Ein American Staffordshire Terrier
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Als Kampfhund eingestuft: Ein Sachverständiger attestierte dem Mischlingsrüden, der in Geretsried ein Kind ins Gesicht gebissen hatte, eine Abstammung von einem American Staffordshire Terrier (Symbolbild). Der Hundehalter wurde nun vom Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Richter kritisiert: „Stadt hat kläglich versagt“

Kampfhund beißt Kind ins Gesicht - Geldstrafe für Halter

  • vonRudi Stallein
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Ein Kampfhund hat ein Kleinkind (4) ins Gesicht gebissen. Der Bub wurde schwer verletzt. Der Hundehalter äußerte sich vor dem Richter. Der kritisierte die Stadt.

„Hund beißt Bub ins Gesicht“: Diese Meldung sorgte Mitte Juli vorigen Jahres für Entsetzen. Bei dem Vorfall in Geretsried wurde ein vierjähriges Kind schwer verletzt. Nun wurde der Halter (29) des inzwischen (auch wegen eines Krebsleidens) eingeschläferten Mischlingshunds wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt.

Stadt hatte wohl Hinweise auf das gefährliche Tier, unternahm aber nichts

Der Hund hatte da überhaupt nichts zu suchen“, machte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung deutlich. Und er kriti-sierte ebenso deutlich „ein eklatantes Versagen der Stadt Geretsried.“ Die hatte zwar Hinweise erhalten, dass es sich bei dem Tier um einen verbotenen Kampfhund handeln könnte, jedoch nichts unternommen. Am 17. Juli vorigen Jahres befand sich der Angeklagte mit seinem Hund gegen 21 Uhr im Innenhof einer Wohnanlage im Geretsrieder Ortsteil Stein. Dort spielten um diese Uhrzeit auch mehrere Kinder. Als eine Mineralwasserflasche auf den Boden fiel und zerbrach, geschah das Unheil. Während der Vater des Buben die Scherben aufsammelte, stürzte sich der Hund offenbar auf den Jungen und biss diesen mehrmals in den Unterkiefer. Während Zeugen berichteten, der Hund habe sich von seinem Herrchen losgerissen, beteuerte der Beschuldigte: „Ich hatte die Leine in der Hand.“ Als die Flasche herunterfiel, habe das Kind sich wohl erschrocken und sei „in meinen Hund reingerannt, der hat dann zugeschnappt.“

Hund war schon früher auffällig

Nach dem Unglück hatte ein amtlich bestellten Sachverständiger den Hund begutachtet. Dieser gelangte zu der Einschätzung, dass es sich bei dem Mischlingsrüden um eine Abstammung eines American Staffordshire Terriers handelte. Diese Rasse ist „als Kampfhund der Kategorie eins eingestuft und darf nicht gehalten werden“. Bei diesem Tier sei „die Gefährlichkeit unwiderlegbar“. Ebenso tückisch wie typisch: Er wirke optisch oft wie „ein ganz lieber Hund, reagiert aber plötzlich hemmungs-los“, erläuterte der Gutachter.

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Schon drei Monate vor dem Vorfall war der Hund durch „eine Beißerei mit einem anderen Hund“ aufgefallen. Damals habe die Polizei das Ordnungsamt darüber informiert, dass es sich bei dem Tier möglicher-weise um einen Kampfhund handele. „Es hätte sofort Leinenpflicht und Maulkorbzwang angeordnet werden müssen“, zitierte der Richter aus der Ermittlungsakte. Unternommen worden war jedoch nichts. Die Rassebestimmung erfolgte erst nach der Beißattacke. Auch dem Angeklagten sei nicht bewusst gewesen, wie gefährlich sein Hund war. „Er ist ihm als Bulldoggen-Mischung verkauft worden“, erläuterte Rechtsanwalt Florian Fuchs. Das sei nicht unüblich, bestätigte der Sachverständige: Weil die Züchtung dieser Hunde in Deutschland verboten sei, gebe es viele Kreuzungen und „die komischsten Fantasienamen“.

Verhalten des Tiers machte Halter schon früher stutzig

Auch wenn die Abstammung schwer einschätzbar war, hatte der Angeklagte schon bald bemerkt: „Mein Hund war aufgeregt, wenn er kleine Kinder gesehen hat.“ Er sei mit ihm ein Jahr lang in die Welpenschule gegangen und habe später eine private Hundetrainerin engagiert, erzählte der Angeklagte. „Sehr wirkungsvoll war das nicht“, entgegnete der Sachverständige. „Der Hund hatte keine Anzeichen von Erziehung.“

Der Mund ist ein bisschen schief und der Kiefer voller Narben. Und er bekommt Panik, wenn er große Hunde sieht.

Der Vater des Opfers

„Mit tut die Sache außerordentlich leid und ich möchte mich bei allen entschuldigen“, sagte der Angeklagte, bevor er zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro, insgesamt 3 600 Euro, verurteilt wurde. Der Bub habe die Operation einigermaßen gut überstanden. „Der Mund ist ein bisschen schief und der Kiefer voller Narben“, berichtete der Vater vom Heilungsprozess. „Und er bekommt Panik, wenn er große Hunde sieht – früher hatte er überhaupt keine Angst.“ Der Angeklagte nahm das Urteil an. rst

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