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Abschied nach 45 Jahren: Gustav Werner (Mitte) war über vier Jahrzehnte bei der Feuerwehr aktiv. Für diese Leistung gab es viel Applaus.

Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr

Eine „unverzichtbare“ Leistung

Geretsried - „Unspektakulär“ nannte Martin Kagerer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, in seinem Bericht das Jahr 2016 mit „nur“ 209 Einsätzen. Darunter war allerdings eine psychisch sehr belastende Personenbergung.

Jeder im voll besetzten Feuerwehrsaal wusste, wovon Kagerer am Donnerstagabend in der Jahresversammlung sprach. Im Juli hatte ein Einsatzteam nach einer groß angelegten Suche den 15-jährigen Sohn eines Kameraden leblos in der Isar gefunden. Der Bub konnte nicht mehr vom Notarzt reanimiert werden. Das Erlebnis sei „dramatisch“ für alle Rettungskräfte gewesen, so Kagerer. Die Feuerwehr habe deshalb am nächsten Tag nicht am Umzug zur Eröffnung des Sommerfests teilgenommen.

Kagerer wies in dem Zusammenhang auf die wichtige Funktion des ausgebildeten Peer-Teams hin, das sich in solchen Fällen um die psychosoziale Nachbetreuung der Beteiligten kümmert. Bei 57 Prozent der Einsätze im Jahr 2016 habe es sich um technische Hilfeleistungen gehandelt, bei neun Prozent um Brände. 34 Prozent seien sonstige Alarmierungen gewesen, darunter etliche Fehlalarme. Weil es immer mehr private Rauchmelder gibt, nehme die Anzahl der Fehlalarmierungen zu, berichtete der Kommandant. Wenn die Rauchmelderpflicht Ende 2017 auch für Bestandsgebäude gelte, werde die Zahl sicher noch einmal steigen, ergänzte Kreisbrandrat Karl Murböck später in seinem Grußwort. Gestiegen ist laut Kagerer auch die Zahl der Personen, die die Geretsrieder Wehr mit der Drehleiter gerettet hat. Demnächst stehe eine Ersatzbeschaffung für das in die Jahre gekommene Hilfsgerät an.

Mehrmals seien die Aktiven über 18 Jahre bei „skurrilen“ Fällen angefordert worden, sagte der Leiter der Truppe. Er erinnerte an den Unfall im August in Einöd, bei dem ein Auto mit vier Insassen über die Auffahrrampe einer Scheune gegen ein Haus gerast war – zum Glück ohne schwer Verletzte. Auch die Bergung des gestohlenen Radladers aus der Isar im Dezember verbuchte Kagerer unter der Rubrik „ungewöhnlich“. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit den übrigen Ortsfeuerwehren im Landkreis. So seien die Geltinger beispielsweise eingesprungen, um den Brand in einer Geretsrieder Bäckerei zu löschen, während die Geretsrieder gerade einen Waldbrand bei Königsdorf bekämpften. Umgekehrt habe man die Tölzer Kollegen unterstützt, als vor zwei Wochen in einer Chemiefirma im Gewerbegebiet Farchet ein Feuer ausgebrochen ist (wir berichteten).

Derzeit gehören der Truppe 81 Aktive an – darunter sechs Frauen und 14 Jugendliche. Über diesen starken Nachwuchs freute sich Kreisbrandrat Murböck. Doch nicht minder beachtlich sei die Anzahl der Einsätze, wenn diese auch unter der vergangener Jahre liege. Murböck: „Man nimmt es für selbstverständlich, dass die Feuerwehr immer parat steht. Das ist es aber nicht.“ Die Mannschaft würde schließlich darüber hinaus einen Großteil ihrer Freizeit mit Übungen, Fortbildungen, Aufklärung und der Organisation von gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Tag der Offenen Tür verbringen.

Bürgermeister Michael Müller zollte den Freiwilligen höchsten Respekt: „Ihr kommt im Notfall, Tag und Nacht. Zum Teil werdet Ihr mental stark beansprucht.“ Die Stadt wolle stets gut zusammenarbeiten mit der Feuerwehr, deren Leistung „unverzichtbar“ sei.

Tanja Lühr

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