“, fasste Hopfner in Richtung der Zuschauerstühle zusammen. Sechs Bürger verfolgten die Diskussion, darunter Thorsten Thane. Sollte von übergeordneter Stelle eine andere Möglichkeit eröffnet werden, werde sich der Stadtrat nochmal mit dem Grundstück befassen. Andernorts könne man den Bau aber anders bewerten.

sw

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